Mittwoch, 26. Februar 2014

Was für ein Wandel!

Ort: Aufzug zur Synodenaula, Vatikan

Zeit: Mitte Oktober 2008

Darsteller: Genau so viele Kardinäle, daß der Aufzug ziemlich voll ist; ein übelgelaunter, hochmütiger Papstkönig; einige bis an die Zähne bewaffnete Schweizergardisten

Handlung: Der mit Kardinälen ziemlich volle Aufzug soll sich eigentlich soeben in Bewegung setzen, als die Türe nochmal rasch aufgeht. Gleißende Helle flutet hinein. Die Kardinäle schützen mit beiden Händen ihre Augen, blinzeln durch Schlitze zwischen den Fingern und erkennen schemenhaft eine majestätische Gestalt, die gleichermaßen in Licht, Brokat und Gold gekleidet zu sein scheint.

"Seid Ihr es, Eure Heiligkeit?" haucht einer der Purpurtäger scheu.

"Nein, es ist nur der Hausmeister...", knurrt es grimmig zurück. Papst Benedikt der Allersechzehnteste schlägt sich mit der flachen Hand vor die Stirne, daß die 80 cm hohe Tiara nur so wackelt. "Jetzt aber mal im Ernst: Wer sonst strahlt am Tage auf wie die Sonne und leuchtet in der Nacht wie der Mond?"

"Natürlich..." - "Verzeiht!" - "Wie konnten wir nur...?" - "M-m-m-möchtet Ihr vielleicht m-m-m-mitfahren?"

"Nein!" bellt der Maximale Brückeneinreißer herrisch, begleitet vom Hellebardenrasseln der bereitstehenden Gardisten. "Wir möchten fahren! Aber nicht 'mit'!"

"Selbstverständlich...", röchelt es im Aufzug. "Welch unverzeihbarer Frevel unsererseits!" - "Wir akzeptieren demütigst jede Strafe!" - "Aber bitte nicht die Löwen!" - "Und wenn's geht auch keine Zwangsdiät! Ich habe da gestern erst dieses neue Buch mit Rezepten aus..."

"SCHNAUZE JETZT HIER!" Eine Zornesprotuberanz der Lichtgestalt züngelt in den Aufzug hinein und verkohlt einige Soutanensäume. Die Kardinäle sinken in die Knie, kriechen aus dem Aufzug und küssen im Vorüberrobben den bereits rasch auf einem blutroten Samtkissen mit Goldborten platzierten allerstellvertretendsten Brokatpantoffel des Herrn der Knechte Gottes.

"Heute keinen Nachtisch!" grummelt Papst Benedikt der Allersechzehnteste den Kardinälen hinterher.

"Mann! Da haben wir aber nochmal Glück gehabt!" - "Klappe jetzt! Nichts wie weg!" - "Ja! Kriecht endlich schneller da vorne!"

***

Der Träumer unterdrückt einen Schreckensschrei, erwacht schweißgebadet und stellt fest, daß er in einem römischen Bus sitzt. Hektisch blickt er hin und her, um sicherzugehen, daß nicht irgendwo ein rachsüchtiger, tollwütiger Indenschattensteller des Apostelfürsten seine todbringende Hand erhebt. Doch er sieht nur einen in Weiß gekleideten Herrn, der soeben auf den unbesetzten Platz neben ihm zeigt: "Buonasera... Ist da noch frei?"

Kommentare:

Geistbraus hat gesagt…

formidable!!

Severus hat gesagt…

... uff - was für ein Alptraum !! (*lachtränenwegwisch*)

Stegi hat gesagt…

inspired by Lehman Brother.

schon schlimm.

Anonym hat gesagt…

Es ist ja echt lustig, wenns nicht so traurig wär...

Mary

Anonym hat gesagt…

"Kriecht endlich schneller da vorne" - die Devise der heutigen Medien, wenn es um die Kirche und ihre Lehre geht. Wer sich bedingungslos unterwirft, bekommt freundliche Berichterstattung; wer daran festhält, dass die Schlagzeile der Güter höchstes eben NICHT sei bzw. dass Christus Apostel eingesetzt habe und keine Redaktion - der darf die Konsequenzen tragen.

Erst vorigen Sonntag hörten wir die Stelle aus dem Evangelium, daß wir dem, der uns auf die eine Wange schlägt, die andere auch noch hinhalten sollten.

Zwetschgenkrampus