Montag, 4. August 2014

Irrelevant...

Vera Lengsfeld schreibt auf "Achse des Guten" im Artikel "Die schweigende Mehrheit ist irrelevant":
    Die friedlichen Muslime werden zu unseren Gegnern, wenn sie ihr Schweigen nicht brechen, denn wie in Deutschland, werden sie eines Tages wach werden und sehen, dass die Fanatiker über sie bestimmen werden und das wird das Ende ihrer Welt sein. ... Für uns, die wir das alles beobachten, ist nur eines wichtig: auf die Gruppe zu achten, auf die es allein ankommt: die Fanatiker, die unsere Lebensweise bedrohen. Letzlich ist jeder, der das nicht sehen will, mitverantwortlich dafür, dass sich das Problem verschärft und die Gefahr wächst.
Ich finde das so nicht richtig. Natürlich muß man penibel auf die Extremisten achten, welche nicht das geringste Problem damit hätten, unsere Städte in Kriegsgebiet zu verwandeln. Aber sind diese Extremisten wirklich die Gruppe, "auf die es allein ankommt"?

Doch nur für den Fall, daß man sich bereits in sein Schicksal ergeben hat und nicht mehr fragt "Muß es zwangsläufig so kommen?" sondern "Wann wird es soweit sein?"

Ist nicht die Gruppe, auf die es wirklich ankommt, die der Menschen, die etwas zum Guten hin verändern wollen? Wenn man friedliche Muslime pauschal als Gegner einstuft, für den Fall, daß sie schweigen, erwischt man dann nicht vielleicht auch jene, die sich in einem Stadium des Zweifelns befinden, auf dem Zaun sitzen und einfach noch nicht wissen, zu welcher Seite sie hinunterkippen, die sich aber durch die Einstufung als "Gegner" möglicherweise in die Hände der Extremisten treiben lassen? Wäre es daher nicht wichtiger, sich der nichtschweigenden Minderheit zu nähern, als die schweigende Mehrheit abzuurteilen?

Es gibt sie doch, die Muslime, die Gewalt ablehnen, die sich gemeinsam mit Christen schützend vor Kirchen stellen, die eine echte Aufklärung in ihrer Religion fordern. Natürlich: Sie sind in den Medien nicht so gegenwärtig wie die Teroristen, und wenn sie es einmal sind, dann werden sie manchmal leider belächelt.

Eine Überschrift wie "Die schweigende Mehrheit ist irrelevant" wird dann gefährlich, wenn ihr im Text die Aussage folgt, daß es nur eine Gruppe gibt, auf die es ankommt, nämlich die der Fanatiker. Dann läßt sich die Überschrift auch so formulieren: "Einzig die mordende Minderheit ist relevant". Diese Einstellung führt schnell dazu, daß man dann auch tatsächlich nur noch auf die mordende Minderheit achtet und jegliches Zeichen der Hoffnung auf Veränderung und Verbesserung an sich vorbeirauschen läßt.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Herr Alipius,

dieser Text versöhnt mich nahezu. Nachdem ich Ihnen nun unter "Na klar..." antwortete.

Sie verwirren mich in der Tat, mit Ihren Worten. Sie sind sehr unterschiedlich in den Beiträgen, nach meiner Wahrnehmung.

A.

Anonym hat gesagt…

Herr Alipius,

vielleicht mögen Sie noch erklären was Sie damit meinten in :


"Na Klar":


was ich ebenfalls wünsche, nämlich die Förderung der Einheit zwischen Christen und Muslimen (die zu erreichen aber nicht möglich sein wird, so lange es Islamisten gibt).

Was ist das für eine Einheit? Die scheinbar nicht funktioniert solange es (noch einen Islamisten) gibt?


A.

Alipius hat gesagt…

@ A.: Ich bin in den Beiträgen unterschiedlich, weil ich nicht immer nur streng rational bin sondern auch mal von Gefühlen übermannt werde und dann die Sau rauslasse.

Die Einheit ist diese, in der nicht behauptet wird, daß wir alle zum gleich Gott beten (falsch), sondern in der wir alle auf gleiche Art zu unserem Gott beten, nämlich friedlich (richtig).

Anonym hat gesagt…




Herr Alipius,

wenn ich dies dann richtig verstanden habe, dann können viele Menschen zu allen möglichen G*ttern beten und so ein Islamist stört nicht grundsätzlich daran, dass alle jene die friedlich sind eben bebeten was immer sie auch wollen...

Habe ich Sie darin richtig verstanden?


Ich glaube Ihre "Sau" habe ich bemerkt. Aber wenn ich so sagen darf, keine "Sau" die sie nicht in und auswendig kennt, kann unterscheiden wann Sie die "Sau" rauslassen und wann nicht. Und wenn ich mir manche Kommentare anschaue treibt Ihre Sau auch manch andere inner "Sau" mit.

Für mich hieß das, ich habe mich sehr erschreckt. Weswegen Sie mich nun zeitweilig am Hals haben. Noch erschrocken und zweifelnd an Ihnen und mich fragend wohin Ihre "Sau sie treibt" und mit Ihnen auch jenes wofür ich Sie stehen sah.

Freundlichst A.

Ester hat gesagt…

Die Geschichte hat aber gezeigt, dass die Mehrheit in der Tat irrelevant ist.
VOn daher stimmt es schon, dass was Vera Lengfeld so schreibt.
Die Sache ist nämlich die, dass die Mehrheit irgendwie nicht dazu kommt sich gegen die extremistische Minderheit zu stellen, weiß nicht warum. Aber versucht zu beschreiben, hat es Gertrud von LeFort in "die letzte am Schaffot".

Anonym hat gesagt…

Wie auch immer; das Problem scheint aber der Islam schlechthin zu sein. In Deutschland leben viele Menschen anderer Kontinente und Religionen, aber aggressiv gegen Andersgläubige und nicht integrationsbereit sind eben immer nur Moslems. Mit einer "irrelevanten Mehrheit" sollte man deshalb vorsichtig sein, das kann sich schnell umkehren.

Iris Kammerer hat gesagt…

In Deutschland leben viele Menschen anderer Kontinente und Religionen, aber aggressiv gegen Andersgläubige und nicht integrationsbereit sind eben immer nur Moslems.

Das ist schlicht unwahr, lieber Anonymus. Es gibt durchaus relevante Gruppen von politischen Extremisten, die mitnichten integrationswillig sind (z.B. "Autonome"). Es gibt inzwischen einen sogar recht breiten Mainstream, der Religiosität und Glauben verächtlich macht, pathologisiert und durchaus auch kriminalisiert und behauptet, dass jedwede Gewalt gegen Angehörige der drei monotheistischen Religionen aufgrund deren Geschichte legitim sei. Es gibt durchaus nicht integrationswillige Angehörige anderer Religionen z.B. aus dem asiatischen Raum.
Aggressiv gegenüber Andersgläubigen in Wort und Tat sind in meiner Heimatstadt ausschließlich atheistische Streiter für die totale Akzeptanz aller "Lebensentwürfe" als Streiter gegen "die" als homophob etikettierte "Kirche".