Montag, 7. Oktober 2013

Wenn der SPIEGEL und die Erzdiözese Freiburg sich zusammentun, dann bekommt man in der Regel mehr für's Geld...

Im Erzbistum Freiburg sollen künftig wiederverheiratete Geschiedene zur Heiligen Kommunion zugelassen werden, schreibt der SPIEGEL. Eine entsprechende Handreichung wird in dieser Woche verschickt:
    Ziel sei es, die Situation von Katholiken, die geschieden sind und wieder geheiratet haben, zu verbessern. So werde ihnen nicht mehr grundsätzlich der Zugang zu kirchlichen Ämtern wie dem Pfarrgemeinderat sowie zu den Sakramenten verwehrt.

    Neben dem Empfang der Heiligen Kommunion und der Beichte sind dies Taufe, Firmung und Krankensalbung. Von diesen Sakramenten sind Katholiken, die nach einer Scheidung eine neue Ehe eingegangen sind, bislang ausgeschlossen, weil eine Wiederheirat nach katholischer Lehre als Sünde gilt.
Da muß ich an der Uni wohl gefehlt haben, als man uns beibrachte, daß Katholiken unter bestimmten Bedingungen in der Kirche vom Empfang der Taufe ausgeschlossen sind...

Weia, SPIEGEL! Ernsthaft jetzt? Ich freue mich schon auf die nächste in Richtung der Kirche oder eines ungeliebten Bischofs geschwungene Moralkeule. Wieviel Vertrauen ich der schenken darf, hat "Deutschlands größtes Nachrichtenmagazin" ja in den letzten Tagen erneut machtvoll demonstriert.

Kommentare:

Jürgen Niebecker hat gesagt…

Katholiken sind nicht unter bestimmten Bedingungen, sondern generell vom Empfang der Taufe ausgeschlossen.
Daran ändert auch die Handreichung nichts.

Übrigens… falls Du sonstwo noch gefehlt hast: Priester sind vom Empfang der Priesterweihe ausgeschlossen. – Oh Schreck! Das sollte man ändern!

Cassandra hat gesagt…

Ich stehe nicht auf dem Mailverteiler des Bistums Freiburg, also rechne ich nicht damit, in absehbarer Zeit ein Exemplar dieser Handreichung zu sehen zu bekommen.

Aber äh... seelsorgerische Gespräche konnte doch schon immer (also "immer" wie in "seit sich mal jemand diesen schicken Ausdruck dafür überlegt hat") jeder bekommen, oder?

In einem Gespräch kann man ja auch kläre, warum etwas nicht geht. Erklären ist imemr besser als plumb verbieten, aber plumb verboten hat ja keiner, seelsorgerische Gespräche über das problem führen hat die Freiburger Diozöse nicht erfunden. Oder?

Nun bin ich verunsicherte Laiin.

Archangelus hat gesagt…

Nur zur Beichte dürfen sie scheinbar auch weiterhin nicht gehen? Wie ungerecht!

smilodon hat gesagt…

Nein, nein, Archangelus!
Sie dürfen auch nicht gefirmt werden, wenn sie sich scheiden lassen und nochmal heiraten. Und das, obwohl man erst kirchlich heiraten darf, wenn man gefirmt ist.

plagosus orbilius hat gesagt…

Spiegel und Erzdiözese Freiburg. Ich denke schon, dass sich hier zwei Schwestern im Geiste treffen, zumindest wenn man sich die Spitzen betrachtet.

Dybart Simpson hat gesagt…

Die Handreichung gibt es hier: http://www.familienseelsorge-freiburg.de/html/media/dl.html?v=106289

Dybart Simpson hat gesagt…

Ich habe mich auch über die Erwähnung der Taufe geärgert, allerdings gibt es durchaus die Möglichkeit, dass jemand katholisch getauft werden möchte, aber eine Scheidung und Wiederheirat dem entgegensteht.

smilodon hat gesagt…

@Dybart Simpson
Ehen zwischen Ungetauften sind definitionsgemäß keine sakramentalen Ehen. Ehen zwischen 2 Personen, von denen eine ungetauft ist, sind ungültig. Wo soll also das Problem sein?

Psallite Deo hat gesagt…

@smilodon: Wenn einer der Partner nicht getauft ist, ist die Ehe ungültig? Warum das denn? Es gibt doch bei kath. Trauungen spezielle Formulierungen, wenn einer eine andere Konfession hat, wenn er einer ganz anderen Religion angehört oder gar keiner (hab ich jedenfalls im Studium mal so gelernt...). Wozu gibt es diese, wenn die Ehe eh ungültig ist?

Anonym hat gesagt…

In Meinem Fall war mein - nach wie vor ungetaufter, religionsloser (veralteter Ausdruck: heidnischer) Mann – standesamtlich mit einer evangelischen Frau verheiratet (nach wenigen Monaten gescheiterte Kurzzeitehe vor 20 Jahren). Diese Ehe (nur standesamtlich geschlossen wohlgemerkt!) ist nach katholischem Kirchenrecht GÜLTIG. Wir konnten also nur standesamtlich heiraten. Das stört mich auch nicht weiter, aber ich darf natürlich auch nicht zur Kommunion oder Beichte gehen - und das stört mich schon immer wieder. In Wien könnte ich das natürlich problemlos trotzdem tun, weil es kaum jemanden scheren würde, aber derzeit will ich das nicht, sondern halte mich lieber aus grundsätzlichen Gründen an die Vorschriften.
Verstehen tue ich es aber nicht wirklich. Und es verstehen, wie man an den Kommentaren hier sieht, das in manchen Teilen völlig verworrene katholische Eherecht nicht einmal die Insider. Es wäre ein leichtes irgendeinen Priester zu finden, der das mit der Gültigkeit einer solchen Ehe nicht weiß oder es einfach ignoriert und uns traut, aber wie gesagt, die linke Tour will ich auch nicht. Ich habe zu meinem speziellen Fall noch NIRGENDS eine verläßliche vernünftige UND menschlich verständliche Auskunft bekommen. Alles unbrauchbares Geschwafel oder schlicht falsch.
Den Versuch die erste Ehe per Kirchenverfahren für ungültig erklären zu lassen, haben wir bald wieder abgebrochen, zu undurchsichtig, zu unsicher der Ausgang und überdies sehr teuer ist das Verfahren.
Außerdem lehnen wir es beide ab, zu lügen oder die Exfrau unnötig in den Schmutz zu ziehen.
Tja, ich komme also unausweichlich in die Hölle, wenn ich der offiziellen Lehre der Kirche 100% Glauben schenken würde, aber soweit gehe ich nicht, da bleibe ich lieber bei 90%.
Angeblich soll sich ja irgendwer im Vatikan 2015 mit diesen Fragen beschäftigen - aber ich mache mir keine Hoffnungen: das einzige was rauskommt sind neue Argumente für die gleichen Lehren und Kirchengesetze wie gehabt. Andernfalls könnte ja irgendwer auf die Idee kommen, die Kirche hätte bis jetzt in irgendeinem klitzekleinen Punkt unrecht gehabt - und das riskieren nicht einmal Papst Franziskus und seine Mannen, da gehe ich jede Wette ein.
G.

smilodon hat gesagt…

@Psallite Deo
Warum eine solche Ehe nicht gültig sein soll, weiß ich auch nicht. Vielleicht sollte man diejenigen fragen, die den Can. 1086 in den CIC reingeschrieben haben.

smilodon hat gesagt…

@Anonym, 14:23
Sind Sie sicher, dass Sie wirklich deshalb nicht kirchlich heiraten dürfen, weil die erste Ehe ihres Mannes als gültig betrachtet wird?
Ich glaube eher, es liegt daran, dass ihr Mann - wie Sie ja selbst schreiben - nach wie vor ungetauft ist.

Andrea hat gesagt…

@smilodon: can. 1086 bezieht sich ausdrücklich auf Ehen zwischen katholischen Getauften und Ungetauften, der Mann von G. war aber mit einer evangelisch getauften Frau verheiratet. Darauf bezieht sich der genannte Canon also gar nicht.
Und trotz can. 1086 ist eine gültige Ehe zwischen einem Katholiken und einem Ungetauften möglich, nämlich wenn eine entsprechende Dispens erteilt wird (siehe can. 1086 §2).

Außerdem ist die Gültigkeit einer Ehe nicht mit ihrer Sakramentalität gleichzusetzen. Eine nichtsakramentale Ehe (also mit mindestens einem ungetauften Partner) ist, wenn keine sonstigen Hindernisse vorliegen, gültig. Und da gibt es nun viele Möglichkeiten, wie eine vorgängige Ehe eines Ungetauften gültig sein kann (Partner ebenfalls ungetauft; Partner getauft, aber nicht katholisch; Partner katholisch, aber mit Dispens). Und es könnte ja sogar sein, daß das Taufhindernis nicht in einer vorherigen Ehe des Ungetauften, sondern darin besteht, daß der katholische Partner geschieden und zivil wiederverheiratet ist.

Allerdings ist eine nichtsakramentale gültige Ehe im Unterschied zur sakramentalen grundsätzlich zugunsten einer sakramentalen Ehe auflösbar - aber auch das erfordert einen Anullierungsprozeß und eine genaue Klärung. Ganz so einfach, wie Sie meinen, ist es also nicht.

Dybart Simpson hat gesagt…

Andrea hat die Möglichkeiten, in der eine Scheidung und Wiederheirat einer katholischen Taufe entgegenstehen können, recht gut auf den Punkt gebracht. Zusätzlich dürfte denkbar sein, dass die zweite Ehe auch nicht sakramental werden kann, weil der neue Partner ungetauft ist und bleiben möchte.

Anonym hat gesagt…

Die Frage ist aber: wenn es nun daran liegt, dass mein Ehemann ungetauft ist, dann kann ICH das ja nicht ändern. Das heißt: wo ist da meine Schuld? Dürfte ich also in diesem Fall doch zur Kommunion gehen? Genau diese Frage, um die es mir geht, hat mir noch niemand ordentlich beantworten können und wie ich an den Reaktionen hier wieder einmal sehe, kennt sich in diesem Fall niemand wirklich aus. Am Ende steht dann meist doch wieder: das ist eine Gewissensentscheidung, aber so soll man zumindest laut konservativen Katholiken auch wieder nicht vorgehe. Was also?

Gerd F. hat gesagt…

>>Am Ende steht dann meist doch wieder: das ist eine Gewissensentscheidung, aber so soll man zumindest laut konservativen Katholiken auch wieder nicht vorgehe. Was also?<<

Vielleicht sollte man erst einmal sein Gewissen prüfen ob dieses oder jenes gut oder schlecht ist. Entscheidungshilfen kann die Kirche geben, muss sie aber nicht. So ist es auch eine Entscheidung des Gewissens, ob ich einen Partner heirate obwohl er ungetauft ist und ich selber der Kirche nahe stehe und daraus irgendwann ein Konflikt entsteht. Erst entscheiden und nachher die Fragen stellen, ist ein unbrauchbarer Rat und führt meist in ein Dilemma.

Anonym hat gesagt…

@Gerd F.
Sie plädieren also gleich für ein Heiratsverbot zwischen Christen und Ungetauften!
Typisch katholischer Rat der besonders unmenschlichen Sorte, kann nur jemand geben, der noch nie in seinem Leben irgendeine (Menschen)Seele geliebt hat. Aber solche von der Herz-aus-Eis-und-Stein Sorte gibt es wahrlich genug unter Katholiken, ich kenne das.
Ich muss auch anmerken, dass ich nie in meinem Leben wegen der Katholiken Katholikin geblieben bin oder wegen der gar so tollen Kirchenlehre, sondern ausschließlich wegen Gott, Jesus, Maria – dem Himmel eben.
So, aber nun ist Schluss mit posten, das Ganze bestätigt mir sowieso nur, was ich eh' schon weiß.
Nix neues im Katholischen Sumpf eben!
G.

Gerd F. hat gesagt…

>>Sie plädieren also gleich für ein Heiratsverbot zwischen Christen und Ungetauften!<<

Nö, tu ich nicht. Das lesen Sie aus meinem Posting.

>>Typisch katholischer Rat der besonders unmenschlichen Sorte, kann nur jemand geben, der noch nie in seinem Leben irgendeine (Menschen)Seele geliebt hat.<<

Sie kennen nur meinen Namen. Ob ich katholisch bin, ist reine Spekulation ihrerseits. Genauso die Feststellung, dass sie es mit einem unmenschlichem katholischem Liebesverweigerer zu tun haben.

>>Ich muss auch anmerken, dass ich nie in meinem Leben wegen der Katholiken Katholikin geblieben bin oder wegen der gar so tollen Kirchenlehre, sondern ausschließlich wegen Gott, Jesus, Maria – dem Himmel eben.<<

Jesus, der gesagt hat, was Gott verbindet darf der Mensch nicht trennen! Der Jesus?

Dybart Simpson hat gesagt…

Liebe Frau G.,
grundsätzlich sind kirchenrechtliche Sachverhalte immer nur sehr schwierig in Blogkommentaren zu erörtern, weil die Gefahr besteht, dass wichtige Details unter den Tisch fallen.
Nach Ihren Schilderungen scheint aber das kirchenrechtliche Problem nicht in der fehelnden Taufe Ihres Mannes zu liegen, sondern in dessen gültiger Ehe aus Jugendtagen. Denn natürlich sind auch Ehen von Nichtkatholiken gültige Ehen, die kirchlich nicht geschieden werden können. Dadurch, dass diese alte Ehe rechtlich weiterbesteht, können Sie nicht kirchlich heiraten.
Mögliche Lösungen wären zum einen die Ehenichtigkeit feststellen zu lassen, falls es dafür Gründe gibt. Der Ausgang ist dabei ungewiss und hängt von den Gründen ab. Da Ihr Mann nicht getauft ist, wäre auch eine päpstliche Auflösung der Ehe möglich (privilegium paulinum). http://offizialat.bistum-eichstaett.de/eheverfahren/privilegium-petrinum/