Dienstag, 10. Dezember 2013

Das zehnte Türchen...

Der Belgier Georges Croegaert (1848-1923) war auch einer der eher produktiven Vertreter der "Was sie damals so trieben"-Zunft. Das Gemälde, welches ich heute präsentiere, habe ich zwar erst vor etwas mehr als einem Monat bereits einmal gepostet, aber ich kann es mit gutem Gewissen hier nochmals bringen, weil auf dem Bild einfach so viel los ist, daß man immer wieder neue Details entdeckt. Mir fiel z.B. gestern zum ersten Mal auf, daß der eine bis fast auf den Boden herunterhängende Troddel der (ich glaube) Mozzetta, die am rechten Bildrand auf dem Stuhl liegt, reichlich angewildert und zerfranst aussieht. Das waren sicherlich die Katzen, die jetzt brav bei der Milch stehen und so tun, als planten sie nicht bereits die nächsten Attacken auf kirchenfürstliche Baumelzierde.

Schön auch der Blick des hinter dem Teetisch stehenden Bischofs, der sich möglicherweise grade so sein Teil denkt, als er feststellt, daß sein weiß gekleiderter Amtsbruder sich schamlos gleich mal zwei Stück Gebäck klargemacht hat.

Und das gigantische Kissen, auf welchem der links sitzende Kardinal seine in roten Samtslippern steckenden Füße geparkt hat, scheint auch der links stehenden Katze eine Nummer zu groß zu sein. Die peilt nämlich soeben eine potentielle Sich-achtzigmal-auf-weichem-Untergrund-im-Kreis-dreh-dabei-die-bestimmt-total-preiswerte-Seide-mit-den-Krallen-noch-ein-wenig-auffluff-und-sich-dann-Zusammenroll-Stelle an.

Und rechts sitzt einfach nur ein altes Kardinälchen, das sich ganz und gar auf sein Heißgetränk konzentriert.

Fun fact: Ich habe mal gelesen (und, weil es so schön war, es einfach für wahr gehalten - wenn's nicht stimmt, möge man mich schleunigst korrigieren), daß die Lakaien eines Kardinals Livree trugen, die in den zwei Hauptfarben das Wappens des betreffenden Kardinals angefertigt war. Somit müßte also der Brötchengeber des auf dem Bild gezeigten Lakaien ein Wappen haben, in dem die Faben Olivgrün und Senfgelb dominieren.

Kommentare:

Helene hat gesagt…

Also ich kann mir nicht helfen, aber der violette geistliche Herr
im Hintergrund weist doch eine
deutliche Ähnlichkeit mit dem
Blogbetreiber auf...

Alipius hat gesagt…

@ Helene: Hmm... Echt?

Anonym hat gesagt…

Ich frag mich, ob die Katzen eine symbolische Bedeutung haben - so wie z. B. Hunde auf Eheportraits für Treue stehen. Stehen die Katzen für eine gewisse Extravaganz gepaart mit mangelnder Pflegeleichtigkeit (weißes Fell!)? Luxustierchen halt?

Vielen Dank für die Mühe, ich freu mich wirklich jeden Tag auf neue weird- und wackiness aus der wunderbaren Welt der Genremalerei.

Alipius hat gesagt…

@ anonym: Danke! Daß Sie sich freuen, freut wiederum micht!

Was die Katzen in der Kunst betrifft, weiß ich auch nichts genaues. Sie stehen für (Gedanken- und/oder Willens-)Freiheit, habe ich mal gehört. Auch sollen sie symbolisch angeblich stark mit dem Weiblichen verbunden sein.

Anonym hat gesagt…

Mindestens so schön wie diese Gemälde sind doch die überaus anregenden wie lebensvollen Interpretationen des Blogbetreibers.

Zuweilen übertreffen sie sogar die Bilder.

Vielen dank und weiter so!