Samstag, 7. Dezember 2013

Argentinien Reloaded

Ein Nachtrag zu den hier beschriebenen und kommentierten Ereignissen in Argentinien.

Mehr als einmal wurde ich mit dem Gedanken konfrontiert, daß junge Männer (oder Männer grundsätzlich) in ihrem Einsatz für den umfassenden Schutz des Lebens irgendwie unglaubwürdig wirken, wenn sie sich in ihrem Leben noch nicht als Ehemänner und Väter bewiesen haben oder weil sie nicht diejenigen sind, die auf einen Schwangerschaftstest pullern und plötzlich feststellen müssen, daß sie ungewollt schwanger sind.

Dazu hole ich nun einen Kommentar von mir zum Thema hoch und poste ihn hier, um meine Position etwas ausführlicher darzustellen und zu erklären, warum ich das Rosenkranzbeten junger Männer vor einer Kathedrale in der im Video gezeigten Form für eine legitime und glaubwürdige Form der Demonstration halte, auch wenn diese jungen Männer bestimmte Kriterien nicht erfüllen:

Eine gewisse persönliche Reife, eine dem Alter entsprechende Lebenserfahrung und Verantwortungsbewußtsein gegenüber zu erwartenden Konsequenzen der eigenen Handlungen: Das sind Dinge, die man von jedem Menschen zu jedem Zeitpunkt seines Lebens idealerweise sollte erwarten dürfen. Und da reden wir dann nicht mehr nur von jungen Männern. Junge Frauen, die feststellen, daß sie ungewollt schwanger sind, stehen in der Regel wahrscheinlich wie vom Blitz getroffen da. Aber dies nur, weil sie plötzlich schwanger sind, und nicht, weil sie in genau diesem Moment zum ersten Mal in ihrem Leben das Wissen erlangen, daß Geschlechtsverkehr Konsequenzen hat.

Und genau hier haben die jungen Männer bei mir ganz klar einen Vertrauensvorschuß. Denn ihnen traue ich aufgrund der im Video demonstrierten Disziplin, Ruhe und Stärke eher zu, ein sexuell zurückhaltendes Leben zu führen, damit sie sich nicht zu einem Instrument einer künftigen Abtreibung machen. Die weiblichen Derwische, die vor ihnen herumhüpfen und rufen "Wir wollen Huren sein", wirken auf mich hingegen ein wenig instabil und lassen mich befürchten, daß genau sie diejenigen sind, die die Konsequenzen ihres Handelns (in diesem Fall des Geschlechtsverkehrs) zwar kennen, sich aber nicht immer so richtig darum scheren, weil es ja eine Abhilfe gibt (in diesem Fall die Abtreibung).

Natürlich ist ein Szenario denkbar, in welchem einer der jetzt noch vor der Kathedrale betenden Männer zwei Jahre später eine Frau kennenlernt, in die er sich verliebt. Und dann taucht die Frau plötzlich auf und erklärt, daß sie schwanger ist. Ist es wirklich wert, die Frage, ob der Mann in einer noch nicht geschriebenen Zukunft zu Frau und Kind steht, zum entscheidenden Kriterium darüber zu machen, ob sein Einsatz für das Leben in der Gegenwart ein faules Ei ist oder nicht? Wer von uns kann schon in die Zukunft gucken? Und wenn wir uns solcher rein hypothetischer, zukünftiger Szenarien bedienen, um ein Phänomen, das in der Gegenwart stattfindet, kleinzureden: Steht unser Urteil dann wirklich auf festem Boden, wenn der Ausgang des zukünftigen Szenarios schlicht und einfach ungewiß ist? Nur weil irgendetwas in der Zukunft möglicherweise eintreten kann, muß daß nicht heißen, daß es auch wirklich eintritt. Und wenn es nicht sicher ist, ob es eintritt oder nicht, dann sollten wir vielleicht nicht bereits jetzt den Menschen der Gegenwart von der Zukunft her beurteilen.

Es wäre immerhin ja auch möglich, daß der Mann - im übertragenen Sinne - gemeinsam mit seiner Frau auf einen Schwangerschaftstest pinkelt, mit ihr gemeinsam zwei Linien anstarrt und sich mit ihr gemeinsam überlegt, wie sie das Kind erziehen und versorgen werden. Vielleicht ist grade die Anwesenheit dieses Mannes der entscheidende Faktor, welcher der Frau den Mut gibt, das Kind auszutragen und eine kleine Familie zu gründen.

Wir wissen es heute nicht und ich schaue daher lieber auf die Gegenwart und auf die Indizien, die mir dabei behilflich sind, mir den Menschen der Zukunft auszumalen. Und da sind - wie gesagt - die friedlich und standhaft vor der Kathedrale betenden Männer gegenüber den wüst rumprollenden Mädels bei mir im Vorteil.

Ein weiterer Gedanke: Die Tatsache, daß die sich für den Schutz des Lebens einsetzenden jungen Männer nicht agressiv werden, nicht zurückbrüllen, nicht zurückspucken und sich nicht gewaltsam gegen den Ansturm wehren läßt zumindest in mir den Verdacht aufkommen, daß sie es nicht nur mit dem Schutz des ungeborenen Lebens ernst meinen, sondern grundsätzlich eine Einstellung des Respekts gegenüber dem Leben mitbringen. Immerhin beten sie ja nicht nur ziellos in den Abend hinein, sondern sicherlich auch für die jngen Mädchen, die sich in diesem Moment ihnen gegenüber als Feinde erweisen.

Aus diesem Grund halte ich das Rosenkranzbeten vor einer Kathedrale durch junge Männer in dieser Form nicht für ein faules Ei sondern für eine legitime und glaubwürdige Demonstration des eigenen Willens, sich für den Schutz des Lebens einzusetzen.

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