Freitag, 8. November 2013

Gott ist groß

Der geistbraus hat ein schönes Zitat des neuen Taliban-Chefs über die Größe Gottes gefunden. Ihr könnt es hier nachlesen.

Der geistbraus schließt:
    Wenn ein verblendeter, fanatisierter Irrgläubiger schönere Worte für die Größe Gottes findet als die europäischen Vertreter der institutionalisierten Kirche – dann ist irgendwas gewaltig schiefgelaufen.
Da ist 'was dran...

Allerdings weiß ich nicht, wie ich den Lobpreis Gottes aus dem Mund eines fanatisierten, gewalttätigen Extremisten einsortieren soll. Ist Mullah Fazlullah Extremist, obwohl er für die Größe Gottes so schöne Worte findet? Findet er so schöne Worte, obwohl er Extremist ist? Oder gar weil er Extremist ist?

Mir sind eher jene Heiligen geheuer, die für den Lobpreis Gottes nichts weiter brauchen, als SEin Werk und ihre Seele. Wo auch immer die Größe Gottes durch Gewalt und mit Waffen unterstrichen werden muß, regt sich in mir immer Zweifel, ob da wirklich Gott der Empfänger der Taten und Worte ist.

Kommentare:

Braut des Lammes hat gesagt…

Mir fehlt hier schlicht der Zusammenhang zwischen Lobpreis Gottes und Werk. Auch Luzifer könnte die Größe Gottes wohl hymnisch preisen und sich danach entweder in Anbetung vor ihm niederwerfen – oder aber derselbe bleiben, der er ist.

Geistbraus hat gesagt…

"Ist Mullah Fazlullah Extremist, obwohl er für die Größe Gottes so schöne Worte findet?"

Ich glaube, es hat damit zu tun, dass im islamischen Raum Glaube und Ästhetik von Alters her enger verbunden sind als im (zumindest neuzeitlichen bzw. westkirchlichen) Christentum. Noch heute dichten einige arabische Staatschefs. Und selbst Osama bin Laden hat seine Anschläge nach ästhetischen Kriterien geplant und entsprechend wirkmächtige Bilder verursacht, die noch heute in unser Gedächtnis eingebrannt sind.

Schönheit ist halt sehr ambivalent, sie kann göttlichen und teuflischen Ursprungs sein.

Auf Schönheit zu verzichten, kann aber trotzdem keine Alternative sein. In einer Welt voller Betonkirchen und Gremiensprache möchte ich nicht leben. Das zumindest ist im Orient ausgeschlossen... tja.

Monika hat gesagt…

Der konservative Katholizismus und der (konservative) Islam (aber ein zeitgemäßen Islam wird höchstens hie und da angedacht) sind sich nicht unähnlich. Die existentiell wichtige Frage der Gewaltanwendung soll hier den Blick auf die Ähnlichkeiten im Glauben nicht verstellen. Auch die Glaubensinhalte sind nach meiner Sichtweise unvereinbar verschieden. Allah und Gott sind eben nicht gleich - sie werden es nur unter höllischen Verrenkungen - und die unternimmt nicht der Islam.

Doch was gleich ist, ist die Gewissheit über die Richtigkeit des eigenen Glaubens, das Berufen auf ein göttliches Buch, das Ernstnehmen der Worte in diesem Buch, die Gewissheit, dem wahren Glauben anzugehören, und daß es für jeden Menschen besser wäre, er würde dem eigenen wahren Glauben angehören. Das Vertrauen auf eine Belohnung im Jenseits, ewiges Leben. Und daß in jeder Lebenslage die Lehre oberste Priorität hat.

Phil hat gesagt…

"Schönheit ist halt sehr ambivalent, sie kann göttlichen und teuflischen Ursprungs sein."

Verzeihung, Geistbraus, aber hier kann ich nicht mitgehen. Schönheit hat einen einzigen Ursprung, nämlich Gott. Und auch wenn Satan in der Gestalt eines Engels des Lichtes sich ausgeben kann, mag das ein "schöner" Schein (und durch die innewohnende Lüge häßlich) sein, ja, vielleicht sogar ein letzter Abglanz dessen, was er einst war, aber diese Schönheit kommt von Gott.

Natürlich kann auch ein Taliban von dieser Schönheit berührt werden, der schlimmste Mensch auf Erden kann das, denn der Taliban ist ein Kind Gottes.

Geistbraus hat gesagt…

@Phil, Du hast natürlich vollkommen recht. Das hatte ich verkürzt ausgedrückt.

Ich meinte: Ein Ding, das wir als schön empfinden, kann göttlich oder teuflisch sein (oder, wie es bei den irdischen Dingen der Fall ist, in unterschiedlichen Verhältnissen aus Gut und Böse gemischt). Aus dem reinen schönen Erscheinungsbild können wir nicht folgern, dass das Ding gut und gottgefällig ist. Denn, wie Du richtig schreibst, auch Satan kann sich verkleiden. Die Verkleidung wird auch nicht "durch die innewohnende Lüge hässlich", allenfalls können die Konsequenzen hässlich sein, wenn wir uns dieser lügnerischen Schönheit hingeben.

Die Schönheit als solche kommt aber natürlich von Gott, sie ist Ausfluss der göttlichen Herrlichkeit.