Mittwoch, 25. Juni 2014

Katholisch? Ja, bitte!

Der vor kurzem wieder aktiv gewordene Bloggerkollege thysus meldet sich mit einem weiteren Posting, in dem es gleich mal um die Wurscht geht!

Er bat mich um eine Stellungnahme zum angesprochenen Grundproblem:
    "Inwiefern ist die aktive Zugehörigkeit zur (katholischen) Kirche - inkl. entsprechend ernsthaftem Lebenswandel - wirklich heilsnotwendig?"
Gut...

Da ich ja Urlaub habe, ist mein Kopf einerseits ziemlich frei. Andererseits fehlt mir augfrund starker Bamberg-Berieselung, herrlichem Sommerwetter mit klassisch weiß-blauem-Frankenhimmel und munterem Vogelgepiepse momentan vielleicht ein wenig der nötige Ernst, um diese Frage erschöpfend zu beantworten.

Ich habe da im Grunde eine kurze "Ja, weil..."- und eine etwas längere "Nein, aber..."-Antwort auf Lager.

Aber bevor es losgeht, erst noch ein schneller Link rüber zu Cicero, der ebenfalls von thysus um ein paar Gedanken gebeten wurde und schon mal gut vorgelegt hat.

Die kurze "Ja, weil..."-Antwort: Die aktive Zugehörigkeit zur katholischen Kirche inkl. entsprechend ernsthaftem Lebenswandel ist heilsnotwendig, weil Gott nicht einfach nur darauf schaut, ob wir auch alle brav getauft sind, sondern auch darauf, ob wir uns wie Getaufte verhalten. Der entsprechend ernsthafte Lebenswandel umfaßt - bei aller Liebe zur Selbständigkeit und zum eigenen Weg - allerdings nicht nur das Hören auf die Gebote unseres Herrn sondern auch die Mitgliedschaft in seinem mystischen Leib, deren Haupt er ist, dazu sowohl die Kenntnis als auch das Befolgen der Lehre dieses mystischen Leibes und last but not least die Gnade, die für uns in den Sakramenten bereitliegt. Das ist für mich genau das "ernsthaft" im ensprechend ernsthaften Lebenswandel: Daß ich es mit meinem irdischen Lauf in Richtung Gott so ernst meine, daß ich den Ratschlägen, Antworten und Lehrpunkten, den Heils- und Hilfsmitteln seiner Kirche Vertrauen schenke und nicht an jeder Kreuzung, an der es ein wenig hektisch oder unbequem ausschaut, den am einfachsten scheinenden Weg wähle.

Die etwas längere "Nein, aber..."-Antwort: Die aktive Zugehörigkeit zur katholischen Kirche inkl. entsprechend ernsthaftem Lebenswandel ist nicht heilsnotwendig. Aber nur deswegen, weil Gott in unsere Herzen schauen kann und uns im Zweifelsfall besser kennt, als wir uns selbst. Und wenn Gott im Herzen eines Menschen das bewußte, aktive Suchen nach dem (völlig) Anderen, dem Höheren entdeckt und dazu auch einen Lebenswandel, der grundsätzlich auch einem getauften Katholiken gut stünde, dann bin ich ziemlich überzeugt, daß er sich nicht lumpen lassen wird. Es geht ja bei thysus um die Frage der Zugehörigkeit zur katholischen Kirche und den Lebenswandel, nicht um den Glauben an Gott und den Lebenswandel. Dort, wo ein Mensch Gott in Freiheit und bei vollem Bewußtsein gänzlich ablehnt, dort wird Gott die Freiheit dieses Menschen auch nicht beschneiden, indem er ihn in Handschellen vor sein Angesicht führen läßt und sagt "Siehste...!". Er wird diesen Menschen zwar nicht verlassen, sondern mindestens bis zu dessen letztem Atemzug da sein, um sein eventuell doch noch herausgeröcheltes "Fiat" zu vernehmen. Aber er wird diesen Menschen eben auch nicht zwingen. Wer sich nun Gott zuwendet oder zuwenden will und dazu versucht, ein anständiges Leben zu führen, sich aber standhaft weigert, mit der katholischen Kirche auch nur das Geringste zu tun zu haben, der muß nicht zwangsläufig verlorengehen [** spontane Kopfexplosionen in der katholischen Wagenburg... **]. Aber er sieht sich einer nicht zu unterschätzenden Gefahr ausgesetzt, nämlich der Gefahr, nicht auf das Magisterium, sondern auf das Meingisterium zu hören und in extremen Versuchungssituationen die Bibel vielleicht eher als Rechtfertigungswerkzeug seiner Vergehen einzusetzen ("Oooch... So ein kleiner Ehebruch kann doch nicht so schlimm sein. Jesus war doch barmherzig und hat sogar die Ehebrecherin vor der Steinigung gerettet...") anstatt sie als umfassende Gebrauchsanweisung für das gelungene christliche Leben zu verstehen. Hinzu kommt, daß dieser Mensch entweder an die Gnadengaben in den Sakramenten nicht glaubt oder sie nicht ersehnt, was ein weiteres, ebenfalls nicht grade winziges Problem darstellt. Man könnte also sagen, daß jene, die aus freien Stücken und aus reiner Liebe zu den anderen Menschen einen tadellosen Lebenswandel wählen, immerhin eine Chance auf Heil und Rettung haben, so lange sie Christus nicht komplett ablehnen und so lange sie keine doofen Feilschereien abziehen ("Ich bin total lieb, aber dafür muß ich nicht in die Kirche gehen, okay?!").

Fazit: Katholisch? Ja, bitte!

Kommentare:

thysus hat gesagt…

@Alipius
Vorab schon mal besten Dank!
Hab mir erlaubt, den Artikel zu verlinken.

Le Penseur hat gesagt…

Reverende Domne,

Ihr:

Dort, wo ein Mensch Gott in Freiheit und bei vollem Bewußtsein gänzlich ablehnt, dort wird Gott die Freiheit dieses Menschen auch nicht beschneiden, indem er ihn in Handschellen vor sein Angesicht führen läßt und sagt "Siehste...!".

... klingt zwar sehr einleuchtend, ist es aber schon weit weniger, wenn man bedenkt, daß es ja (nach katholischer Ansicht) nicht darum geht, daß so ein Atheist, der »Gott in Freiheit und bei vollem Bewußtsein gänzlich ablehnt« einfach nach seinem Tod anihiliert wird (wie er es erwarten würde), sondern (wir lassen mal außerordentliche göttliche Gnadenakte weg, die wir nicht wissen können) sozusagen »lege artis« den Verdammungsstrafen unterliegt.

Diese werden zwar von heutigen Theologen nicht mehr mit der sadomsosistischen Lust zum Detail ausgemalt, wie das in früheren Jahrhunderten üblich war — aber es ist für den, der die traditionelle Höllenlehre nach wie vor vertritt, dennoch klar, daß diese »poena damni« wirklich kein Honiglecken ist!

Und da sie e-w-i-g dauert (das muß man sich mal auf der Zunge zergehen lassen!), heißt das also im konkreten Fall: ein des Beispiels halber angenommener Durchschnittsmensch, der sich so-la-la ethisch halbwegs ordentlich verhalten hat, aber der Meinung ist: »Gott gibt's nicht, und nach meinem Tod ist alles aus«, der würde nach diesem Tode zwar nicht, wie Sie so schön schreiben, »in Handschellen vor sein Angesicht« geführt, sondern — ätsch! — in (virtuellen) Handschellen ewigen Qualen (welcher Art immer) ausgesetzt.

Man muß kein Atheist sein, um so einen Gott als geradezu monströs sadistisches Ungeheuer zu empfinden!

Da ich es vorziehe, von Gott eine bessere Meinung zu haben, als daß er ein monströs sadistisches Ungeheuer wäre, muß ich entweder davon ausgehen, daß

1. ich ein geradezu trottelhaft hoffnungsloser Fall von Optimist bin, weil Gott nämlich diese ewige Qual völlig zu Recht verhängt; oder

2. annehmen, daß diese Lehre (mag sie auch noch so Denzinger-bewährt daherkommen) eklatant falsch ist.

Es wird Sie nicht überraschen, daß ich mich zu zweiterem entschlossen habe. Ich kann das zwar, streng genommen, ebensowenig beweisen, wie die Höllenfeuerbrat-Groupies ihre Ansicht, doch habe ich wenigstens eine gewisse Plausibilität für mich, weil ich davon ausgehe, daß Gott wenigstens nicht monströser ist als bspw. ein Hitler, Stalin, Mao & Co., die sich ja aufgrund begrenzter Mittel damit »begnügen« mußten, Leute ein paar Jahre heimtückisch und/oder ein paar Tage oder Stunden bestialisch zu quälen, bis sie halt tot waren. Ewige Qualen zu verhängen, war auch diesen sinistren Gestalten nicht gegeben.

Unberührt bleibt dabei, daß eine Orientierung an den ethischen Lehren Christi sicherlich ein gutes Fundament für ein Menschenleben ist, das von einem gott, der gerecht ist, sicherlich positiv Vergolten wird. »Heilsnotwendig« in dem Sinne, daß andernfalls ewiges Unheil drohe, ist aber doch »ein anderes Paar Schuhe« — das aber leider nur zu gern angezogen wird (um beim bild zu bleiben) ...

thysus hat gesagt…

Auch le verehrte Penseur löst die bekannte, aber doch verzwickte Problematik nicht wirklich verbindlich und sauber, sondern tut bloss auf libertäre Weise seine (natürlich ethisch durchaus hochstehende) persönliche Meinung kund.

Etwas Anderes: ich wäre nicht unglücklich, wenn diese Diskussion auf meinem Blog gesammelt geführt werden könnte!
http://thysus.blogspot.ch/2014/06/die-absolute-grundfrage.html

Ester hat gesagt…

Ich denke das Kriterium ist der Wille und das Wissen.
Weiß der eine um die Lehre, den Glauben, die Existenz Gottes, sogut man das wissen kann und lt. Paulus kann man das wissen, wenn man nur die Augen aufmacht.. und hat dieses nicht auf eine Art serviert bekommen, dass sämtlichen Schutzschilde hochgegangen sind, und lehnt trotzdem Gott komplett ab, so wählt er, lassen wir mal die bildlichen Ausschmückung ála Dante weg, die ewige Ferne von Gott, und das ist die Hölle.
Qual ist selbige deshalb, weil, siehe Nietzsche, "Alle Glück Ewigkeit, tiefe, tiefe Ewigkeit will", die auf dieser Erde nie erreicht werden kann und diese Vollendung im Guten eben nur in Gott erreicht werden kann, und somit der, der nicht zu Gott kommt, weil er nicht will, eben nicht zur Vollendung gelangt, nicht gelangen kann.
Heilsnotwendig ist die Kirche aber einfach, deshalb, weil wie Sie werter LePenseur ja immer wieder gut beschreiben, der Mensch leider so gestrickt ist, das er das Offensichtliche nicht sieht (aber auch das steht schon in der Schrift) und es ihm deshalb gesagt werden muss!
Ich seh das so, wenn der Mensch gut, so richtig gut wäre. Dazu auch gebildet, (nicht in einem bürgerlichen Sinn) sondern im Sinn einer Herzensbildung, dem Nachsinnen über das Gute, das Wahre , das Schöne und das, ohne in die res adversae, die so ein Leben halt mich sich bringt, zu sehr verstrickt zu sein und richtig viel Zeit hätte, mehr als die lächerlichen 80 Jahre die uns so gegeben sind, ..
dann würde der Mensch wahrscheinlich zur Wahrheit kommen.
Aber von allem Äußeren abgesehen, so gut ist der Mensch halt nicht!
Die Kirche ist das Feuerwehrboot, dass der liebe Gott demjenigen schickt, der in den Fluten der Welt unterzugehen droht und dieser Mensch sind alle.
Selbstverständlich wird niemand
ins Wasser (Hölle) zurückgeschubst, wenn das Feuerwehrboot nicht bei ihm vorbeigekommen ist, und er sich mühselig an einem Balken festgehalten hat.....
Aber wer behauptet keine Rettung nötig zu haben, der wird auch nicht gerettet, weil Gott sich nicht aufdrängt.+

Maria hat gesagt…

was Ester schreibt, klingt einleuchtend, ist die Realität: " wenn der Mensch gut wäre, so mit Herzensbildung und so weiter..." ... "so gut ist der Mensch halt nicht!" Stimmt. Womit ich nicht klar komme: und warum nicht? Warum ist der Mensch so unvollkommnen, wenn ihn ein liebender Gott erschaffen hat? Wir haben uns ja nicht selber in dieser Unvollkommenheit erschaffen! Wollte Gott diese Unvollkommenheit? Und bitte jetzt nicht das mit der "Erbsünde", ich kenn das alles, aber es wäre doch für Gott, hätte er es gewollt, wohl möglich gewesen, auch damals schon zu verzeihen, und das alles anders zu lenken. Oder?
@Alipius: mich würde Ihre Antwort dazu sehr interessieren, muss aber nicht aus Bamberg sein, hat Zeit :)

Ester hat gesagt…

warum das so ist, das weiß ich nicht, was ich aber weiß ist, wenn ein Mensch wirklich weise ist, wirklich in der Lage ist, einen andern zu verstehen, wirklich in der Lage ist in aller Liebe, das Wort das hilft, zu sprechen, jemand, dem man vertraut, einfach so, halt ein weiser Mensch, dann ist das ein Mensch, der viel, viel mitgemacht hat.
So ein Mensch muss nicht unbedingt einer sein, von angenehmen Charakter, ein netter, sanftmütiger, lieber oder so, nein das nicht.
Der Pfarrer Kneip von den Kneipkuren muss so ein weiser Mensch gewesen sein und dabei war der ganz polterig, aber er hat viel mitgemacht, man lese die Biografie.
So scheint mir es so zu sein, dass in dieser Welt, das Leid eben dem Feuer des Goldschmiedes gleicht, was ja auch ein Bild der Bibel und der Mystiker ist...
Warum die Ausführlichkeit?
Nun man könnte jetzt sagen, all das ist ja Folge des Sündenfalls, der Goldschmied (=GOtt in seinen Zulassungen), reinigt das mit dem Erdendreck (=SÜndenfall) verunreinigte Gold...
Aber mit scheint diese Bewährung, auch im Menschen angelegt zu sein und zwar von Anfang an!
Die Probe im Garten Eden war in der Vorhersehung Gottes. Damals hat Adam schon abgeloost und wenn er es nicht hätte, so hätte er gegen die Schlange verloren und hätte seinem, Adam's, Tod ins Auge sehen müssen im Vertrauen auf Gottes Zusage und den Baum des Lebens (Das ist ein Idee, die Scott Hahn immer und immer wieder in die Diskussion bringt).
Das Sein Adams (des Menschen) hätte sich vollendet, wenn er nicht gegessen hätte!
Was dann folgte ist in einem gewissen Sinn ein "zurück auf Los!" auch deshalb, wenn sie genau Genesis 2 lesen, so schuf Gott erst den Menschen und legte dann (zeitlich dann) den Garten Eden an.
Im übrigen hatte Gott ja auch für die Engel eine Probe gehabt, weil und ich gestehe ich finde die Antwort immer langweilig, was wohl für die Antwort spricht, die Freiheit und die Liebe untrennbar sind.

Stegi hat gesagt…

was ist jetzt dann endgültig mit "nulla salus extra...." - na, Ihr wisst schon...

Imrahil hat gesagt…

Ich möchte mich jetzt in die Diskussion nicht wirklich einklinken, nur...


lieber @LePenseur,

die Meinung des Atheisten, es gebe Gott nicht, hat mit einer Ablehnung Desselben als solche überhaupt nichts zu tun.

[Solange sie tatsächlich Meinung ist... Ich meine damit *nicht* den Fall, daß einer verstockterweise einem Drang widersteht, diese Meinung zu überprüfen - wobei ich auch darüber nichts weiter sagen will, als daß es wohl eine Sünde ist.]