Mittwoch, 6. November 2013

Nicht nur teilen, sondern auch loben oder Der Christusduft

Über Elsa stieß ich auf diesen Artikel zum Thema "Sonne-, Mond- und Sterne-Fest statt Sankt Martin". Dort steht:
    Dem stimmt auch Aiman A. Mazyek zu. Der Teilnahme muslimischer Kinder an Martinszügen steht nach Ansicht des Zentralrats der Muslime nichts im Wege. Im Gegenteil: "Ich habe gerne mit meiner Mutter in der Grundschulzeit mitgemacht. Viele muslimische Familien nehmen das gerne auf, und dieser Laternen- und Fackelzug ist für Kinder und Erwachsene natürlich auch ein Spektakel." Dass Sankt Martin ein katholischer Heiliger sei, stelle für Muslime keinen Hinderungsgrund da. "Das Leben von St. Martin ist doch geradezu vorbildlich, auch für Muslime. Der Gedanke des Teilens spielt im Islam eine große Rolle", sagt Mazyek. Inzwischen nehmen auch immer mehr muslimische Kinder an den Martinszügen teil.
Laut der Rheinischen Post ist es die Linkspartei, die das Ende des Martinsfestes fordert. Sie tut dies im Namen muslimischer Kinder, denen nicht länger christliche Traditionen "aufgedrängt" werden sollen. Nimmt man Mazyeks Worte als Grundlage, dann drängt sich nicht der Verdacht auf, daß die Linken durch massive Proteststürme verängstigter muslimischer Kinder dazu bewegt wurden, ihre Forderung nach Abschaffung des Martinsfestes an den Mann zu bringen.

Hier hat sich wieder einmal einer der Hauptantriebe linksliberaler Aktivitäten manifestiert: Man mutmaßt, ob es irgendwo irgendetwas gibt, das irgendjemanden (außer Christen und/oder Katholiken, versteht sich) in seinem Selbstverständnis möglicherweise irgendwie angreifen oder gar verletzen könnte, schaut dann voraus, wann die bedrohliche Situation sich zum nächsten Male einstellt und läßt im Namen des künftig vermeintlich Angegriffenen oder Verletzten vorauseilend die Alarmglocken schellen, ohne aber bei den eigentlich Betroffenen mal einen kurzen Status- und Meinungs-Check durchzuführen.

Der Vorsitzende der Linken in NRW, Rüdiger Sagel, wird im RP-Artikel zitiert:
    Die Einsicht, dass es richtig sei, "den Mantel zu teilen und den Armen zu helfen, ist eine überkonfessionelle Botschaft", betonte Sagel. "Ich finde es gut, wenn sich alle Kinder angesprochen fühlen und kein Kulturkreis diskriminiert wird", ergänzte der Parteivorsitzende. Wenn man statt Sankt Martin ein "Sonne-Mond-und-Sterne-Fest" feiern würde, fühlten sich mehr Kinder angesprochen und mitgenommen. "Dazu braucht man keinen Sankt Martin, der dem Lichterzug auf dem Pferd voranreitet", sagte der Chef der Linkspartei.
Hier verblüfft erst einmal die Logik: Wenn es eine allgemeine Einsicht gibt, daß das Mantelteilen richtig ist, und wenn die durch diese Einsicht empfangene Botschaft überkonfessionell ist, dann wird doch durch das aufgeführte Martins-Spektakel kein Kulturkreis diskriminiert, sondern es wird allen Anwesenden - seien sie nun Christen oder Muslime oder Pastafarier - eine wertvolle Lektion erteilt.

Es geht allerdings für Katholiken während des Martinsfestes weniger um die "Teilen ist töfte!"-Einsicht (die jeder Mensch mit Anstand auch ohne den Heiligen Martin erlangen kann), sondern darum, Gott zu preisen (wie Johannes bei Gertie im Kommentarbereich bereits treffend festgestellt hat).

Die in Sagels Aussage versteckte Botschaft lautet für mich daher nicht "Teilen geht auch ohne den Heiligen Martin" sondern "Alles geht auch ohne christlichen Beigeschmack". Ich glaube nicht, daß hier aus Rücksichtnahme in diesen einen Fall auf eine christliche Tradition verzichtet werden soll. Ich glaube eher, daß zumindest nach der Vorstellung einiger Mitglieder der Linkspartei die Religion insgesamt von der Bildfläche verschwinden und sich in ein schwer bis nicht einsehbares Kämmerlein zurückziehen soll.

Bleibt die Frage, ob mit "Die Religion" tatsächlich alle Religionen gemeint sind, oder nur die christliche. Ich habe in meinem Leben nicht wenige linksliberal denkende, fühlende und redende Menschen getroffen, die reflexartig wahlweise das Christentum oder den Katholizismus attackierten und alle anderen Religionen in Schutz nahmen. Da waren stellenweise erstaunliche Zerebralversteinerungen zu bestaunen, wenn an der Gewalt zwischen den Religionen ausschließlich die Christen verantwortlich waren, wenn Hexen ausschließlich durch die katholische Kirche verurteilt und auch getötet wurden oder wenn blutiges Missionieren ausschließlich als ein Steckenpferd der Christen ausgegeben wurde. Die Muslime verteidigen sich doch nur gegen die bösen, erobernden, blutrünstigen Christen! Die Protestanten verteidigen sich doch nur gegen den machtgierigen, hurenden, prassenden Papst und seine Schergen! etc...

Es gibt in diesem linksliberalen Millieu eine Tendenz, alles, was man selbst ist, mindestens skeptisch zu betrachten, wenn nicht gar abgrundtief zu hassen und als Reaktion darauf ungefragt all jenen den roten Teppich auszurollen, die das repräsentieren, was man nicht ist. So kommt es dann zu unappetitlichen Anbiederungs-Szenarien, für die die Sankt-Martin-Nummer nur das letzte schrille Beispiel ist. Hier scheint meines Erachtens auch der Widerspruch aufzutreten, der solche Leute manchmal reichlich unausstehlich wirken läßt: Sie treten für die Vielfalt ein, setzen ihr aber im gleichen Atemzug dort absolute Grenzen, wo sich Zutaten einschleichen, welche zu sehr an das erinnern, gegen das man sich eigentlich engagiert. So bleibt vom vermeintlichen Einsatz für etwas leztlich doch immer nur das Gemaule gegen etwas.

Ich frage mich daher ernsthaft, ob nicht nur bei solchen Aktionen sondern insgesamt im linksliberalen bis autonomen und "antifaschistischen" Millieu tatsächlich eine tiefe und ernste Überzeugung die Leute motiviert, oder ob sie sich einfach von ihren Abneigungs-Reflexen leiten lassen, welche ihnen immerhin ermöglichen, die Welt zu betrachten und aus all den ihnen gebotenen Phänomenen jene auszusuchen, gegen welche sie sich engagieren können und sie somit davor bewahren, im Sinne des Mitarbeitens an einer erträglichen Welt aktiv und selbständig etwas hinzuzufügen, anstatt nur wegmachen zu wollen.

Jedenfalls scheint das Christentum immer noch eines der gruseligsten Phänomene und Christus selbst immer noch die gefährlichste Person aller Zeiten zu sein, weil in SEinem Namen Menschen heranwachsen können, die weniger auf die wechselnden Launen einer gefräßigen Politikerkaste samt ihrer menschgemachten Gesetze und vorübergehenden Präferenzen hören, als auf die ewig gültigen Weisungen und Wahrheiten eines allmächtigen, allgütigen und allweisen Gottes.

Daher glaube ich auch, das Sagel intuitiv sehr wohl verstanden hat, daß es beim Martinsfest um mehr geht, als um den Wert des Teilens. Das Martinsfest duftet nach Christus und dieser Wohlgeruch ist vielen ein Gestank. Denn Christus will SEine Herde zur wirklichen Fülle des Lebens führen, welche sich eben nicht hier auf Erden zwischen Regulierungen, Verboten, Denunziantentum, Gleichmacherei und der Instrumentalisierung vermeintlicher Rücksichtsgefühle finden läßt.

Weitere Gedanken zum Thema auch auf Echo Romeo, sicut incensum, Beiboot Petri, Nur ein Kreuzknappe und Papsttreuer Blog.

Kommentare:

FarimX hat gesagt…

Sehr geehrter

Ich finde ihren Kommentar richtig, richtig gut.

Sie beschreiben hier etwas, was auch mir an den Positionen der Linken immer wieder auffällt und sich an deren Doppelstandard zum Thema Christentum /Islam manifestiert.

Sie nennen aber keine Bezeichnung dafür. Ich habe eine. Man könnte es antieuropäischer und antweißer Rassismus nennen, eine Abneigung gegen Europäer und deren Kultur, einschließlich dem Christentum.

Sie haben auch richtig festgestellt, dass 1. dieser Rassismus in der Regel ein Auto-Rassismus (ein Rassismus gegen jene Gruppe, und jene Kultur, der man selbst angehört) ist, und 2. in einer irrationalen Zuneigung für alles der verhassten eigenen Kultur fremden seine Entsprechung findet.

"Es gibt in diesem linksliberalen Millieu eine Tendenz, alles, was man selbst ist, mindestens skeptisch zu betrachten, wenn nicht gar abgrundtief zu hassen und als Reaktion darauf ungefragt all jenen den roten Teppich auszurollen, die dasrepräsentieren, was man nicht ist."





FarimX hat gesagt…

Der "Kampf gegen das Eigene" der deutschen Linken


Es sollte natürlich heißen
Sehr geehrter Herr Alpinius

Das was sie beschrieben haben, und ich als antweißen Rassismus bezeichne, bezeichnete der ehemalige Linke Manfred Kleine Hartlage als "Kampf gegen das Eigene"

So erklärte er in seiner Rede "Warum ich kein Linker mehr bin" schon vor 2 Jahren:

Der einzig verbliebene Inhalt linker Politik ist der Kampf gegen das Eigene. Dieselben Leute, die kein gutes Haar an der Kirche lassen können, finden am Islam nichts auszusetzen. Dieselben Leute, die es für “rassistisch und menschenverachtend” halten, die europäische Kultur bewahren zu wollen, setzen sich für den Bau von Moscheen ein, damit die islamische Kultur der Einwanderer bewahrt bleibt. Dieselben Leute, die Ausländerfeindlichkeit für eine Todsünde halten, sehen weg, wenn Deutsche Opfer rassistisch motivierter Übergriffe werden, und das Tag für Tag.

Quelle: http://korrektheiten.com/2012/03/29/warum-ich-kein-linker-mehr-bin-video-und-text/

Alipius hat gesagt…

Lieber FarimX,

danke für den Input!

Vielleicht könnte man Ihren "anti-europäischen und anti-weißen Rassismus" ja mit Kleine-Hartlages "Kampf gegen das Eigene" zusammentun und es "Auto-Rassismus" oder so ähnlich nennen?

FarimX hat gesagt…

Haben sie meinen Text gelesen?
Soll das eine ernste Antwort sein?

Ich meinte, diese Grundhaltung der Linken - die Abneigung gegen alles europäische, westliche und damit zusammenhängend auch gegen das Christentum - der Religion der Europäer- kann man treffen antiweißen Rassismus nennen.

Was ist das Feindbild der heutigen Linken? Der Kapitalist, das Bürgertum? Die Wahrheit ist keins von Beiden. Das linke Feindbild ist der weiße, europäische, christlich-geprägte Mensch und dessen Kultur.

Und dieser antweiße Rassismus ist häufig, weil die Linken, von denen er ausgeht selbst Europäer sind, ein Auto-Rassismus also ein Rassismus, der sich gegen die Gruppe richtet der man selbst angehört.

Alipius hat gesagt…

Lieber FarimX,

ich bin mir nicht sicher, was den Furor Ihrer ersten beiden Fragen ausgelöst hat. Natürlich habe ich Ihre beiden Texte gelesen und natürlich war meine Antwort darauf ernst gemeint. Wo meinen Sie Indizien zu erkennen, daß es sich anders verhalten könnte?

Sie haben ja meine Antwort im Grunde erklärend wiedergegeben (nicht nur, DASS man es Auto-Rassismus nennen könnte, sondern auch WARUM man es so nennen könnte), so daß ich nicht wirklich verstehe, warum Sie meinen, sie könnte nicht ernst gemeint sein.

Chrysostomus hat gesagt…

Ich denke, es ist ganz einfach: Diese Leute wollen auf Biegen und Brechen soviel christliches Erbe als irgend möglich aus der Gesellschaft eliminieren. Dazu ist ihnen jedes Mittel recht, auch eine völlig verlogen behauptete Rücksicht auf den Islam. Daß diese Leute gleichzeitig unsäglich dumm sind, nämlich dahingehend dumm, daß sie nicht sehen können, daß derzeit nur die christlich geprägte aufgeklärte Kultur ihnen die Freiheit für jeden Unfug ermöglicht. Wer diese Kultur zerstört, zerstört die Freiheit.
Neulich erfuhr ich von einer betroffenen Mutter. Aus dem katholischen Kindergarten (Oberbayern) erhielt sie einen Elternbrief mit der Anweisung, man möge doch den Kindern bitte nur noch Wurstsemmeln mitgeben, deren Wurstbelag kein Schweinefleisch enthielte. Man müsse Rücksicht auf muslimische Kinder nehmen, die ja vielleicht einmal von so einer Schweinewurstsemmel eines nichtmuslimischen Kindes etwas abbeißen könnten.
Ja hallo! Irgendwann verbieten sie mir in meinem Haus Kruzifixe, weil ja eventuell ein muslimischer Einbrecher zu sehr von christlicher Kultur bedrängt sein könnte.
Wohlgemerkt: ich überspitze jetzt, um das Problem zu verdeutlichen. Natürlich sehe ich kein großes Problem darin, wenn mal ein Kind dem andern was von der Jause stibitzt. Das ist normal und nicht weiter erwähnenswert. Skuril wird's aber, wenn der "Beraubte" dem "Räuber" auch noch in der Beschaffenheit des "Raubgutes" entgegen zu kommen hat.
Und tragisch ist es auch, daß ein bayrischer Pfarrer als Chef des Kindergartens hier nicht zurückpfeift. Ich fände es durchaus zumutbar, daß muslimische Eltern dann eben dafür sorgen müssen, daß ihre Sprößlinge so versorgt sind, daß sie kein Bedürfnis haben, von der Schweinefleischwurst des katholischen Kindes zu essen.