Donnerstag, 13. Februar 2014

Sag' ich doch...

Kardinal Brandmüller sagt im kath.net-Interview:
    Nun aber zur Frage ob die Morallehre der Kirche geändert werden müsse-könne: Die Morallehre der Kirche kann nur geändert werden, wenn sich die Natur des Menschen ändert.
Der Herr Alipius schrieb 2010 in seiner Bakkalaureats-Arbeit:
    Mir scheint es, als sei die letzte Autorität, von der der Mensch sich lossagen muß, um in einer Welt grenzenloser subjektiver Freiheit leben zu können, der Mensch selbst ist. Der letzte Schritt ist der Schritt weg von der menschlichen Natur.
Die Natur des Menschen ändert sich selbstverständlich nicht. Aber es wird viel daran gearbeitet, den Anschein zu erwecken, als ändere sie sich. Wer mehr dazu lesen möchte und eine gut gefüllte, nicht zu kleine Tasse Kaffee neben sich stehen hat, der kann sich (nochmals oder zum ersten Mal) meine Gedanken zum Thema hier reinziehen.

Kommentare:

kalliopevorleserin hat gesagt…

Ganz im Gegenteil wird von Kritiküssen der katholischen Morallehre immer wieder demonstriert, daß Bescheuertsein zur Natur des Menschen nun einmal gehört.

Anonym hat gesagt…

Tatsächlich,
alle modernen Ideologien, von Kommunismus über Sozialismus bis zum Nationalsozialismus wollen einen neuen Menschen machen. Gipfelpunkt all dieser Utopien ist momentan der Genderismus, der behauptet, dass es die menschliche Natur gar nicht gibt, und sich daher jeder jederzeit selbst neu definieren kann.

Berthold Brecht hat beklagt: "Die besten Ideen scheitern immer an den Menschen".
Auf die Idee, dass daran die Ideen, und nicht die Menschen schuld sein könnten, ist er allerdings nicht gekommen.

Wolfgang e.

Anonym hat gesagt…

Ich habe mir Deine Arbeit nun wg. Zeitmangels nicht durchgelesen; vielleicht würden sich meine Einwände dadurch beantworten - aber prima vista erscheint mir die Replik des Kardinals ein wenig dünn. Es ist schon nicht ganz klar, in welchem Sinne der Kardinal den Begriff "Natur" verwendet bzw. dass er den Begriff in einem Sinne verwendet, der heute nicht mehr gebräuchlich ist.
Das zum Einen.

Zum anderen bleibt offen, was die Natur des Menschen überhaupt ausmacht, dergestalt, dass ihr allein die katholische Sexual- und Ehemoral entsprechen soll. Zum Menschen gehört doch unstreitig ein Freheitsmoment - dadurch ist er nicht bloße Natur, sondern er hat eine Natur, zu der er sich verhalten kann. Portmann, ein Biologe, hat darauf hingewiesen, dass ein menschlicher Fötus in einem relativ frühen Entwicklungsstadium geboren wird, zu einem Zeitpunkt, wo er, um zu überleben, auf intensive Pflege und Sorge seiner Umwelt angewiesen ist. Diese frühe Geburt - so Portmann - lässt wiederum eine starke Offenheit für soziokulturelle Einflüsse und Formung zu (Erziehung). Wenn man diese Offenheit nun unter die Natur des Menschen subsumiert, dann ergibt m. E. die Rede von der Unveränderlichkeit wenig Sinn, zumal im Hinblick auf Sexual- und Ehenormen; weil es eben nach einer Abgeschlossenheit klingt, die dem Menschen gerade nicht gegeben ist.

CHB

Alipius hat gesagt…

@ CHB: Nur, weil etwas nicht mehr gebräuchlich ist, heißt das ja nicht zwangsläufig, daß es deswegen nicht mehr funktioniert.

In meiner Arbeit spielt die Freiheit des Menschen eine große Rolle, ebenso wie die Tatsache, daß der Mensch nicht bloße Natur ist.

Anonym hat gesagt…

@ Alipius
ad 1)
Dass es nicht funktioniert, wollte ich damit nicht sagen, nur dass der Naturbegriff erläuterungsbedürftig ist und man nicht voraussetzen kann, dass alle dasselbe darunter verstehen, und gerade diejenigen, gegen die sich Kardinal Brandmüller mit seinem Argument wendet, haben wahrscheinlich keinen teleologischen Naturbegriff, sondern einen modernen, naturwissenschaftlichen. (In deren Ohren klingt eine Aussage, wie homosexuelle Handlungen oder vorehelicher Sex seien widernatürlich, einfach unsinnig.)

ad 2) Ja gut. Werde ich mir durchlesen, sobald ich Zeit habe. Ich frage mich aber jetzt schon, wie aus der menschlichen Natur zwingend die katholischen Ehe- und Sexualnormen abgeleitet werden können.

CHB

Alipius hat gesagt…

@ CHB: Um gleich ein Mißverständnis aus dem Weg zu räumen: In meinem Text geht es nicht darum, zu zeigen, daß aus der menschlichen Natur zwingend die katholischen Ehe- und Sexualnormen abgeleitet werden können (wobei ich schon der Meinung bin, daß man dies so sagen kann) sondern darum, zu zeigen, daß der Mensch sich als Konsequenz diverser Trennungs-/Entfernungs-/Rebellionsstufen gegenüber Gott nun letztlich an seiner eigenen Natur zu schaffen macht, um die Trennung zu vollenden und eine vermeintlich vollkommene Freiheit zu erlangen. Ergo: Aufhänger für mein Posting und den Link zu meinem Text waren exakt die Worte des Kardinals "... wenn sie die Natur des Menschen ändert" und nicht der Ehe- oder Sex-Kontext.

Geistbraus hat gesagt…

@CHB, also ich lese den Kardinal so, dass Gott Seine Gesetze im Hinblick auf die Natur des Menschen gegeben hat - und da letztere unveränderlich ist, hat Gott keinen Anlass, Seine Gesetze zu ändern. Brandmüller erwähnt ja ausdrücklich Natur UND Evangelium und schlussfolgert: "Wer dennoch die genannten Forderungen nach Änderung der katholischen Sittenlehre erhebt, begibt sich in Widerspruch zum Wort Gottes."

@Alipius, ein starkes Stück!! was gedenkst Du gegen den Plagiator zu unternehmen? ;)

Anonym hat gesagt…

@ Alipius
Ja, nun da ich Deine Arbeit gelesen habe, ist mir das auch aufgefallen. Unsere Differenz besteht wohl darin, dass ich das neuzeitliche Freiheitsstreben nicht so negativ bewerte; ich denke, das gehört auch zur Natur des Menschen und kann sehr gut mit dem christlichen Glauben in Einklang gebracht werden. Das heißt, ich denke, dass Gott dem Menschen größere Freiheitsspielräume lässt als die katholische Morallehre.

@ Geistbraus
Na, ich denke, dass ich Kardinal Brandmüller verstanden habe. Ich bezweifle nur, dass ihn andere so gut verstehen.

CHB

Anonym hat gesagt…

»Dass es nicht funktioniert, wollte ich damit nicht sagen, nur dass der Naturbegriff erläuterungsbedürftig ist und man nicht voraussetzen kann, dass alle dasselbe darunter verstehen, und gerade diejenigen, gegen die sich Kardinal Brandmüller mit seinem Argument wendet, haben wahrscheinlich keinen teleologischen Naturbegriff, sondern einen modernen, naturwissenschaftlichen. (In deren Ohren klingt eine Aussage, wie homosexuelle Handlungen oder vorehelicher Sex seien widernatürlich, einfach unsinnig.)«

Daß genügend Leute den Naturbegriff der klassischen kath. Philosophie und Theologie nicht kennen und mit dem von Ihnen genannten Begriff verwechseln bzw. das genannte Verständnis darein legen, ist unzweifelhaft der Fall; man sieht das alleine an den Kommentaren zum letzten Blogeintrag. Offensichtlich gibt es hier einen gewissen Erklärungsbedarf. Gewöhnliche Mißverständnisse sind nun aber keine Tragödie. Ärgerlich wird es erst, wenn jemand meint, mit einer Semantik, die er extra zu diesem Zweck aus der modernen Biologie entlehnt hat, bei gleichzeitiger Nichtanerkennung der kath., irgend etwas wider die kath. Morallehre "reißen" zu können.