Montag, 21. Oktober 2013

Zeig mir, was an Deiner Halskette hängt,...

[SPOILER-WARNUNG: Wer die Serie "Agents of S.H.I.E.L.D." irgendwann sehen möchte, der sei darauf hingewiesen, daß das folgende Posting zwei kleine Spoiler enthält]

... und ich sag Dir, ob Du ein Schurke bist!

Ich habe nun die ersten vier Folgen von "Agents of S.H.I.E.L.D." gesehen. Die Serie scheint insgesamt ganz ordentlich zu werden. Avengers sind bisher zwar noch keine aufgetaucht, dafür ist Agent Coulson doch nicht tot, sondern im Gegenteil mit einer mysteriösen Wiederbelebungs- und Hintergrundgeschichte ausgestattet worden, die dem geduldigen Zuschauer wahrscheinlich im Verlauf der Serie Stück für Stück serviert wird. In der Serie geht es irgendwie um alles, was seltsam, außerirdisch, übermenschlich, freakig, wtf-ig und öffentlichkeitsuntauglich genug ist, um das Interesse von S.H.I.E.L.D. zu wecken. Wer damals schon bei den "X-Files" dabei war, der erkennt auch schnell ein weiteres, bekanntes Muster: Die abgeschlossene Haupthandlung der jeweiligen Episoden wird gewürzt mit Hinweisen auf eine größere Geschichte, die früher oder später eine Zeitlang sicherlich thematisch das Ruder übernehmen wird.

Mit- wenn nicht hauptverantwortlich für die Serie ist Joss Whedon, der uns außer "Buffy", "Angel" und "Firefly" natürlich auch den vielleicht nicht besten aber auf jeden Fall supersten aller Superheldenfilme spendiert hat: "The Avengers". Daß er nun auch "Agents of S.H.I.E.L.D." schreibt und bei der Serie Regie führt, ist also logisch.

Whedon ist Atheist und zusätzlich noch schwer in der US-amerikanischen Film- und Fernsehwelt und in Hell... ähh... Hollywood aktiv. Hätte ich mit Bezug auf diese Kombination schon vor dem Anschauen von "Agents of S.H.I.E.L.D." gedacht: 'Das kann ja eigentlich nicht gut gehen', so hätte sich meine Befürchtung bereits in der zweiten Folge bestätigt: Selbst ein so kreativer Kopf wie Whedon kann es nicht lassen, der Schurkin in der Geschichte einen gut sichtbaren Kreuzanhänger an die Halskette zu schreiben...

Klar kann ich das verstehen. Es wird einfach nicht oft und deutlich genug darauf hingewiesen, daß die Bösen in der Regel Christen sind bzw daß die Christen in der Regel böse sind. Da muß man dann als aufklärerischer Atheist schon ein wenig Mumm haben, sich weit aus dem Fenster lehnen, mit subtilen, kleinen Zeichen die Leute auf die richtige Fährte bringen und dabei angesichts des stets meuchelbereiten, heugabelschwingenden Jesus-Mobs Kopf und Kragen riskieren.

Haha... Scherz! Natürlich wird oft genug darauf hingewiesen. Und natürlich sind Schreiber, die zu diesem Trick greifen, weder mutig noch originell. Ich kann mich an haufenweise Vergewaltiger, Arschlöcher, Mörder, Psychopathen und Schläger mit Kreuzanhänger erinnern, die mir in den letzten Jahren in Film und Fernsehen über den Weg gelaufen sind. Nicht, daß das jemals irgendetwas mit der Geschichte zu tun gehabt hätte. Man hängt einfach das Kreuz dran und hofft, daß die Leute ihre Schlüsse ziehen...

Die Masche ist mittlerweile allerdings leider so überdreht, daß Whedon in der Sekunde, in der die Dame zum ersten Mal auftrat, schon die Wendung der Geschichte preisgegeben hat. 'Ah!', dachte ich. 'Kreuzanhänger! Das ist eine Verräterin!'

Und hier habe ich das eigentliche Problem mit Kreuzanhänger-Schurken: Liebe atheistische oder religionskritische oder christenbelächelnde oder katholikenhassende Schreiber für Film und Fernsehen! Suhlt Euch meinetwegen Tag und Nacht in Eurer schönen, heilen Welt der finsteren Gläubigen und der so dringend benötigten Aufklärung über diese weltweite Bedrohung. Verneint Gott und betet den Verstand so lange und so intensiv an, wie ihr wollt (irgendwann werdet Ihr sicherlich auch einmal beginnen, ihn zu nutzen). Engagiert Euch in "Wurden durch die spanische Inquisition in Europa nun eigentlich 9 Millionen Frauen oder alle Frauen getötet?"-Foren. Tut und laßt, was Ihr wollt! Aber - bitte bitte bitte - versaut den Leuten, die das Denken und das Eins-und-Eins-Zusammenzählen noch nicht verlernt haben nicht noch einmal eine coole Geschichte, nur weil Ihr zu faul und zu uneitel sied, Eurer Abneigung gegenüber dem Christentum auf eine andere Art Ausdruck zu verleihen als auf jene, die zwar von Millionen von Leuten gesehen wird, die aber mittlerweile nun wirkich keinen Hund mehr hinterm Ofen hervorlockt.

Ja? Okay? Können wir uns darauf einigen?

Nicht? Na schön... Einen Versuch war's immerhin wert...

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