Samstag, 21. Dezember 2013

Das einundzwanzigste Türchen...

Was auf diesem Gemälde des Franzosen Victor Marais-Milton (1872-1944) nun wirklich los ist, kann ich gar nicht genau sagen. Aber der bisquitstippende Kardinal blickt so wunderbar und köstlich angenervt "in die Kamera", daß einem gleich ein ganzer Haufen von Vorgeschichten einfällt.

Vielleicht ist er grimmig, weil er in dem neben ihm auf dem Schemel liegenden Buch soeben eine kleine, antiklerikale Satire hat lesen müssen, die etwas zu sehr ins Schwarze getroffen hat.

Vielleicht fühlt er sich gestört, weil unten im Garten grade zwei seiner Gäste ein Liedchen zum Besten geben und dabei nicht immer die Noten treffen.

Vielleicht hat er vom angehenden Flur vor wenigen Sekunden dieser Szene gelauscht: "Also? Wohin mit dieser riesigen Zierpalme [** schnauf **]" - "Ähmm... Seine Eminenz hat gesagt, daß wir sie gleich dort drüben im Eck abstellen sollen." - "Also los!" - "Aber Vorsicht! Das Ding ist so ausladend! Achtung! Die Porzellanvase dort auf dem Kaminsims! Oh nein..." - [** SCHEPPER **]

Vielleicht hat am Morgen einer seiner Diener beim Aufräumen seine Gedichte gefunden, die er eigentlich nie jemandem zeigen wollte und deren Inhalt eigentlich auch niemanden etwas angeht.

Vielleicht hat er soeben erfahren, daß der Maler, der ein repräsentatives Portrait von ihm anfertigen soll, den Preis für seine Arbeit hochzutreiben versucht.

Vielleicht hat er aber auch nur Magengrummeln.

Kommentare:

Helene hat gesagt…

Mir fällt dazu spontan H.Qualtingers Umdichtung der Ode an die Freude ein: "Alle Menschen san ma z'wider..."

kalliopevorleserin hat gesagt…

Schönes Bild. Und ich finde besonders interessant, daß der Herr Kardinal ein Spitzendeckchen auf dem Teetisch hat. Irgendwie niedlich.

Eugenie Roth hat gesagt…

Ich habe das ungute Gefühl, dass Sie mit Ihrem diesjährigen Kalender denen Wasser auf die Mühlen geben, die gegen die Kirche wettern: Fett und feist und überhaupt nicht fromm, also Frömmler. Schade ...

Alipius hat gesagt…

@ Eugenie Roth: Mag sein. Aber Leute, die aus solchen Bildern ihre Urteile über die Kirche konstruieren, sitzen in einem sehr engen geistigen Raum und ließen sich folglich andersherum durch nichts und niemanden davon überzeugen, daß die Kirche nicht feist und fett und überhaupt nicht fromm ist.