Freitag, 8. November 2013

Hauptsache, es schmeckt!

Über einen facebook-Link bin ich auf einen drei Jahre alten Artikel in der WELT gestoßen, der sich mit der Kuscheltheologie von Anselm Grün und Konsorten auseinandersetzt. Der Autor kommt zu dem Schluß:
    Man mag über seine pseudopsychologische Kuscheltheologie - oder kuschelpsychologische Pseudotheologie - den Kopf schütteln, aber er und die anderen benediktinischen Medienmönche erreichen die Menschen, wie es der Medienpapst Benedikt nie geschafft hat. Längst haben die Gläubigen mit den Füßen und dem Geldbeutel abgestimmt: Wenn sie sich eine Kirche wünschen könnten, Anselm Grün wäre ihr Papst.
Irgendwie haben wir - glaube ich - schon seit einiger Zeit den Cafeteria-Katholizismus hinter uns gelassen und sind beim Junkfood-Kochduell-Katholizismus angelangt. Was ich damit meine? Nun, im Cafeteria-Katholizismus verstehen die Leute die Inhalte von Schrift, Lehramt und Tradition als ein Menü, aus dem sie das wählen, was ihre zimperlichen Mägen eben noch vertragen können: "Nee... 'Eheliche Treue' hatte mein Kumpel neulich. Uns es hat ihm total nicht geschmeckt!" - "Was? 'Umfassender Schutz des menschlichen Lebens von der Empfängnis bis zum Tod'? Bloß nicht! Das ist doch dieses kalorienreiche, schwer verdauliche Oma-Rezept!" - "Och... Schon wieder 'Beichte und Meßbesuch'? Das finde ich schon seit meiner Firmung fade!" - "Gibt's denn nicht irgendwo noch einen Rest 'Seid nett zueinander'?" - "Ich hätte gerne einmal 'Geh im Wald spazieren und denke an Gott', ohne 'Wahrheit' aber dafür mit einer Extraportion 'Barmherzigkeit'!"

Im Junkfood-Kochduell-Katholizismus hingegen besuchen die Leute nicht die Cafeteria, sondern treffen sich in der eigens eingerichteten Keller-Küche, um unter Anleitung eines mehr oder weniger erfahrenen Lehrmeisters die ihnen zufällig und willkürlich gereichten Zutaten zu einer Mahlzeit zuzubereiten. Es ist dabei nicht wichtig, ob diese Mahlzeit narhhaft und gesund ist. Sie muß nur schmecken.

Übertragen auf die Kirche heißt das, daß die Leute sich natürlich den zum Papst wählen, der sagt "Hier sind ein paar Zutaten, von denen ich mir ziemlich sicher bin, daß sie euch gut reinlaufen. Macht mal damit, was sich für euch gut anfühlt" als jemanden, der sagt "Hier ist ein gesundes Mahl. Aufessen!".

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Deshalb vermissen wir Benedikt so sehr, weil er das Rezept für's gesunde Mahl verteilt und die Zutaten klar und verständlich erläutert hat, ohne darauf zu schielen, wie was wem munden würde.
Durch seinen Rückzug vom Amt und die vielen Junkfoodpriester in Deutschland fühlt man sich aufgefordert, alles Gelernte selbst so gut als möglich allen Fragenden nahezubringen.

Gutmensch

Anonym hat gesagt…

"Medienpapst Benedikt"??

Ich dachte, er wäre für die Medien immer der weltferne Professor abgehoben in seinem Elfenbeinturm gewesen, völlig unfähig, den Normal-Katholiken von heute zu erreichen? Da vergißt die Journaille heute aber schon schnell, welche Klischees sie noch gestern in ihrer "Kirchenberichterstattung" verwendet hat ... und was das von diesem Schmierfinken angezogene Beispiel angeht: Wenn man das 1:1 auf die Welt der Medien umlegt, dann ist die "Krone" bzw. "Bild" das Um-und-auf der Medienwelt, und man sollte NZZ, FAZ und sonstige Mehr-oder-weniger-Qualitätsmedien schnellstens vergessen!

Zwetschgenkrampus