Donnerstag, 6. Februar 2014

Nächster Halt: Medien-Darling!

[UPDATE: Beim SPIEGEL muß man ja immer ein wenig vorsichtig sein. Ich habe das Dokument gefunden, welches Grundlage der Debatte zwischen der UNO und dem Vatikan ist. Die Formulierung "Das Uno-Komitee kritisiert die Kirche zudem wegen ihrer Einstellungen zu Homosexualität, Empfängnisverhütung und Abtreibung scharf. Der Vatikan solle seine Politik diesbezüglich überdenken, um die Rechte der Kinder zu gewährleisten" läßt sich nach einem schnellen Scan des Dokuments so kaum rechtfertigen. Das Dokument wurde zwar unter dem Titel "Convention on the Rights of the Child" von der UNO-Geschäftsstelle "Committee for the Rights of the Child" veröffentlicht (was die Frage aufwirft, warum Abtreibung und Verhütung unbedingt eine Rolle spielen müssen), aber es führt weder Homosexualität noch Verhütung noch Abtreibung als Recht des Kindes auf]


Das UNO-Komitee, das den Vatikan wegen Nachlässigkeit in der Aufklärung von Mißbrauchsfällen kritisiert hat, forderte laut SPIEGEL auch dies:
    Das Uno-Komitee kritisiert die Kirche zudem wegen ihrer Einstellungen zu Homosexualität, Empfängnisverhütung und Abtreibung scharf. Der Vatikan solle seine Politik diesbezüglich überdenken, um die Rechte der Kinder zu gewährleisten und ihnen Zugang zu medizinischer Versorgung zu garantieren.
Josef Bordat hat gestern diesbezüglich bereits den Kontakt zwischen Stirne und Tischplatte hergestellt und verweist heute auf eine Realsatire im Kommentarbereich von tagesschau.de.

Ein dort wohl tatsächlich stehender Kommentar (ich habe selbst nicht nachgeschaut, aus Angst vor Gesichtslähmung, aber ich wüßte nicht, warum Josef Bordat sich so etwas ausdenken sollte... halt... falsch: Ich bin mir sicher, daß kein Mensch sich so etwas ausdenken kann):
    „Zehntausende deutsche Kinder und Jugendliche schuften teilweise über Stunden hinweg als Ministranten sonntags morgens in den Kirchen, um den eucharistischen Frühstücksbetrieb am Laufen zu halten.“

Mist... Ich bin durchschaut! Mein wie geölt laufender Kindersklavenbetrieb ist aufgeflogen! Was tun? Wie schaffe ich es, trotzdem noch als echter Menschenfreund davonzukommen?

Oh! Klar! Ich verschaffe den Kindern ihr Recht und ermutige sie erst einmal zu sexuellen (vorzugsweise natürlich homosexuellen) Handlungen in der Sakristei vor und nach der Messe. Da werden die UNO und die Medien mit Sicherheit total drauf abfahren. Ich filme das dann auch alles, damit ich Beweise dafür habe, wie weltoffen ich bin, wie besorgt um die Rechte der Kinder und die Würde des Menschen. Ich spendiere selbstverständlich auch das Geld für die Verhütungsmittel und - wenn dann doch der Super-GAU des neuen Lebens eintritt, vor dem es der UNO offenbar ziemlich graust - dann gerne auch die Abtreibung. Mann! Ich werde dem Vatikan bzgl der Kinderrechte um Jahre voraus sein!

Nie war es einfacher, sich als Priester beliebt zu machen!
__________

P.S.: Ich weiß auch ziemlich genau, was passieren wird, wenn ein tagesschau.de-Kommentierer oder ein Wesen mit einer ähnlichen Veranlagung dies liest: "SKANDAL! Katholischer Priester gründet Kinder-Sex-Ring in seiner eigenen Sakristei!"

Kommentare:

Oliver Doetsch hat gesagt…

Haben Hochwürden schon mal geschaut, wer unter anderen alles Mitglied in Committee for the Rights of the Child ist? Saudi-Arabien, Bahrein, Ägypten, Pakistan ... also Länder, wo der Schutz von Kindern um Lichtjahre über den Standards der katholischen Kirche liegt, oder?
^^

Josef Bordat hat gesagt…

Danke für die Recherche, Alipius!

Ich habe die „Spiegel“-Darstellung nicht am Original-Dokument geprüft, obwohl ich schon den Verdacht hatte, es könnte sich um ein „Sondergut“ des „Spiegel“ handeln, da die „Welt“ über den Report der UNO-Kommission auch berichtet – allerdings ohne den Hinweis auf Homosexualität, Empfängnisverhütung und Abtreibung (vgl. http://jobo72.wordpress.com/2014/02/05/beim-blick-in-den-spiegel/).

Fest steht also: Der „Spiegel“ verkauft uns Kinderrechte, die laut VN gar keine sind. Und das ganze im Kontext von Missbrauch, so als setze die Kirche hier ihren Kindesmissbrauch ideologisch fort. Das ist besonders perfide: Das grausame Verbrechen des sexuellen Missbrauchs als Stemmeisen zu verwenden, um die normative Konstitutionen der Kirche aufzuhebeln, obwohl diese bei Beachtung gerade nicht zu Missbrauch führt. Das Gegenteil wird jedoch suggeriert. Daher auch die Reaktionen unbedarfter Kommentatoren, die Ursachen des Missbrauchs im „System Kirche“ vermuten.

Die Sache mit den Messdienern und Sternsingern vervollständigt da nur das Bild. Es scheint zu gelten, dass die Kirche im Umgang mit Kindern gar nicht anders „kann“ als sie zu missbrauchen, da sie strukturell auf Missbrauch ausgelegt ist. Das ist – bei aller Realsatire – ein nicht ungefährlicher Zustand, der zusammen mit der ebenfalls im Diskurs längst etablierten Pauschalierung (Alle Katholiken, die ganze Kirche, die Kirche handelt...) und Individualisierung (Jeder Katholik, jedes Kirchenmitglied unterstützt...) der Verantwortlichkeit sehr schnell eskalieren kann.

LG, JoBo

Cassandra hat gesagt…

Der Link zum Dokument funktioniert nicht.

Alipius hat gesagt…

@ Cassandra: Also bei mir fluppt's einwandfrei...

Alipius hat gesagt…

@ Oliver Doetsch: Ganz genau! ** Kichern in der Kehle steckenbleib... **

Le Penseur hat gesagt…

Reverende Domne,

Eine wie gewohnt hinterfotzig-geniale Paraphrase zu Ihrem Artikel findet sich auf Politplatschquatsch ...