Montag, 11. August 2014

Ich frag' einfach mal:

Könnte es sein, daß all die unvorstellbaren, unmenschlichen Gewaltakte von IS, Boko Haram etc so etwas sind wie die letzten, irrationalen, heftigen Zuckungen?

Diese Leute nutzen ja das Internet und die Social Media. Die werden schon bemerkt haben, daß es da eine gewisse Religion gibt, die in weiten Teilen der Welt im Grunde nur existieren kann kann, weil sie mit Waffen verbreitet oder mit aberwitzigen Verboten und Regeln und abschreckenden Strafen aufrecht erhalten wird.

Diesen Leute wird ebenfalls aufgefallen sein, daß es andere weite Teile der Welt gibt, in denen die Religion sich zwar seit längerer Zeit auf dem Prüfstand findet, sich aber trotz Bedeutungsverlust und Kritik zu einem Überleben entschlossen hat, welches Gewalt und Waffen ausschließt und stattdessen eine Strategie gewählt hat, die Selbsthinterfragung zuläßt (wenn dabei auch manchmal mit den Zähnen geknirscht wird), die auf größtmögliche Redlichkeit setzt (wenn diese auch nicht immer erreicht wird), die zu einen sucht, wo sie einen kann und die sich selbst treu bleibt, wo sie sich selbst treu bleiben muß.

Diesen Leuten wird nicht entgangen sein, daß es weite Teile der Welt gibt, in der die Religion so etwas ist wie die mahnende und korrigierende aber auch ermunternde Stimme im Brausen der Zivilisation und wo die Zivilisation nicht so etwas ist wie die Beute der Religion.

Diese Leute werden ahnen, daß es zwar immer irgendwo einen größenwahnsinnigen, herrschsüchtigen, habgierigen, egoistischen Tyrannen gibt, der von ungezogenen, halbstarken Jungs fordert, sie sollen die Energie, welche sie durch selbstmitleidstrotzende Tobsuchtsanfälle neben den Zivilisations-Süßigkeitenregalen verschwenden, lieber mit Waffengewalt und Unmenschlichkeiten am vermeintlichen Gegner abarbeiten, aber sie werden auch ahnen, daß der Vorrat an diesen Jungs irgendwann aufgebraucht ist, wenn ihre einzigen Zukunftsoptionen der Tod, die seelische Zerrüttung oder der Ausstieg aus der Gewalt sind.

Diese Leute ahnen, wofür sich der Löwenanteil der Menschheit entscheiden wird, wenn er vor die Wahl gestellt wird zwischen Tod oder Leben, zwischen Krieg oder Frieden, zwischen Gewalt oder Sanftmut, zwischen von Steinzeitmenschen behausten Löchern mit Internetanschluß und Waffenlagern oder von Durchschnittszeitgenossen bewohnten Gegenden mit akzeptabler Entfaltungsmöglichkeit.

Diese Leute wissen ganz genau, daß es einen Gott gibt, der sich schon mit unserem Herzen zufrieden gibt und nicht das Leben der Anderen fordert. Wüßten sie es nicht, dann versuchten sie nicht, ihn mit Gewalt wegzudrängen und sich mit Händen, Füßen und Waffen gegen seine sanfte Stimme zu wehren.

Diese Leute dürften bereits erkannt haben, daß ihnen die Felle auf Nimmerwiedersehen davonschwimmen, wenn sie den Menschen die Freiheit der Wahl lassen. Und die Geschichte hat unzählige Male gezeigt, daß wenn die Freiheit den Menschen nicht gelassen wird, sie sich die Freiheit einfach nehmen.

Kommentare:

Severus hat gesagt…

Sehr optimistisch - vor allem hinsichtlich der Rolle der Religion in der "westlichen" Zivilisation.
Ist es denn so, dass eine "westliche" Christenverfolgung, die NICHT vom Islam ausgeht, ganz im Bereich des Unwahrscheinlichen liegt?


Arminius hat gesagt…

@Severus
Die westliche Christenverfolgung läßt mich zumindest am Leben und vertreibt mich auch nicht aus meiner bescheidenen Hütte.

Wenn ich mich ihr entgegenstelle, kostet mich das höchstens mein Ansehen und meinen Job.

Ester hat gesagt…

M.E viel zu optimistisch, man lese, mal die keinerlei christlicher Sympathien verdächtigte Kate Milet "Im Iran" schon etwas älter, aber es zeigt das merkwürdige Phänomen, dass das Christentum mit zunehmender Bildung auch der Frauen, "den Bach" runtergegangen ist. (Wobei ich definitiv nix gegen Bildung habe, das sogar gut bis sehr gut finde)
Aber beim Islam ist es umgedreht, ja mehr man da die Frauen fördert, je mehr man die Kinder in Hort, Krippe und Ganztagesschule versucht so wie die Christen zu Weicheiern, zu machen, um so fanatischer werden die.
Das fällt mir übrigens nicht erst seit gestern auf, aber Fakt ist, das es bei uns so sit, je mehr die Kinder staatlich ganztages betreut werden desdo "Fledermäusiger" werden die.
Bei den Moslems ist es komplett anders.
Ich weiß es ist schwer plakativ udn holzschnittartig, aber es ist doch so.

Ester hat gesagt…

P.S. ich nhabe mich wieder udn wieder gefragt, ob das nicht daran liegt, dass der Islam weiß, sobald er sich dem wissenschaftlichen Diskurs, dem Hinterfragen von allem und jedem, den Geisteswissensachten, die auch die Frage nach Gott und der Psychologie des Glaubens, nicht ausspart, dass es dann verloren hat und somit in der Tat, was wir erleben sozusagen "das letzte Gefecht ist".
Aber sorum zu denken, scheint mit angesichts der Leiden unserer Glaubensbrüder zynisch oder wie das Schlucken von Schlaftablette, anstatt die Schlaflosigkeit zum Beten zu benutzen.

kalliopevorleserin hat gesagt…

Ich finde, die Apokalypse des Johannes gibt eine gute Beschreibung unserer Zeit ab.
Amen - komm, Herr Jesus.

Alipius hat gesagt…

@ Severus: Unwahrscheinlich ist es nicht, aber es ist auch nicht der Punkt, um des es mir geht.

@ Esther: Ich halte die Prämisse, daß man im Iran jemals versucht hat, die Kinder in Ganztagsschulen zu Weicheiern zu machen, für gewagt. Eine Ganztagsschule in einem Land, welches soeben eine islamische Revolution hinter sich hat, wird den Kindern natürlich Fanatismus und kein Kuchenbacken beibringen. Was den Zynismus betrifft: Das Eine tun, das Andere nicht lassen. Es mag Leute geben, die während solcher Überlegungen keine Zeit mehr zum Beten finden, ich gehöre nicht zu diesen Leuten.

@ Claudia: ER wird kommen, es ist nur nicht sicher, wann...

Severus hat gesagt…

@ Arminius
"Ansehen und Job" - na das ist doch schon mal was! Und auch hier ist das Ende der Fahnenstange noch lange nicht in Sicht ... Als nächstes kommt Knast, und so weiter ...

Meckiheidi hat gesagt…

Ich fürchte, "diese Leute" sind auf einem Entwicklungsstand, trotz Internet und anderer Medien und Techniken,der dem frühen Mittelalter entspricht.(Geistig gesehen) Die werten das anders. Und was unsere Zeit anbetrifft: Wenn ich meinen Job verliere und mein Ansehen, dann ist es nicht mehr weit bis zum Verlust meiner "Hütte" - wenn ich kein Eigentum habe. Meine Familie muss mit leiden. Da gibt es durchaus Parallelen.

Ester hat gesagt…

@ Alipius

die Ganztagsschulen mitsamt den Weicheiern und den ungläubigen Karrierefrauen bezog sich auf Deutschland!
Und ich beobachtete das seit Jahren, fast Jahrzehnten, dass niemand seine Kinder so gerne und bereitwillig dem "System" überlässt, wie die Moslems und dass das an denen einfach abzugleiten scheint wie Wasser!
Und im Gegenteil, die Mädels dazubringt sich, im Gegensatz zu ihren christlichen Freundinnen bereitwillig dem Diktat ihrer Religion zu unterwerfen, und die Jungs, trotz allem weder sich beim Pinklen setzen (ist ironisch gemeint, als Metapher) und auch ansonsten denken, dass sie weil Moslem und männlich, eh das Keks sind.
Das mit dem iran und Kate Milet bezog sich auf ihr Buch "Im Iran" wo sie als amerikanische Feministin zufällig im Iran war und beschriebt wie die Studentinnen bereitwilligst Schleier und Mantel anzogen und das islamische Frauen antizipierten, also gerade die gebildeten Frauen Treibfeder der islamischen Revolution waren.

Ester hat gesagt…

Krieg den vorherigen Kommentar nicht korrigiert sollte heißen.

..und das islamische Frauenbild antizipierten.....