Mittwoch, 16. Juli 2014

Gestern Mittag, am Brandenburger Tor...

Die weltmeisterliche deutsche Fußball-Nationalmannschaft präsentiert sich den Fans und bringt einen kleinen Gassenhauer-Ohrwurm mit: "So gehn die Gauchos, die Gauchos, die gehn so... [die Fußballer gehen in gebückter Haltung voran] So gehn die Deutschen, die Deutschen, die gehn so... [die Fußballer gehen aufrecht voran]"

Der häßliche Deutsche ist zurück!

Er sitzt mit miesepetriger Miene vor dem Fernsehgerät, wünscht sich vielleicht gar insgeheim, er wäre dazu in der Lage, einfach mitzufeiern und in die Routine einzusteigen, welche laut Buch drei ("Der Fan"), Kapitel sechs ("Die Siegesfeier"), Paragraph fünf ("Häme gegenüber dem unterlegenen Team"), Absatz zwei des Internationalen Fußball-Gesetzbuches so auszuteilen ist, wie man sie einzustecken bereit ist, erhebt sich aus seinem Sessel, sammelt all seine rechtschaffene Indignation, küßt den Zipfel eines "Nie wieder Deutschland"- Transparents, welches er von der letzten "Demo gegen Freude über Fußballsiege (außer, die Anderen gewinnen)" mitgebracht hat und wirft sich an die Tastatur seines Computers.

Von dort aus mahnt und warnt und jammert und zährt er und will sich so gar nicht trösten lassen, angesichts der Hunderttausenden von Fans, die ihrer Mannschaft zujubeln und sich von rücksichtlosen Sieger-Herrenmenschen durch verführerisch-simple Schlachtgesänge in die gar schrecklichen Tiefen bluttriefenden Brutalo-Nationalismus' zerren lassen.

"Ach Deutschland!" seufzt er leise. "Wärst Du doch nur bald ein Land, in dem das 'Ministerium für nationalen Unterschwang' Erlaubnisscheine* für Freude über bestimmte Errungenschaften austeilt, auf welchen penibel festgelegt ist, wer, wann, wo, wie lange, auf welche Art und Weise über welches Ereignis sich freuen darf (oder ob er es überhaupt darf)."
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* Zuwiderhandlungen werden mit mindestens 6 Monaten Aufenthalt im "Umerziehungslager für eine vielfältige, undeutsche Kultur" geahndet, wo man in Kleingruppen-Workshops lernt, in allem gut zu sein, außer im Selbstbewußtsein, um sich geschmeidiger jenen unterwerfen zu können, die in nichts gut sind, außer im Selbstbewußtsein.

Kommentare:

Arminius hat gesagt…

Die erste hysterische Reaktion auf dieses Spaß habe ich beim Tagesspiegel gelesen, einem der üblichen Verdächtigen und anerkannten Blockwart der Political Correctness.

Jürgen Niebecker hat gesagt…

Pfff… als würde international sich irgendwer dafür interessieren wie die Deutsche DFB-Elf mit feierte und von ihren Fans gefeiert wurde.
Die Feier in Berlin ist, wenn sie denn überhaupt Erwähnung findet, von A wie Abchasien bis Z wie Zypern gerade mal eine Randnotiz wert.

Cinderella001 hat gesagt…

Danke, Hochwürden.
Das tut gut!
Damit ist alles gesagt.

Die Spaßbremsen machen in Deutschland ungefähr 10% aus, trotzdem meinen sie, sie könnten den restlichen 90% vorschreiben, wann und worüber sie sich freuen können, und worüber nicht.

F. M. hat gesagt…

So etwas wird im Fussball Nachtreten genannt und von den Christen als Christenverfolgung rubriziert, aber nur, wenn ihnen das passiert. Bei anderen ist es grosser Spass und die ganz anderen verstehen eben keinen Spass.

Cinderella001 hat gesagt…

Die FAZ hat auf ihrer Facebook-Seite an die 10.000 Antworten auf den Artikel bekommen. Wenn da vielleicht 2% Zustimmung für den Autor des Artikel sind, ist das viel.
Trotzdem haben sie heute noch mal nachgelegt und inzwischen auch den Herrn Niersbach genötigt, den Argentiniern eine Brief zu schreiben.

Oliver Doetsch hat gesagt…

Schau mal:
So gehen die Deutschen ...

Das Video stammt von der Feier nach der EM 2008 und keinen hat's interessiert. Bestimmt, weil die Mannschaft damit ihre Niederlage im Finale gefeiert und die Gegner verhöhnt hat? Oder weil sie damit einfach nur ihren Stolz oder Lebensfreude whatever zum Ausdruck bringen wollte?

Ein und das gleiche Verhalten und ein,al wird's zum Skandal und das andere mal interessiert es kein Mensch.

Le Penseur hat gesagt…

@Cinderella001:

Die Spaßbremsen machen in Deutschland ungefähr 10% aus, trotzdem meinen sie ...

Ich weiß, ich begebe mich da auf dem Blog eines Piefkes ;-) ein wenig auf dünnes Eis ... aaaaber ....

...das mit den bloß 10% Spaßbremsen hätte ich gern mit irgendwelchen Daten hinterfüttert.

Zumindest als lustiger Ösi ;-) hätte man da intuitiv etwas andere Verhältniszahlen geschätzt ...

F. M. hat gesagt…


Die Spaßbremsen machen in Deutschland ungefähr 10% aus, trotzdem meinen sie ...

Also diesen Satz finde ich brandgefährlich! Er beduetet ja nix anderes, als dass jemand, der nur 10% der Bevölkerung hinter sich hat, gefälligst das Maul halten soll.

Wenn das mit den Katholiken, ich meine die echten, wahren, praktizierenden Katholiken, so weiter geht, haben wir das bald erreicht. Und dann? Fresse!

Von den Lebensschützern ganz zu schweigen. Das sind heute schon weniger als acht Millionen, die wirklich ihre Stimme erheben, von Demos ganz zu schweigen. Wenn wir auf die Cinderellas Satz anwenden, dann gut Nacht Lebensschützer! Fresse!

Also bitte ganz schnell vergessen diesen Satz, bevor er uns auf die Füsse fällt, dass wir nicht mehr stehen können.