Donnerstag, 12. Dezember 2013

Das zwölfte Türchen...

Und noch ein Regelverstoß! Ein "Was sie damals so trieben"- Gemälde ohne Kardinäle? Shocking!

Nun, zumindest sehen kann man keine Prälaten. Aber in der Phantasie tauchen sie dann plötzlich doch auf. Dieses Bild des Spaniers José Gallegos y Arnosa (1857-1917) fand ich im Internet mit dem englischen Titel "Waiting for his Eminence". Ich stelle mir also vor: Die dargestellten Lakaien stehen im Dienste diverser Kardinäle (was ich mir wegen der verschiedenen Uniformen gut einreden kann). Nun warten sie eben bei der Sänfte, daß Seine Eminenz auftaucht und verbringen die Zeit mit ein wenig Purpur-Tratsch.

Pietro: "Habt ihr schon gehört: Diese junge, hübsche Dame, die seit drei Tagen beim Kardinal Donnaiolo zu Gast ist, ist WIRKLICH seine Nichte!"

Francesco: "Echt? Ist ja 'n Ding! Ich habe gehört, daß Kardinal Distratto gestern mit einem roten und einem schwarzen Schnallenschuh an den Füßen das Haus verlassen hat!"

Giovanni: "Haha! Typisch! Und bei Kardinal Buzzocrasso ist angeblich vorgestern der Sänftenboden durchgebrochen!"

Lorenzo: "Das stimmt! Ich war gestern dort und habe die zerstörte Sänfte gesehen! Aber die heißeste Geschichte kommt jetzt! Hab's grade frisch von seinen Leuten gehört: Kardinal Pompopulenza wurde heute Morgen auf dem Weg von Albano nach Rom dreist von Räubern angehalten und ausgeraubt!"

Pietro: "Klar! Elstern gehen dorthin, wo es funkelt und schimmert! Selbst Schuld, wenn er sich immer ausstaffiert wie ein Ein-Mann-Ball bei Hofe! Wie ging es aus?"

Lorenzo: "Wie schon... Bis auf die Leibwäsche alles weg. Aber jetzt kommt das Dollste!"

Pietro, Francesco und Giovanni: "Spuck's aus!"

Lorenzo: "Man munkelt, daß diese Bande, die seit einiger Zeit die Straßen um Rom unsicher macht und sich auf Prälaten spezialisiert hat, komplett aus Bediensteten diverser Kardinäle besteht! ... Jungs? ... Keine Reaktion? ... Findet ihr das nicht umwerfend? ... Hey! Was ist denn los..."

Pietro, Francesco und Giovanni (einen Kreis um Lorenzo bildend mit bedrohlichen Stimmen): "Wer hat dir das gesagt, und wo können wir ihn finden..."

Lorenzo: "Oh! Mist..."

So oder ähnlich...

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Vielleicht bin ich ja sehr dämlich, aber so richtig nach knackigem Sänftenträger-Material sehen die Herren ja nicht alle aus. Eher nach "Rente mit 104".
Schaffen die denn rein körperlich die Doppelbelastung Lakai/Rächer der Enterbten?

Ansonsten, vielen Dank! Hab grad sehr gelacht und würde die Story gerne als Sommerkinohit 2014 erleben.

Alipius hat gesagt…

@ anonym: Klar, der Opi rechts sieht wirklich zerbrechlich aus. Das könnte aber der nichtsahnende Lorenzo sein. Der junge Kerl, der links an der Sänfte lehnt hat schon mal eine ziemlich überzeugende Körpersprache (so mit breiten Beinen und Hände in den Taschen), dem links sitzenden Lakaien darf man auch noch einiges zutrauen, und der in der Mitte sitzende ältere Herr ist vielleicht einfach das Gehirn der Bande. Er sammelt die Informationen, plant die Ausführung, besorgt Alibis und streut Ablenkungen, beteiligt sich dafür aber nicht an den eigentlichen Überfällen.

Versteht sich übrigens, daß dies alles Gentlemen-Räuber sind, die mit ungeladenen Pistolen und stumpfen Klingen agieren und im Zweifelsfall lieber mal Reißaus nehmen, als körperliche Schäden anzurichten. Sie plündern auch nicht wahllos jeden Kardinal aus, sondern nur jene, bei denen so viel zu holen ist, daß es sie nicht schmerzt, oder jene, die durch unangenehme Eigenschaften wie hemmungslose Protzerei oder Habsucht oder Arroganz auf sich aufmerksam machen. Die Beute wird immer in drei Drittel aufgeteilt. Das erste Drittel geht an die Räuber, das zweite an die römischen Bettler und das dritte fließt in eine für karitative Zwecke gedachte Schatulle jenes Kardinals, der sich am Ende - ** gasp ** - als Gründer und Befehlsgeber der Bande erweist. Er war schon seit Kindertagen ein Abenteurer und Draufgänger, er hat sich an der Kurie immer ein wenig gelangweilt und er hat festgestellt, daß er nicht wenige Amtsbrüder hat, denen ein demütigender Schuß vor den Bug mal ganz gut tun würde. Mit dem Geld, das er aus den Raubzügen einnimmt, versorgt er junge, arme Familien, die versuchen, in Rom auf die Füße zu kommen. Er finanziert ihre Hochzeiten, besorgt ihnen Arbeit und Wohnung, hilft ihnen in rechtlichen Angelegenheiten etc... Hmm... Vielleicht steckt da ja wirkich irgendwo ein hübscher, kleiner Mantel- und Degen-Film drin...

Anonym hat gesagt…

Neeeeeeiiin! Ein Kardinal ist der geheime Kopf der Bande *gasp indeed!
Kann den Antonio Banderas spielen (Filmname, ähmm, honni soit, vielleicht "Francisco", gelispelt mit spanischem Akzent)? Ab und zu kann er sich ja inkognito in Mantel & Degen werfen und persönlich ein paar Amtsbrüdern die Diamantbroschen abnehmen? Begleitet von seinem treuen Helfer, dem älteren Herrn auf dem Bild. Sollte genug Material für comic relief geben.
Und die Nichte des Kollegen sollte auch eine Rolle spielen (Penelope Cruz?)...inkl. tränenreicher Entsagung in letzter Sekunde, worauf er sich wieder dem Inkognito-Banditentum und vertiefter Frömmigkeit zuwendet und sie den vom Onkel ausgesuchten aalglatten Medici-Jungspross verschmäht und statt dessen den Schleier nimmt und eine Geburtshilfestation im Wohngebiet all der römischen Jungfamilien eröffnet. (Hätten wir "Call the midwife" auch noch untergebracht, und die Kultur des Lebens. HA.)