Donnerstag, 22. Mai 2014

(Selbst)Schutzreflex?!

Dieses Interview, welches Alois Glück der WELT gab, sorgt aktuell für ein wenig Wirbel. Zwei "Bingo!"-Zitate des ZdK-Präsidenten:
    Aber wir haben auch die hoch problematische Entwicklung, dass sich vom Priesteramt immer mehr auch junge Männer angezogen fühlen, die ins überhöhte Selbstverständnis des Würdenträgers zurückfallen und klerikal-autoritäre Verhaltensmuster leben. Manche bringen es zum Beispiel fertig, Frauen aus den Altarräumen zu verweisen, in einer Zeit, in der die Bischofskonferenz in einer Studientagung und anderen Aktivitäten den Frauen neue Aufgaben in der Kirche eröffnet.

    ...

    Die "priesterzentrierte" Richtung nimmt in Kauf, dass wir immer weniger Menschen erreichen. Das löst dann keine kritische Selbstreflexion aus, sondern oft eine selbstgerechte Haltung nach dem Motto, dass alles nur am Zeitgeist liege. Es gibt in unserer Kirche gefährliche Selbstschutzreflexe.
Der Wirbel sieht nun so aus: Auf facebook sagen einige katholische Männer (darunter ein Priester) zusammengefaßt ungefähr: "Erstens langweilig, zweitens hat Glück 'nen Ratsch am Kappes!". Daraufhin wird von einer katholischen Ordensfrau geantwortet: "Selbschutzreflex! Glück wird bestätigt!"

Ich spreche jetzt mal nur als Priester und sage, daß es zumindest bei mir keinen "Selbstschutzreflex" gibt, sondern nur einen "Schutzreflex".

Laßt mich erklären: Ich bin in der Kirche der späten 70er- und frühen 80er-Jahre aufgewachsen. Diese Zeit ging nicht spurlos an mit vorüber, denn durch den regelmäßigen Meßbesuch und die ein oder andere Bekanntschaft mit einem Priester war ich relativ schnell dazu in der Lage, zwei Dinge zu erkennen. Erstens: Das Heilige Meßopfer ist die Schatztruhe des Universums. Zweitens: Priester sind auch nur Menschen, aber sie tun etwas, daß nicht jedermann so ohne weiteres tun kann und darf. Es folgten einige Jahre der Kirchenferne, in denen ich mich eher mit der Geschichte des Katholizismus und der Kirche beschäftigte, als mit den Sakramenten. Meßbesuche waren sporadisch und endeten oft damit, daß meine Seele sich hinterher eines faden Nachgeschmacks entledigen mußte. Ich erfuhr in diesen Jahren in Gesprächen mit diversen Katholiken, daß es viele Spielarten der Abweichung vom Lehramt, der heruntergespielten Glaubensinhalte und der Selbsterhöhung der Laien gegenüber der Priesterschaft gibt. Irgendwann in den frühen 90ern schlug ich dann wieder regelmäßig in der Kirchenbank auf und stellte in drei Düsseldorfer Gemeinden fest, daß bei den Gläubigen eine gewisse Verunsicherung um sich griff. Der Priester, der nacheinander in diesen drei Gemeinden seinen Dienst als Arbeiter im Weinberg des Herrn verrichtete, neigte nämlich dazu, den Gläubigen die katholische Lehre ohne Abstriche, ohne Zuckerguß und ohne Raum für faule Ausreden zu präsentieren. Die darauf folgenden Reaktionen der etwas progressiveren Leute zeigten mir, wie tief bei einigen das Nicht-Wissen um katholische Inhalte saß, wie wenig guten Willen es gab und wie hoch die Bereitschaft war, sich von simplen Slogans und der Aussicht auf eine noch hüftgesteuertere Zukunft verführen zu lassen.

Seit ich nun offiziell im Gewerbe bin, sehe ich, wie sehr es an allen Ecken und Enden brennt und wie viel Aufwand nötig ist, um die Seelen wenigstens vom gröbsten Schaden abzuhalten. Wenn ich nun als Priester hingehe, um einerseits den Menschen bestimmte Sachverhalte zu erklären und andererseits bestimmte Phänomene so weit wie möglich von mir fernzuhalten, dann tut ich das nicht, weil ich selbst einen besonderen Schutz brauche, dessen Notwendigkeit sich in spontanen Reflexen äußert, sondern weil ich schlicht und einfach verstanden habe, daß sehr viele Schäfchen neben halbwegs solider Katechese auch einen Schutz vor noch mehr Verwirrung brauchen.

Kommentare:

Helene hat gesagt…

Danke an Sie und alle jene Ihrer
Mitbrüder, die ihr Hirten- und
Lehramt wirklich ernstnehmen. Wir
brauchen Ihre Vor- und Fürsorge
wie den sprichwörtlichen Bissen
Brot!
Vergeltsgott tausendmal!

KH hat gesagt…

Ich schlie'e mich dem Kommentar von Helene an.
Tausendmal verggelts Gott.

jeannedarc hat gesagt…

Leider haben wir im Moment einen "obersten Brückenbauer" der mich und viele andere durch zwiespältige Äußerungen, massivst verwirrt und beunruhigt.
Von meiner Freude an der Kirche ist seit gut einem Jahr nur noch Resignation und Frustration übriggeblieben.

Alipius hat gesagt…

@ jeannedarc: So darf's aber auch nicht sein. Grund für unsere Freud an der Kirche sollte immer noch Christus sein und nicht ein Papst, der weniger plaudert (bzw weniger von seinem Geplauderten an die Öffentlichkeit dringen läßt) und so den MSM seltener die Chance gibt, bestimmte Dinge als magisterielle Äußerung zu verkaufen und damit ihr eigenes Süppchen zu kochen.

ohne Eigenschaften hat gesagt…

+1 @ Helene, um es mal so salopp auszudrücken!

Ich wünschte, der Vorsitzende des ZK der KdBRD hätte auch nur den Anschein eines Stücks von einem Fitzelchen des fleischlichen Abglanzes der Legitimation, die jeder einzelne Priester hat, dann käme ich mir von ihm schon sehr viel besser vertreten vor als jetzt. Wenn die deutsche Laienheit nicht aufgebaut wäre wie eine leninsche Partei neuen Typus, sondern es eine Wahl zum Zentralkomitee gäbe, das wäre schön!

Severus hat gesagt…

@ ohne Eigenschaften
Pardon - können Sie mir mal erklären, wozu wir, abgesehen vom Wahlmodus, überhaupt so ein blödsinniges "Zentralkomitee" brauchen ?

ohne Eigenschaften hat gesagt…

Nein, das kann ich nicht, Severus. Aber da es nun mal da ist, sollte es doch wenigstens die Laienvertretung sein, die es zu sein vorgibt, oder?

Severus hat gesagt…

Ich meinerseits ziehe es vor, diesen peinlichen Narrenverein einfach zu ignorieren. Was wir dringendst brauchen, sind gute Priester - und damit darf ich mich den ersten beiden Kommentaren anschließen !

Severus hat gesagt…

Nachtrag: ... mit der "leninschen Partei neuen Typus" sind wir natürlich völlig d'accord !

ohne Eigenschaften hat gesagt…

Ich muß mich ein wenig präzisieren: Grundsätzlich ist es ja nicht schlecht, wenn eine Laienvertretung gegenüber Medien, Politik und Gesellschaft ab und zu klarmacht, daß die Kirche nicht nur aus dem Klerus besteht, sondern auch aus vielen Millionen Gläubigen. Auch eine gewisse Mitbestimmung der Laien ist ja in der Kirche durchaus vorgesehen, und vielen ist sie sehr viel wichtiger als uns beiden, das muß man auch anerkennen. Mich ärgert's aber, wenn Laienvertretungen ständig öffentlich auf Crashkurs mit der Kirche gehen und dabei behaupten, sie verträten die Interessen der Laien gegenüber der Kirche. Daß das so ist, ist nämlich mehr als fraglich, und fraglich ist auch, ob die Gläubigen sich wirklich der Kirche gegenüber und nicht vielmehr in der Kirche verorten.

Severus hat gesagt…

d'accord !