Sonntag, 19. Januar 2014

Dem Herrn Alipius seine Kardinäle (Teil III)

Papst Franziskus an die neuen Kardinäle:
    Lieber Bruder,

    am Tag des Bekanntwerdens deiner Benennung als Mitglied des Kardinalskollegiums möchte ich dir meine herzlichen Grüße und die Versicherung meiner Nähe und meines Gebetes zukommen lassen. Ich möchte, dass du mir, "bekleidet mit der Tugend und Gesinnung des Herrn Jesus" (Röm 13,14), mit Blick auf die römische Kirche in brüderlicher Effizienz bei meinnm Dienst für die Universalkirche hilfst.

    Die Kardinalswürde ist keine Beförderung, weder eine Ehre noch eine Zierde. Sie ist schlicht ein Dienst, der danach verlangt, den Blick zu weiten und das Herz zu öffnen. Und auch wenn es paradox erscheint:

    Diese Fähigkeit, weiter zu blicken und umfassender und mit größerer Intensität zu lieben, lässt sich nur erwerben, indem man demselben Weg folgt wie der Herr: dem Leben der Erniedrigung und der Demut, indem man die Gestalt des Dieners annimmt (Phil 2,5-8). Deshalb bitte ich dich, diese Bestimmung mit einem einfachen und bescheidenen Herzen anzunehmen. Auch wenn du dies mit Freude tust, tue es so, dass dieses Gefühl jeglichem Ausdruck von eitler Weltlichkeit, jeglicher Feierlichkeit fernsteht, die dem evangelischen Geist der Strenge, der Nüchternheit und der Armut fremd ist.

    Auf Wiedersehen also bis zum kommenden 20. Februar, an dem wir zwei Tage zur Reflexion über die Familie beginnen werden. Ich stehe zu deiner Verfügung und bitte dich, für mich zu beten und für mich beten zu lassen.

    Jesus segne dich, und die Heilige Jungfrau beschütze dich.

    Brüderlichst

    Franziskus
Bißchen schade, daß die Bitte um ein einfaches Herz und die Bereitschaft zum Dienst und zur Demut bis hin zur Erniedrigung hier so ein wenig an Äußerlichkeiten ("eitler Weltlichkeit", "Feierlichkeit") festgemacht werden und daß die Freude zwar gestattet aber - wohl mit Blick auf die üblichen Tage der Empfänge und Diners rund um eine Kardinalsernennung - gleich wieder auf das dem Papst genehme Maß zurechtgestutzt wird. Es klingt auch irgendwie so ein wenig nach Vorverurteilung und Mißtrauen gegenüber den Ernannten. Kann man die Leute nicht einfach auch mal machen lassen? Vielleicht wäre es ja auch ohne diesen Brief nicht so exzessiv geworden, wie offenbar befürchtet. Immer wieder gibt es so kleine Nadelstiche, die zu Momenten führen, in denen mir Papst Benedikt trotz all seiner im Vergleich zu Franziskus überschäumenden äußerlichen Pracht als der großzügigere, bescheidenere und demütigere Mann erscheint.

Naja...

Wiel so ein "Dem Herrn Alipius seine Kardinäle"-Beitrag natürlich nicht ohne ein wenig Augenfutter gepostet werden darf, hier einige wenige Impressionen von Konsistorien vergangener Tage:








Kommentare:

Imrahil hat gesagt…

Genau.

Und: Die Kardinalswürde ist keine Beförderung, weder eine Ehre noch eine Zierde.

Sorry, Euer Heiligkeit. Doch. Alles das. Dienst auch, versteht sich.

Anonym hat gesagt…

"Immer wieder gibt es so kleine Nadelstiche, die zu Momenten führen, in denen mir Papst Benedikt trotz all seiner im Vergleich zu Franziskus überschäumenden äußerlichen Pracht als der großzügigere, bescheidenere und demütigere Mann erscheint."
BXVI hat eben nicht von Demut gesprochen, sondern war es von Natur aus, ohne sich aber für seine Freude an Schönheit und Pracht zu schämen.
Insofern war er sehr viel näher am Lebensverständnis der vielganannten Armen, die zu suchen wir nun fast täglich aufgefordert werden.
thysus

Severus hat gesagt…

So ist es. In puncto Demut kann sich dieser Papst bei seinem Vorgänger eine Scheibe abschneiden.

smilodon hat gesagt…

Wer seine Demuts- und Bescheidenheitsgesten lückenlos dokumentieren und in die Welt hinausposaunen lässt, ist bescheiden und demütig?
Wer statt in der vorgesehenen Dienstwohnung im Hotel lebt, ist bescheiden und demütig?
Wer sich nicht die alten, "prächtigen" (und unbequemen) liturgischen Gewänder, die eh schon längst da und somit gratis sind, anzieht, sondern neue, "schlichte" (und bequeme) anschaffen lässt, ist bescheiden und demütig?

Ester hat gesagt…

Ach Danke Padre dafür!
Ich bin damals aus der Kirche ausgetreten, weil die liebe Verwandtschaft, inklusive Eltern, so drauf war, wie Papst Franziskus.
Man war nicht arm, knickerte doch an den eigenen Kindern, bis zu geht nicht mehr.
Anderen spendete man jedoch großzügigst.
An sich selber sparte man auf sehr teure Weise, mag das gar nicht ausführen.
In der Altenpflege nennt man dieses Phänomen "2te Weltkriegsgeneration".
Ich finde Benedikt hat davon nichts gehabt!

Le Penseur hat gesagt…

Reverende Domne,

Mir ist bei Ihrem Augenschmaus ein bisserl zuviel Plüsch & Moiré dabei — so 'ne Cappa-Magna-Schleppe muß nicht unbedeingt 15 m lang sein ... aber das ist auch Geschmackssache. Es gibt jedoch m.E. einen gesunden Mittelweg zwischen barockem Protz und Sackleinwand.

Aber die gestelzte Demuts-Attitüde, mit der Papst Franz auf »Nachfolge Christi« mimt, geht mir (und wohl nicht bloß mir) inzwischen schon ziemlich auf den Zeiger ...

Alipius hat gesagt…

@ Le Penseur: ** lach **

Ja, ich weiß mittlerweile, daß Ihnen schlichte Eleganz besser gefällt, als schäumender Pomp, und ich denke bei solchen Postings auch manchmal 'Ui! Das ist jetzt vielleicht doch ein wenig zuviel für den Penseur. Aber wenn, dann wird er's mir schon mitteilen!'

Und, nein, es sind nicht bloß Sie!

Stegi hat gesagt…

Benedikt XVI rules.

Der neue Poverello auf der Kathedra war halt vorher nicht an der Kurie, geschweige denn hat er eine Ahnung von Europa und verwechselt Buenos Aires mit Rom. Langsam wird man seiner überdrüssig- täglich das selbe Thema neu aufgekocht schmeckt doch auf die Dauer noch nicht mal den Laizisten.

jeannedarc hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
jeannedarc hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Monika hat gesagt…

Alle gegen den Papst. Wo sind wir denn hier? Hört sich Gehorsamkeitskirche in dem Moment auf, wo der Papst nicht macht, was die Konservativen wollen? Dann hat er ja schon was erreicht.

Das oben war aber nur Frotzelei. Ist nicht so wichtig.

Das Problem ist die Behauptung der "aufgesetzten Bescheidenheit". Direkt nach seiner Wahl hatte ich diese Bedenken ja auch. Weil ich es nicht mag, auf den ersten Augenschein schlecht über jemand zu denken, habe ich lange darüber nachgedacht. Was mir einfach wirklich nicht an Papst Franziskus gefällt, ist diese Bescheidenheit, die auf mich so OFFENSICHTLICH aufgesetzt wirkt. Doch was genau braucht es, damit etwas offensichtlich aufgesetzt ist? Welche Gesten, welche Worte, welchen Körpersprache, Stimmlage, Haltung? Wie könnte der Papst es anders machen, so daß die Bescheidenheit bei mir ohne Probleme akzeptiert würde?

Franziskus setzt sich in der Welt ein. Vielleicht weiß er genau, wie er wirkt, wielleicht nicht, vielleicht stört ihn die Wirkung, vielleicht ist sie ihm egal. Ich vermute inzwischen letzteres. Er ist ein gebrochener und geflickter Mensch. Er legt keinen Wert darauf, glatt und gut rüberzukommen. Entweder weil er die Chancen dafür gering einschätzt oder weil es ihm egal ist. Also vielleicht nicht ganz egal, aber im Vergleich zu seiner Mission, dem, was ihm wichtig ist, nebensächlich.

Franzikus hat nicht die geringste Chance bescheiden, gelassen, gottesfürchtig, liebenswürdig zu wirken. Immer scheint das Gebrochene durch und stört das Bild, irritiert das Gegenüber. Er ist nicht dem Kampf um die Aussenwirkung durch Persönlichkeit eingegangen. Den Luxus leisten wir uns gerne. Kleidung, Relaxing, Coaching, psychische Beratung, Heilsteine oder Yoga.

Er kämpft durch Worte und Taten. Wie gesagt, entweder weiß er nicht, daß die Wirkung seiner Persönlichkeit dem entgegensteht, oder es ist ihm egal. Er hat auch keine andere Chance, wenn ihm das Wohl der Armen und die gelebte Nächstenliebe wirklich wichtig sind, als genau das zu tun, was er tut.

Im Zuge meiner Überlegungen bin ich auch zu dem Schluß gekommen, daß ich eine RIESENportion Arroganz bezüglich "gut ausschauen, gut rüberkommen, richtig wirken" an den Tag lege. Es war mir immens wichtig, das zu lernen. Man soll die Sprünge nicht sehen, oder wenn, dann sollen sie wirkungsmächtig gekittet sein. Das Gesamtbild soll stimmen. Psychoästhetik.

Die meisten Menschen sind nach ein paar Lebensjahrzehnten verletzt, teils schwer, evtl gar (mehrfach) gebrochen. Nach 20 Jahren Armut sieht man anders aus, als nach dem Abitur in Deutschland. Und man hat andere Prioritäten.

Früher war das Leben der meisten Menschen harte Arbeit. Feld, Stall, Küche, Handwerk, ... . Und auch die meisten derer, die einen weiße-Kragenjob hatten, überlegten sich jedes Kohlestück genau, mit dem sie die Stube heizten. Es war ihnen noch viel mehr bewußt als uns, daß man das Geld nur einmal ausgeben kann und alles, für das sie es ausgeben wollten, war wichtig. Essen, Heizen, Kleidung, Arzt, Schule, ... .Die Erziehung legte Wert auf Erfolg und interessierte sich nicht für Neurosen oder so was. Körperstrafen waren noch nicht verpönt. AUf was ich hinauswill ist, die Leute in unserer Vergangenheit waren auch nicht glatt. Da wirkte einer vielleicht auch nicht bescheiden, wenn er Bescheidenheit predigte. Doch damals wurden die Leute nach dem beurteilt, was sie sagten und taten. Es wurde nicht rumpsychologiesiert.