Freitag, 28. Februar 2014

"Wenn der Reichtum auch wächst..."

Eine Frage, die ich schon seit langer Zeit (also nicht erst seit dem Amtsantritt von Papst Franziskus) mit mir herumschleppe, die ich aber bisher nicht öffentlich zu stellen wagte, ist diese: Muß die Kirche nicht ebenso eine Kirche für die Reichen sein wie für die Armen?

Schon der Gott der Psalmen entpuppt sich in vielen Fällen als ein Gott der Armen. Christus selbst steht auf der Seite der Besitzlosen, Schwachen und Ohnmächtigen und warnt vor den Gefahren des Reichtums. Wenn wir nun auf die schauen, "die im Leben schon alles haben", dann sehen wir immer auch Menschen, die in die Irre gehen können: "Wenn der Reichtum auch wächst, so verliert doch nicht euer Herz an ihn".

Ist die Kirche hier nicht ganz besonders gefordert und gefragt, nach vorne zu preschen und die Gefährdeten vom Irrweg abzuhalten oder abzubringen? Muß die Kirche nicht an vorderster Front stehen, wenn es darum geht, grade den Reichen klarzumachen, daß sie von all ihrem irdischen Besitz nichts in den Tod mit hineinnehmen können und daß nach dem Tod ein Reich auf sie wartet, für welches sie hier auf Erden bereits Schätze sammeln können?

Weder Armut noch Reichtum sind ein Freifahrtschein in den Himmel oder in die Hölle. Letztlich geht es doch wirklich um die Bekehrung der Herzen. Aber da, wo viel ist, dort kann man das Herz auch an viel verlieren. Daher sollte man den Reichen um so eindringlicher ins Gewissen reden. Aber nicht mit sozialromantischen Floskeln, welche unter Umständen dazu führen können, daß die Reichen glauben, sie könnten sich mit genügend Spenden den Weg in den Himmel freikaufen, sondern mit dem Hinweis darauf, daß wir das, was wir bei unserer Geburt an materiellem Besitz mit auf die Welt gebracht haben (nämlich nichts), am Ende unseres Lebens auch wieder in den Händen halten werden. Unsere Herzen aber werden voll sein, und wehe jenen, die vor den Richterstuhl treten und gestehen müssen, daß sich in ihren Herzen alles findet außer dem, der sie soeben prüfend anblickt.

Wer verstanden hat, daß auch der größte Besitz höchstens das Leben auf Erden angenehmer gestalten kann und daß Reichtum vor Gott vergeht wie ein Windhauch, der wird sicherlich ganz von selbst nicht nur großzügig geben, sondern tatsächlich sein Herz auch dem wahren Schatz zuwenden.

Ich finde schon, daß wir in der Kirche so etwas gebrauchen können wie eine Mission bei den Reichen und Superreichen. Wenn sie uns verlachen und davon jagen, dann können wir immer noch den Staub von unseren Füßen schütteln, zum Zeugnis gegen sie. Aber wenn wir ein paar goldene Käfige öffnen und feststellen, daß drinnen eigentlich recht aufrichtige Christen sitzen, die sich bisher nur aus Bequemlichkeit oder Angst nicht hinausgewagt haben: Das wäre doch eigentlich eine gute Sache, oder?

Natürlich darf die Kirche sich nicht einfach zu den Reichen ins Bett legen und sagen "Oh! Hier ist's aber gemütlich...". Natürlich kann die Kirche nur dann wirksam auch eine Kirche für die Reichen sein, wenn sie Kiesel im Schuh ist, Haar in der Suppe, Unruhestifterin. Allerdings nicht, um den Reichen zu früh ein schlechtes Gewissen zu machen oder ihnen eine Schuld einzureden, sondern um ihnen zuerst das Herz für unseren HErrn zu öffnen. Der Rest folgt - so darf ich zumindest hoffen - von alleine.

1 Kommentar:

Le Penseur hat gesagt…

Reverende Domne,

ich erlaubte mir, Ihren Text zu verlinken und mit meiner derzeit laufenden »Mises-Lektüre« zu kombinieren. Ein —wenigstens für mich — interessantes Experiment ...