Mittwoch, 23. Oktober 2013

How I Met Our Mother...

Lieber Jesus!

Seit ich ein Kind war, wußte ich, daß Du eine Mutter hast und daß sie "Maria" heißt. Ich wußte auch, daß Du einen Vater hast, aber diese Information war für mein Bubenhirn schwieriger zu verarbeiten, so von wegen "Josef" und "Gott Vater"...

Schon als ich ein Kind war, bemerkte ich, daß Menschen zu Deienr Mutter beten. Ich selbst habe als Kind eigentlich immer nur zum "Lieben Gott" gebetet. Erst, als ich das Jugendlichen-Alter erreichte, wurde ich da etwas kreativer und richtete mein Flehen oder Jauchzen auch mal direkt an Dich. Komischerweise betete ich aber nicht zu Maria.

Nicht, daß sie mir nicht geheuer war, oder daß ich mit ihr nichts anfangen konnte. Ich hatte damals einfach noch nicht richtig gelernt, daß es in der katholischen Kirche okay ist, sich auch mal an Heilige oder an die Mutter Gottes zu wenden. Wahrscheinlich liegt es daran, daß ich in einer Zeit aufwuchs, in der der Heiligen- und Marien-Kult nicht so hoch im Kurs stand. In der Schule wurden uns jedenfalls entsprechende Informationen und Gebete nicht mitgegeben, und in der Pfarrjugend ging es irgendwie immer eher darum, ob der Kaffee fair ist und der Strickpulli schlecht genug sitzt.

Jedenfalls lernte ich im Laufe der Jahre natürlich mehr und mehr über meinen Glauben. Ich betete sogar hin und wieder mal ein Ave Maria, aber ich rasselte es eher so runter und wußte im Grunde nicht genau, was ich da eigentlich tat.

Es gab dann irgendwann eine kirchenferne Zeit, während der ich allerding immer Dir, lieber Jesus, nahe zu bleiben versuchte. Und dann stelle sich halt irgendwann die innere Leere (um nicht zu sagen: der innere Schmerz) ein, der für mein Empfinden logischerweise früher oder später dort auftreten wird, wo ein Mensch Dir nahe sein will, Deiner Kirche aber fern ist. Also machte ich meinen Weg zurück, legte eine laaaaaaaange Beichte ab und mischte wieder mit.

Es begann so mein Weg ins Stift Klosterneuburg. Ein befreundeter Priester, der mich auf diesem Weg begleitete (Pfarrer Ansgar Cüppers, mein Primizprediger) schenkte mir im Jahre 2003 eine geschnitzte Marienfigur. Sie ist nicht kostbar, aber sie ist sehr schön. Maria kniet und hält Dich, Lieber Jesus, behutsam auf ihren Händen. Du hältst Deine Hände leicht empor. Sie sind ineinandergelegt. Dein lockenumwirbeltes Kinderköpfchen blickt zum Betrachter und Deine Miene ist dabei ebenso sanft und liebevoll und einladend und schön, wie die Miene Mariens, die auf Dich hinabblickt.

Als ich diese Figur zum ersten Mal in meinen Händen hielt, da traf ich Unsere Mutter!

Und nachdem ich diese Figur zum ersten Mal in den Händen gehalten hatte und der Blick der Mutter auf das Kind sich in mein Gedächtnis eingegraben hatte, war jedes meiner Gebete zur Seligen Gottesmutter voller Vertrauen und Liebe und Freude. Aus irgendeinem Grund hatte es bis zu meiner Begegnung mit dieser Schnitzfigur gedauert, bis ich erkennte, daß die Mutter meines Gottes auch meine Mutter ist.

Seit 10 Jahren besitze ich nun diese Figur und ich habe sie immer in Sicht- und Griffweite. Ich habe sie selten heulend umklammert, oft jauchzend abgeknutscht und immer bewundernd in den Händen gehalten.

Dank sei dem Künstler, der dieses Werk geschnitzt hat. Dank sei Maria, die Dich, lieber Jesus, so sehr liebte, daß ich es heute noch spüre. Dank sei Dir, daß Du Mensch wurdest und Dir eine von uns (wenn auch das Top-Modell) als Mama ausgesucht hast!

Kommentare:

Cassandra hat gesagt…

Ich war auf einer Frankreich-Tour mit einer Studienfreundin. Kirchen? Baugeschichtlich und kunsthistorisch interessant, also ein fester Stop bei jeder irgendwie im Reiseführer verzeichneten Kirche. Das verselbständigte sich irgendwie und wir steuerten jede Kirche an. Aber es blieb beim Kirchegucken, Gothik ist cool und französische Gothik ist sozusagen gothische Gothik.
Mit Kirche (außerhalb von stylischen Altbauten) konnten wir beide nichts anfangen. Mich hatten sie aus der evangelischen kirche rauskonfimiert und sie war nicht mal soweit gekommen weil der Reitunterricht mit dem Konfirmationsunterricht kollidierte.
"Gott und so"- ein leises Bedauern, daß ich nicht glaubte. Glauben ist nämlich so was wie die Haarfarbe, dachte ich. Man kann was vortäuschen, aber öndern kann man es nicht und vor allem ist das statisch- einmal nicht glauben ist immer nicht glauben.

Bis, ja bis ich dann in dieser Kirche stand.
Der Altarraum war mit samtigen Blau gestrichen und hatte goldene (ja, gold und nicht gelb, außerdem wurde grad restauriert) Sterne und ein Christus in byzantinischem Stil. Wir waren auseinandergewandert um dieses Gesamtkunstwerk einwirken zu lassen. Der Effekt war nämlich umwerfend und kein bißchen Kitsch.
Da stand sie. In der Ecke und auf Augenhöhe. Klein und weiß- Maria hielt das Kind halbverborgen in ihrem Mantel und beide guckten nicht mich an, sondern einander, das Kind nur ein bißchen hervorluckend.

Und in dem Moment begann meine Reise.

Anonym hat gesagt…

Sehr, sehr schön! Vielen Dank!
Jetzt wäre halt noch ein Foto der Figur eine super Sache!