Montag, 17. Februar 2014

Was hat er denn nun gesagt und kann man es auch irgendwie herausfinden?

Auf der tschechischen Radio Vatikan-Seite findet man diese Aussage von Bischof Graubner über eine Audienz bei Papst Franziskus während des ad limina-Besuches der tschechischen Bischöfe:
    Zaujala mne ještě jiná věc. Například, když byla řeč o těch, kteří mají rádi starou liturgii a vrací se k ní, bylo patrné že papež mluví s velikou láskou, pozorností a citlivostí vůči každému, aby nezranil. Kromě toho měl však i poměrně silný výraz, když řekl, že u staré generace tomu rozumí, jestli se vrací k něčemu, co zažila, ale že není schopen pochopit mladou generaci, která se k tomu vrací. "Když se ptám konkrétněji a víc – dodal papež – zjišťuji, že je to spíše jakási móda. A pokud je to móda, tak je to věc přechodná, které není potřebné věnovat tolik pozornosti. Jenom je třeba s určitou trpělivostí a laskavostí se chovat k lidem, kteří propadli určité módě. Považuji však za obrovsky důležité jít na hlubinu, protože pokud nepůjdeme do hloubky, tak nás nezachrání liturgická forma ani taková, ani taková".
Katholisches.info hat die deutsche Übersetzung:
    Als wir über jene diskutierten, die die alte Liturgie lieben und wünschen zu ihr zurückzukehren, war offensichtlich, daß der Papst mit großer Zuneigung, Aufmerksamkeit und Sensibilität für alle sprach, um niemandem wehzutun. Dennoch gab er eine sehr starke Erklärung ab, als er sagte, daß er versteht, wenn die alte Generation zurückkehrt zu dem, was sie erlebt hat, aber er nicht die jüngeren Generationen verstehen kann, die zurückkehren wollen. „Wenn ich gründlicher darüber nachdenke“ – sagte der Papst – „finde ich, daß es eher eine Art Mode [móda, italienisch moda] ist. Und weil es eine Mode ist, daher muß man ihr nicht so viel Aufmerksamkeit schenken. Es ist nur notwendig, eine gewisse Geduld und Freundlichkeit den Menschen gegenüber zu zeigen, die von einer gewissen Mode abhängig sind. Ich halte es aber für sehr wichtig, in die Tiefe der Dinge zu gehen, denn wenn wir nicht in die Tiefe gehen, kann uns keine liturgische Form retten, weder die eine noch die andere".
Und der geistbraus hatte gestern bereits die erste, total geistbraus-mäßige Reaktion ;-)

Die deutsche Übersetzung enthält meiner Meinung nach einen klitzekleinen Fehler, dies allerdings an einer nicht unwichtigen Stelle: Ich konnte in keinem mir zugänglichen Wörterbuch eine Übersetzung des Wortes "pokud" finden, die auch nur entfernt in die Richtung von "weil" geht. Stattdessen fand ich Übersetzungen wie "wenn", "vorausgesetzt, daß", "sofern", "solange" etc...

rorate caeli, eine Webseite, die mir wegen ihres manchmal zu heftigen Tones und Stils eigentlich suspekt ist, hat in der Übersetzung ins Englische zumindest diese Stelle besser hingekriegt. Dort liest man:
    And if it is a fashion, therefore it is a matter that does not need that much attention.
Dies erst einmal zur Übersetzung.

Zum Inhalt: Auch, wenn der Heilige Vater offenbar eher "wenn" als "weil" gesagt hat, finde ich seine Aussage ein wenig problematisch, denn sie klingt in meinen Ohren ein wenig gönnerhaft-herablassend, so a la: "Laß die Kinder mal machen, so lange es cool ist. Das ist nur eine Rabellen-Phase und daher nicht so wichtig..." Damit höhlt Franziskus im Grunde seinen eigenen Wunsch aus, an die Ränder zu gehen, wenn dieses "an die Ränder gehen" bedeutet, daß man gleichzeitig eine Gruppe von Katholiken marginalisiert, die sich sehr wohl eher im Zentrum der Kirche befinden als am Rande.

Denn was soll denn letztlich mit dem "Mode"-Statement ausgedrückt werden? "Ihr braucht nicht so viel Aufmerksamkeit, denn euch haben wir ja ohnehin sicher. Wenn die Alte Messe* wieder uncool wird, dann werdet Ihr sicherich eher die Neue Messe besuchen, als der Kirche untreu zu werden..." Ich interpretiere jetzt vielleicht ein wenig zuviel hinein, aber selbst bei Übersetzungen kann der Ton die Musik machen und hier bleibt bei mir einfach ein komisches Gefühl zurück.

Und letztlich haut der Papst dann auch seinen guten Schlußsatz ("... in die Tiefe gehen...") in Stücke, wenn er vorher dieses Gschmäckle aufkommen läßt. Warum hat er seine Antwort nicht einfach auf das reduziert, was richtig ist, nämlich daß wir die Liturgie in ihrer ganzen Tiefe, Wahrheit und Schönheit erfahren müssen, wenn sie uns wirklich zum Instrument der Rettung werden soll, unabhängig davon, ob man nun von der Alten Messe oder der Neuen Messe redet? Warum erst diesen komischen "Mode"-Seitenhieb?

Abschließend ein kurzer Disclaimer, um Verwirrungen oder Mißverständnissen vorzubeugen: Ich habe nach wie vor mit der Alten Messe keinen Vertrag. Ich bin ganz und gar nicht gegen sie. Ich werde aber auch nicht kranmpfhaft darauf drängen, sie irgendwann einmal zelebrieren zu können, nur weil es die Alte Messe ist. Ich bin interessiert an einer Liturgie, die gültig und würdig zelebriert wird und tatsächlich dazu in der Lage ist, einen Funken der eben angesprochenen Tiefe, Wahrheit und Schönheit zu vermitteln. Und meine Studienzeit in Rom hat mir gezeigt, daß man sowohl die Alte Messe als auch die Neue Messe lustlos bis schlampig zelebrieren kann und daß somit die Leute hier wie dort nicht jene Fülle erfahren, auf die sie als Meßbesucher und Meßmitfeierer meiner Meinung nach ein Anrecht haben. Ich selbst verliere bei jeder Messe, die ich zelebriere, gefühlte 10 Kilogramm an Gewicht, weil ich tatsächlich einen monströsen Bammel davor habe, daß die Messe meinerseits eben nicht sine contumelia creatoris gefeiert wird. Wenn ich mir ausmale, daß ich jetzt noch eine andere Form dieses Ritus dazulerne, in der ich ebensoviele - wenn nicht gar mehr - Möglichkeiten habe, einen Bock zu schießen, dann wird mir ziemlich schwarz vor Augen.
__________

* Wer sich an der Formulierung "Alte Messe" reibt, der kann ebenfalls beim geistbraus auf eine üppige Liste alternativer Formulierungen zurückgreifen und sich eine aussuchen

Kommentare:

Monika hat gesagt…

Apropos - leicht off topic:

Bei uns soll es einen Faschingsgottesdienst geben, am Sonntag vor Fasching, wo man verkleidet kommen soll.

Mich gruselts.

Was halten Sie, Herr Alipius, und was halten die lieben Mitleser davon?

Elsa hat gesagt…

pokud:
insoweit es...
solange es ...
inbetreffs ... es sich um eine Mode handelt

Es sind aber die Worte eines tschechischen EBs, der das aus dem Gedächtnis widergibt, noch dazu etwas, was der Papst sicher nicht in seiner Muttersprache Tschechisch zu ihm gesagt hatte...

Diese ganzen Sturm im Wasserglas-Dinger ermüden mich. Und nein, lustig finde ich es auch schon nicht mehr.

Alipius hat gesagt…

@ Monika: Messen in Verkleidungen lehne ich grundsätzlich ab. Bei mir haben die Kindergartenkinder in einem Advents-Kindergottesdienst eine kleine Herbergssuche-Geschichte nachgespielt und sich dabei als Maria und Josef etc verkleidet. Damit habe ich keine Probleme, weil ich gemerkt habe, daß durch das Üben der Szenen und des Textes sehr viel von den Bibelstellen bei den Kindern hängengeblieben ist. Aber so ein Verkleidungs-Event um des Events willen, das mag ich nicht.

@ Elsa: Ja, die "Sturm im Wasserglas"-Dinger sind ermüdend, aber ich denke es ist fair, wenn man versucht, die Worte des Papstes so gut wie es geht wiederzugeben, auch wenn man dann eben irgendwann an Grenzen stößt.

Elsa hat gesagt…

Das ging jetzt auch nicht gegen dich, weil du es in obigem Eintrag thematisiert hattest.

Es ist halt nur so, dass keiner genau weiß, was der Papst zu diesem Erzbischof gesagt hatte. Seit Scalfari halte ich grundsätzlich alles für möglich, was Papstinterpretationen betrifft:-)

Genausogut ist es auch möglich, dass Franziskus das tatsächlich so gesagt hat. Dass er sich nicht viel aus Liturgie - oder villt. besser liturgischen Fragen macht, war schon klar - andererseits hat man beim Syrien-Friedensgebet ja gesehen, dass er sich durchaus was aus Liturgie macht.

Dass das jetzt wieder rund um den Globus geht und Blogger wie Rorate Caeli etc. nun tschechische Muttersprachler auftreiben, um der Sache auf den Grund zu gehen, halte ich einfach für überzogen. (Wie gesagt, damit meine ich jetzt nicht deinen Eintrag, die Frage nach "pokud" kann man sich ja sehr wohl stellen, es ist ja auch eine interessante Frage, wenn man es mal rein vom sprachlichen her sieht.

muellersmattes hat gesagt…

@Monika: Für mich kommt das auf die Region an. Wenn in Köln ein Karnevalsgottesdienst gefeiert wird, ist das was anderes, als wenn in Brandenburg (nur als Beispiel) einer gefeiert würde.

Zum Thema: Ich denke, der Papst ist einfach der Meinung, daß die Entscheidungen, die letzlich zur "neuen" Messe führten, richtig waren. Und da die Kirche, wie häufig genug betont, auf lange Zeit denkt, besteht keine Notwendigkeit, diese Entscheidungen rückgängig zu machen. "Beachtung schenken" kann man ja auch in diese Richtung interpretieren.