Dienstag, 6. Mai 2014

"You're my heroes!" - "Yeah, cool!" - "I'm done!" - "Yay!"

So die Statements von Emely Letts direkt nach ihrer Abtreibung im Operationsraum.

Abtreibungs-Beraterin (ist das deutsch für abortion counselor?) Letts hat die Abtreibung ihres Kindes filmen lassen und bei youtube hochgeladen, damit es endlich auch mal eine "positive Abtreibungs-Geschichte" gibt. Im Cosmopolitan schreibt sie über die Aktion:
    I knew the cameras were in the room during the procedure, but I forgot about them almost immediately. I was focused on staying positive and feeling the love from everyone in the room. I am so lucky that I knew everyone involved, and I was so supported. I remember breathing and humming through it like I was giving birth. I know that sounds weird, but to me, this was as birth-like as it could be.
Das abschließende Statement im Video:
    "I don't feel like a bad person. I don't feel sad. I feel in awe of the fact that I can make a baby, that I can make a life."
Emily Letts hat nun also nach ihrer Abtreibung Ehrfurcht vor der Tatsache, daß sie ein Leben in die Welt setzen kann...

Ernsthaft?

Kommentare:

kalliopevorleserin hat gesagt…

Klingt wie gelungene Satire. Ich KANN mich nicht daran gewöhnen, daß Realität gemeiner als Satire ist.

Raphaela hat gesagt…

Tja. An "sin makes you stupid" ist wohl was dran.

Die Fadenwirkerin hat gesagt…

Ich finde es einfach nur traurig.

MisterX hat gesagt…

Ob "homo" oder "hetero", ob Geburt oder Abtreubung, die Kamera macht alles gleich ...
Wirklich sehen tun wir ja noch kaum etwas.

Anonym hat gesagt…

Meine Urgroßmutter, sie ruhe in Frieden, verwendete selten das folgende Werturteil: Dumm wie die Nacht im Dezember.

Jetzt, nach Lektüre der Aussagen von Frau Letts, weiß ich, was sie damit gemeint hat.

"... This was as birth-like as it could be" - Ist diese Aussage analogiefähig? Wenn ja, dann müßte eine schwarze Messe so eucharistisch sein, wie das nur möglich ist.

Ich weiß jetzt nicht, was ich - außer beten - zuerst tun soll: Weinen (ob der Sünde), mich erbrechen (ob der Anmaßung) oder fremdschämen (ob der sieghaften Dummheit).

Zwetschgenkrampus


borrachon hat gesagt…

Unter "doula" versteht man in den US wohl jemanden, der einen Anderen emotional beisteht - vor allem Mädchen aus schwierigen Verhältnissen bzw. mit Drogen oder Alkoholproblemen bei Geburten, Adoptionen oder eben auch Abtreibungen. Das System finde ich gar nicht schlecht. In diesem Fall ist es aber keineswegs jemand, der Anderen ZU einer Abtreibung rät. Eine solche filmen zu lassen und ins Internet zu stellen finde ich etwas krank. Mindestens ebenso krank sind allerdings die selbsternannten "Lebensschützer", die darauf mit Morddrohungen reagieren.

Alipius hat gesagt…

@ borrachon: Das ist eine Sache, die ich eh nie kapieren werde... Wie kann man sich "Lebensschützer" nennen und dann Menschen mit dem Tode drohen oder gar wirklich gewalttätig werden!?

Anonym hat gesagt…

ad Borrachon: Ja, gewalttätige "Lebensschützer" sind ein Problem - denn sie bringen den Lebensschutz insgesamt in Verruf. Den ungeborenen Kindern, den Müttern in Grenzsituationen wird damit ganz und garnicht geholfen! Wer sagt: "Ich erschieße jeden Abtreiber" und sich als "Lebensschützer" bezeichnet, handelt ungefähr so logisch wie ein Abtreiber, der gegen die Todesstrafe agitiert; oder neutestamentlich gesagt: Splitter und Balken.

Zwetschgenkrampus

anthos hat gesagt…

Für mich klingt das so, als würde sie versuchen sich etwas einzureden ("giving birth"), um die Realität wegzudrängen, dass dieses Leben eben gerade zerstört wurde und es zu einer Geburt nie kommen wird. Ziemlich seltsam auch das hier:

"I didn’t feel bad. I do feel a little irresponsible and embarrassed about not using birth control. I mean, Emily, wake up! What are you doing?"

Hier ist die Kombination ihrer Einstellung zur Verhütung einersetis und zur Abtreibung auf der anderen Seite grotesk.