Mittwoch, 11. Dezember 2013

Das elfte Türchen...

Das heute vorgestellte Bild des Franzosen José Frappa (1854-1904) stellt sozusagen eine "Was sie damals so trieben"-Regelverletzung dar, zeigt es doch mit Napoleon und mit Papst Pius VII zwei historische Persönlicheiten.

Aber auch Menschen, die sich in der Geschichte nicht so gut auskennen, können sich aus dem Gemälde eine kleine Anekdote fabrizieren. Die Gesten und Mienen der anwesenden Prälaten sind die Quelle, aus der wir uns den Stoff für diese Geschichte weben: Ein ziemlich eindeutig als Nicht-Geistlicher gekleiderter Herr steht mit verschänkten Armen in aufrechter Pose und mit stolzem Blick neben dem Papst, der soeben ein Dokument unterzeichnet. Vier anwesende Kardinäle sinken derweil in verschiedene Stadien der Ohnmacht und der Verzweiflung. Ganz links wird heftigst göttlicher Beistand herangefleht. Vorne sinkt ein Haupt ermattet auf die Brust. Der stehende Kardinal mag schon gar nicht mehr hinschauen. Und der rechts sitzende Prälat scheint sich an die Kehle greifen zu wollen, weil das Schlucken nicht mehr so richtig funktioniert.

Man muß den Inhalt des unterschriebenen Dokumentes eigentlich nicht kennen (Konkordat von Fontainebleau, tippe ich mal), um zu erdichten, daß die Kardinäle etwas denken, das irgendwo zwischen "Weh uns! Demütigung durch diesen französischen Raufbold!" oder "Windhauch, Windhauch, das ist alles Windhauch" oder "Ob ich am Ende aus meinem Palast in eine Zwei-Zimmer-Wohnung umziehen und mich künftig in Sackleinen kleiden muß?" liegt.

Das Drama ist jedenfalls praktisch mit den Händen zu greifen.

Kommentare:

Severus hat gesagt…

Sehr schön ! Grenzfall zwischen Genre- und Historienmalerei.
Zum Vergleich (ähnliches Motiv !) vielleicht das hier:
http://annotatiunculae.blogspot.de/2012/12/pius-und-napoleon.html

Gertie di Sasso hat gesagt…

Der stehende Kardinal könnte sein "facepalm" dieser Tage auch ganz gut anwenden ;-)

Anonym hat gesagt…

Und die schicke pinke Schärpe von Napoleon! Sehr süß!