Montag, 27. Januar 2014

St. Petersburg und seine Paläste (Teil II - Die Stadt)

Nachdem ich Euch im ersten Teil die kolossalen und prachtvollen Zarenschlösser in der Umgebung von St. Petersburg vorgestellt habe, machen wir heute einen kleinen Streifzug durch die Stadt selbst.

Hier ist sicherlich der Winterpalast die erste Adresse. Dieser ist Teil jenes Komplexes, der heute als Eremitage bezeichnet wird und der sich zusammensetzt aus dem Eremitage-Theater, der Alten Eremitage, der Neuen Eremitage, der Kleinen Eremitage und eben dem Winterpalast (Hey! Sie hätten eigentlich auch noch eine Große Eremitage hinstellen können, btw!). Der Winterpalast ist ein echtes Innenstadt-Monstrum mit einer Fassade von 250 Metern Länge, 30 Metern Höhe und - so zählte und berichtet man - 1.786 Türen, 1.945 Fenstern, 1.500 Räumen und 117 Treppenhäusern.


Wenn Euch diese Fassede nun irgendwie bekannt vorkommt, dann liegt das daran, daß Ihr entweder den Winterpalast bereits kennt oder daß Ihr Euch vage an mein erstes Posting erinnert und die Fassade mit der des Katharinenpalastes verwechselt. Das darf aber sein, denn beide Bauten wurden hauptsächlich von Bartolomeo Rastrelli entworfen und wirken auf den erten Blick in der Tat sehr ähnlich.

Für mich schönster Raum im Inneren des Palastes ist die sogenannte Jordantreppe. Sie ist die Hauptstiege des Palastes und erhielt ihren Namen, weil der Zar am Fest der Erscheinung des Herrn mit großem Pomp jene Treppe hinabkam, um der Wasserweihe an der Newa beizuwohnen, welche an die Taufe Christi im Jordan erinnert. Das Treppenhaus ist noch größtenteils im Stile des 18. Jahrhunderts erhalten, nur die massiven Granitsäulen wurden in der Mitte des 19. Jahrhunderts zugefügt:




Riesige und schöne Treppenhäuser sind grundsätzlich Raumkompositionen, an denen ich mich einfach nicht sattgucken kann. Mich befallen auch immer mindestens Zuckungen, schlimmstenfalls Krämpfe, wenn ich mich in der Würzburger Residenz oder im Schloß Weißenstein zu Pommersfelden herumtreibe und plötzlich die dortigen Stiegenhäuser verlassen muß.

Andere interessante Räume aus dem Winterpalast sind z.B: das Rote Zimmer mit seinem plüschigen Mobiliar und den friemeligen Goldverzierungen,...


... der vergleichsweise puristische Wappensaal...


... und das Malachitzimmer:


Der Winterpalast hat als Zarenresidenz natürlich eine bewegte Geschichte hinter sich. Zwei Vorgängerbauten des ab 1754 unter Elisabeth I. durch Rastrelli errichteten Palastes wurden wegen mangelnder Imposanz wieder abgetragen. Im Jahre 1837 brannte der Winterpalast durch ein 30 Stunden lang wütendes Feuer im Inneren völlig aus und wurde in nur anderthalb Jahren wieder in den Originalzustand versetzt, sicherlich sehr zur Freude der massenweise angekarrten Arbeiter, die angesichts des Projektes und des Zeitplanes wohl kaum eine Winterpause genießen durften. Auf Zar Alexander II. uns seine Familie wurde im Winterpalast im Jahre 1880 ein Bombenattentat verübt: Einer Gruppe, welche sich "Wille des Volkes" nannte und vom "freudlosen Fanatiker" Andrei Iwanowitsch Scheljabow angeführt wurde, gelang es, durch ein als Reparaturarbeiter eingeschmuggeltes Mitglied, haufenweise Dynamit in den Palast zu befördern und unterhalb des privaten Speisesaals des Zaren zu lagern. Die Bombe sollte am Abend des 17. Februars 1880 hochgehen, während der Zar mit seiner Familie beim Abendessen saß. Jedoch verspätete sich genau an diesem Abend ein Gast, so daß - zum ersten Mal seit Jahren - das Essen später stattfand als geplant. Die Zarenfamilie kam also mit dem Schrecken davon, als plötzlich die Bombe hochging und den Speisesaal in dies verwandelte:


Schwer vorstellbar, daß dort jemand lebend herausgekommen wäre.

Während der Revolution von 1905 wurden auf dem Platz vor dem Palast beim "Petersburger Blutsonntag" mindestens 130 Protestierende durch die Armee erschossen. 1917 schließlich kam es zum Sturm auf den Winterpalast, bei dem laut vom politischen Lager bzw vom zu rupfenden Hühnchen abhängigen Augenzeugenberichten das Innere des Palastes von den Soldaten entweder durch Plünderung und Verwüstung pulverisiert oder durch Samthandschuhbehandlung noch schöner gemacht wurde. Die Wahrheit liegt natürlich irgendwo dazwischen.

Heute ist der Winterpalast Besttandteil eines der größten Museumskomplexe der Welt und hat jählich 3,5 Millionen Besucher.


Vom Winterpalast wandern wir am besten erst einmal zum Menschikow-Palast, der auf der anderen Seite der Newa liegt und dessen Kunstschätze Bestandteil des Eremitage-Sammlung sind. Dieser Bau läßt mich vergleichsweise kalt, aber er gehört in diesen Bericht, weil er der erste große aus Stein gemauerte Palst der Stadt St. Petersburg ist.


Er wurde zwischen 1710 und 1720 für Fürst Alexander Menschikow errichtet, welcher ein Jugendfreund und Gefährten Peters des Großen war. Im Inneren war der Palast mit großem Luxus ausgestattet. Edle Holzvertäfelungen, Parkettböden und tausendmilliausend Delfter Kacheln machten ihn zu einem echten Juwel. Leider hat die gesamte Innenausstattung durch die russische Revolution wohl ein wenig gelitten. Erst ab 1970 war die Staatliche Eremitage in der Lage, das Gebäude von Grund auf zu renovieren und halbwegs wieder in den Zustand des 18. Jahrhunderts zu versetzen. Innen findet man teilweise genau jenen Dunkelbarock, der mir komischerweise nur in Kirchen gefällt, in Schlössern und Palästen aber irgendwie überhaupt nicht:


Aber es gibt auch hellere und weitere Räume:



Nächster Halt: Jussupow-Palast, jener Bau, der Berühtmheit erlangt hat aufgrund des Mordes an Grigori Jefimowitsch Rasputin und der damit verbundenen Legende, die in tausenden von Ausschmückungen bis in die heutige Zeit hineinwächst und -rankt.


Der Palast war der Stammsitz des Hauses Jussupow, einer sagenhaft reichen Familie, die das Gebäude im Inneren entsprechend ausstaffieren ließ. Nach Umbauten, Umschmückungen, Enteignung und Konfiskation der Kunstschätze ist heute immer noch genügend imposantes Augenfutter übrig.

Auch in diesem Palast gibt es ein bemerkenswertes Treppenhaus:


Die einzelnen Räume sind auch nicht von schlechten Eltern (man beachte die Parkettböden):



Höhepunkt ist für mich das 180-Personen-Theater mit eigener Loge für die Hausherren und Ehrengäste:



Weiter geht's zum Belosselskij-Beloserskij-Palast (Hallo, Zungenbrecher!). Der ab 1747 errichtete und um 1800 erweiterte Bau ist vor zwei Jahren bei einem plötzlich ausbrechenden Brand relativ glimpflich davon gekommen. Die Feuerwehr war rechtzeitig zur Stelle, so daß keine gewaltigen oder irreparablen Schäden entstanden.


Das Gebäude erhielt sein heutiges Aussehen offenbar erst mitte des 19. Jahrhunderts durch Elena Pavlovna Bibikova, die in die nicht unvermögende Belosselskij-Beloserskij-Familie einheiratete und selbst auch noch einiges an Geld mitbrachte. Der Palast wurde im Zweiten Weltkrieg beschädigt, stand aber 1954 schon wieder im alten Zustand da.

Innen liegt der Bau zwischen nicht so prunkend,...


... mittelprunkend...


... und megaprunkend.




Letzter Halt: Das Stroganow-Palais. 1753 bis 1754 nach Plänen von Rastrelli für Sergej Grigorjewitsch Stroganow erbaut, ist dieser Palast das Architektonische Vorbild des Belosselskij-Beloserskij-Palastes in seiner heutigen Form.






Und als kleines Bonbon zum Schluß ein Bild von einem Palast, von dem ich leider gar keine anständigen Innenaufnahmen finden konnte, der mir aber von außen gut genug gefällt, um ihn hier mit aufzunehmen. Hier ist der Woronzow-Palast:



Okay! Ich hoffe, diese kleine - natürlich total unvollständige - Auswahl St. Petersburgscher Paläste und Palais hat Euch gefallen!

Kommentare:

Monika hat gesagt…

Sehr beeindruckend.

Waren Sie schon mal dort? Ich möchte mal nach Russland, ich habe russische Kollegen und die sind sehr symphatisch. Am meisten reizt mich Sibirien, auch von den Menschen her.

Alipius hat gesagt…

Ich war noch nie in Rußland, aber St. Petersburg würde mich schon sehr reizen.