Montag, 16. Dezember 2013

Das sechzehnte Türchen...

Wie der Zufall es so will, hat der geistbraus gestern in einem Kommentar zum fünfzehnten Türchen darauf hingewiesen, daß eine "Was sie damals so trieben"-Internet-Recherche schnell zur Wikipedia-Seite über "Anti-Clerical Art" führt.

Die von Kardinälen bevölkerte Genremalerei ist in der Tat nicht frei von frechem Augenzwinkern und gezielten Seitenhieben. Man darf sich aber unter "antiklerikal" hier weder die tumben, schenkelklopfenden und oft übertrieben verletzenden Machwerke neuzeitlicher "Satiriker" oder "Karikaturisten" vorstellen noch die palästestürmende, zerstörerische Rage französischer Revolutionäre.

Als diese Gemälde populär wurden, hatte die Kirche bereits einiges an Macht eingebüßt, und ihre schillerndsten Vertreter waren plötzlich nicht mehr ehrfurchtgebietende und unantastbare Fabelwesen sondern hatten schon beinahe den "Leute wie du und ich"-Status erreicht, so daß es unabdingbar schien, mal einen Blick hinter die Kulissen zu werfen, um herauszufinden, was denn nun in den Kardinalspalästen wirklich so vor sich ging. Der Phantasie waren dabei selbstverständlich keine Grenzen gesetzt, so daß die Eminenzen nicht selten in Situationen dargestellt wurden, die damals als unschicklich oder wenig schmeichelhaft galten, wodurch eine gewisse antiklerikale Stimmung hier und da mit in die Werke hineinfließen konnte. Dies besonders in katholischen Ländern, die seit einiger Zeit Geschmack am Kirchenärgern gefunden hatten.

Was bei allem antiklerikalen Beigeschmack aber auffällt ist, daß die Künstler ihre Objekte nicht entmenschlichten und nicht komplett ihrer Würde entkleideten, sondern sie einfach nur von der abgehobenen, goldgesäumten Kardinalswolke herabholten in alltägliche Situationen, in die auch der einfachste Betrachter sich irgendwie hineinfühlen konnte.

Ein ziemlich geniales Beispiel für den antiklerikalen Touch einiger dieser Werke gibt uns Jehan Georges Vibert, der somit bereits zum Dritten male in diesem Adventskalender auftaucht (nach Türchen drei und Türchen neun): Das Bild trägt im Englischen den Titel "The Preening Peacock" was ungefähr soviel bedeutet wie "Der herausgeputzte Pfau"

Nun sieht man aber auf dem Gemälde zwei Lebewesen: Im Vordergrund steht ein Kardinal in stolzer Pose, rot gewandet und ziemlich ausstaffiert. Dahinter erblickt man - wegen des Farbkontrastes möglicherweise erst auf den zweiten Blick - einen Pfau, der ein prachtvolles Federrad schlägt. Nun heißt das bild aber nicht "Die herausgeputzten Pfauen" oder "Der Kardinal und der Pfau" sondern einfach "Der herausgeputzte Pfau". Der Betrachter darf nun einen ganz heißen Tip abgeben, wer damit gemeint sein könnte.


Ein antiklerikal Hauch mag hier mitschwingen. Aber er ist nicht stumpf und erniedrigend, sondern lebensnah und vor allem nachvollziehbar, denn wer kann schon von sich behaupten, absolut uneitel zu sein?

Für mich bzw meien Phantasie bleibt die Frage, wie der eigentliche Pfau auf seine eminente Konkurrenz reagieren wird. Fährt er das Federrad ein und schleicht sich? Oder läßt er sich einen Show-Stehler nicht bieten und geht zum Angriff über?

Kommentare:

Severus hat gesagt…

Da schau her - das ist ja ein richtiger Napoleon in Purpur!

dilettantus in interrete hat gesagt…

Von Louis´ XVI Stöckchen bis Napoleons Tolle alles drin...

dilettantus in interrete hat gesagt…

Natürlich XIV !

Severus hat gesagt…

@ dilettantus
... ja, genau, Louis Quatorze! - und bei dem war das Stöckchen eigentlich sogar das Szepter ...!;-)

Severus hat gesagt…

Ich muss nochmals darauf zurückkommen! (Dank Thomas!) - Interessant: ein Kardinal der Hl. Römischen Kirche in der Pose des frühneuzeitlichen Herrscherpoträts ...!