Sonntag, 8. Dezember 2013

Das achte Türchen...

Der in Spanien geborene aber hauptsächlich in Italien tätige Salvador Sánchez Barbudo (1857-1917) hatte ganz offenbar an besonders üppigen Kardinalsgewändern einen Narren gefressen. Selten kommt es vor, daß auf seinen Werken ein Prälat nicht in allen möglichen und unmöglichen Situationen ungezähmte Stoffmassen mit sich herumschleppt oder von diesen umbläht wird. Auf dem heutigen Bild stützt sich ein alter, dürrer Kardinal auf den Arm einer jungen Dame und steuert auf eine Sänfte zu. Diese wird trotz mangelnder Leibesfüllle seiner Eminenz bestens ausgefüllt werden, trägt der Kardinal doch seine Cappa Magna. Vor meinem inneren Auge spielt sich die Geschichte ungefähr so ab: Der Kardinal steigt ein, Diener zähmen die Seidenschleppe und stopfen sie irgendwie auch noch mit in die Sänfte, lehnen sich zu zweit von außen gegen die Türe und warten, bis sie das "Klick" des Schließmechanismus vernehmen. Die Sänfte wird hochgenommen, und der Prälat läßt sich dorthin tragen, wohin er eben zu gelangen gedenkt. Dann wird die Sänfte abgesetzt, die Türe wird geöffnet und der Kardinal steigt aus, wobei seine Gewänder für einige Sekunden noch um ihn herum in die Form des Innenraumes der Sänfte gepreßt bleiben und erst nach drei Schritten mit lautem Rauschen sich comic-mäßig entfalten. Oder so ähnlich...

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Dass die Kombi Kutsche/Stoffmassen ihre Tücken hat, wissen wir ja spätestens seit den Dokus zur Hochzeit von Prinzessin Diana weiland.
Das korrekte Vorgehen ist anscheinend:
1. Person einsteigen lassen.
2. Stoffmassen nachstopfen.
3. Bei Ankunft erschüttert feststellen, dass Massen von Falten das Kleid versauen.

War für den Kardinal sicherlich ein ähnliches Problem.

Markus Gehling hat gesagt…

Wenn man ein solches Bild betrachtet, dann versteht man auch, warum ein Kardinal mit cappa magna heute irgendwie deplaziert wirkt - aber vor 250 Jahren war er der Bescheidendste in der ganzen Runde!

Cassandra hat gesagt…

Ich sehe das so vor mir:
1) Kardinal in die Sänfte steigen lassen
2) gewandung hinterherstopfen
3) Versuchen, die Tür zu schließen, was nicht klappt, also mit Gewalt
4) und "klick" macht das Türschloß auf der anderen Seite

das Adelspack, welches da rumsteht, bekommt von diesen Problemen natürlich nichts mit weil sie schon wieder ins Schlößlein gegangen und dort 34-gämgige Teemahlzeiten zu sich nehmen. War ja anstrengden, so das Winken und so.

Und so sitzt dieser arme Mann nun in seiner Sänfte und wartet, daß er endlich abreisen kann...

Anonym hat gesagt…

@Kassandra

Kann ich mir auch vorstellen:
4 "Klick macht das Tüschloss auf der anderen Seite"
5 Während das Adelspack sich an die Teetöpfe verzieht, kipppt der Kardinal, hilflos wie ein Wickelkind in seinen Stoffmassen und bis zum bitteren Ende wohlerzogen, also ohne Wehgeschrei, auf der anderen Seite wieder aus der Sänfte raus.