Mittwoch, 14. Mai 2014

Ich schreibe jetzt mal,...

... warum ich Priester-Sein ungeheuer aufregend finde!

Ganz zu Beginn stehe sicherlich ich selbst als Geschöpf unter dem wachsamen und barmherzigen Blick Gottes. Priester-Sein bedeutet für mich in erster Linie tatsächlich so etwas wie "Der Berufung gerecht werden". Und die Antwort auf die Frage bzw das Urteil darüber, ob ich meiner Berufung gerecht werde, gibt Gott.

Hier ist dann auch sogleich Platz für die erste Aufregung, denn Gott spricht zu meinem Herzen, während die Menschen erst einmal zu meinen Ohren sprechen. Soll heißen: Ob und wie weit ich der Berufung gerecht werde, daß erkenne ich in der Regel am ehesten dann, wenn Ruhe herrscht und kein Geräusch an mich herandringt.

Wenn Menschen mich entweder loben oder kritisieren, weil eine Messe entweder besonders feierlich oder zu lang war oder eine Predigt entweder schön kurz und auf den Punkt oder zu "konservativ" war, dann nehme ich das zwar mit und lasse die Rückmeldungen in einen Erfahrungspool einfließen, aber entscheidend ist keines dieser Statements.

Wenn ich aber am Altar während der Messe die konsekrierte Hostie erhebe und plötzlich einen Windhauch im Rücken verspüre und das Gefühl habe, unter freiem Himmel zu stehen, dann wage ich es nicht, den Blick nach hinten zu wenden, weil ich weiß, daß ich den Anblick besonders des Mittleren der drei Kreuze, zu deren Füßen ich stehe, nur schwer ertragen könnte.

Solche "Ich sehe in dich hinein, aber ich schlage nicht drein"-Interventionen Gottes sind exzellenter Kraftstoff. Unter ständiger Beobachtung zu stehen, ohne dabei auch nur ein einziges Mal eine andere Furcht zu empfinden, als jene, die Liebe zu verletzen, die Gott mir schenkt, ist - und das mag für viele Menschen vielleicht widersprüchlich klingen - sehr befreiend. Da ich an Gott glaube und auch daran, daß Christus auf irgendeine Art immer bei mir ist, fühle ich mich stets behütet und begleitet.

Ebenfalls aufregend, wenn auch auf eine ganz andere Art, ist das Unter-den-Menschen-Sein, welches sich für jeden Pfarrer (oder Moderator, wie es in meinem Fall richtig heißt) ja automatisch ergibt. Zwischen Priester und Gläubigen kommt es - zumindest nach meiner Erfahrung - immer zu sehr entspannten Begegnungen, in denen das "Mein Haus, mein Auto, meine Yacht"-Getue wegfällt und somit Platz läßt für eine Vertrautheit, die ich überhaupt nicht als unangenehm empfinde. Natürlich gehen die Gläubigen nicht nur mit besonderen Erwartungen oder ganz speziellen Fragen sondern glücklicherweise auch in der heutigen Zeit immer noch mit einem gewissen Vertrauen auf den Priester zu und eröffnen ihm Bereiche ihres Lebens, in denen (entweder tatsächlich oder zumindest nach ihrer Meinung) auch wirklich nur noch er helfen kann. Und ich rede hier nicht von der Beichte (denn von der Beichte rede ich nie, weil's niemanden etwas angeht), sondern von eher "alltäglichen" Situationen, die aber immer Platz für eine katholische Interpretation, einen katholischen Rat oder eine katholische Antwort lassen.

Aufregend ist ebenfalls die Tatsache, daß ich einerseits als Priester in der heutigen Zeit zwangsläufig immer auch für das Image der Kirche mitverantwortlich bin, daß ich mich andererseits aber vor keinen Karren spannen lassen will. Um ein nerviges aber bekanntes Wort etwas abzuändern: Bei mir gilt weniger "Mach dein Ding!" als "Mach Gottes Ding!", wobei "Gottes Ding" weder das ist, was die Menschen von mir wollen, noch das, was ich von Gott will, sondern das, was Gott von mir wünscht.

Aufregend ist es zuletzt auch, daß ich immer in so einer komischen Wunder-Suppe schwimme, das heißt in einem Zustand, in dem ich mich darüber wundere, daß ich überhaupt Priester bin (auf so eine weitäugige "Kann das jetzt wirklich sein?"-Art) und es gleichzeitig ganz wunderbar finde, Priester zu sein. Besonders, wenn ich die Kirsche auf dem Sahnehäubchen betrachte, nämlich die Gemeinschaft mit meinen Mitbrüdern im Stift Klosterneuburg. Ohne diese Familie wären viele Dinge viel schwieriger.

Kommentare:

Mara hat gesagt…

Wie wohltuend - ein Priester, der weder über "Überlastung" und die schlechten Bedingungen in seinem Job jammert noch sich halb für das, was er ist, entschuldigt, sondern so begeistert wie Sie von seinem Beruf, seiner Berufung redet!
Wunderbar, so etwas zu lesen! "Nur eine Furcht, nämlich, die die Liebe zu verletzen..." ja, eigentlich dürften wir alle nur diese eine Furcht haben, nicht die vor der Meinung anderer, dem Gefühl, als "unmodern, mittelalterlich usw." zu gelten.. Aber das ist manchmal gar nicht so einfach. Um so wichtiger, dass es gerade Priester vorleben! Und dass diese Haltung eine vollkommene innere Freiheit verleihen kann - ich glaube es schon, auch weil ich mal einen Priester erlebt habe, bei dem es auch so war. Natürlich denken viele, das, was ein Priester so versprochen hat zu leben, müsste doch eher unfrei machen: Gehorsam, Zölibat und so. Das dachte ich auch immer. Bis ich erlebt habe, dass es einen - ich nenne es mal - freiwilligen Gehorsam gibt, der nicht aus einem Zwang heraus, sondern allein aus der Liebe heraus geschieht. Aus einer Liebe, die größer ist als die zu einem menschlichen Wesen. Und deshalb auch eine noch größere innnere Freiheit und Freude bewirken kann!
Vielen Dank für Ihren post! Sehr berührend!

Alipius hat gesagt…

@ Mara: Danke für Ihren Kommentar und Gottes Segen!