Montag, 21. Oktober 2013

Eine der großen Krankheiten unserer Zeit:

Anderen, anonymen Menschen schon vorauseilend das Recht zuzusprechen, auf Biegen und Brechen wegen der haarsträubendsten Nichtigkeiten beleidigt sein zu dürfen...

In den USofA, genauer, in Colorado, hatte die an Krebs verstorbene Frau eines Pastors diesen Gestaltungswunsch für ihren Grabstein: Die Outline eines Fisches, in die das Wort "Jesus" eingraviert ist. Die Schwiegertochter bekam nach Vortragen des Wunsches vom Direktor des städtischen Friedhofs zur Antwort, daß der Fisch in Ordnung sei, daß aber "Jesus" leider nicht ginge, weil jemand sich beleidigt fühlen könnte: "Was würden sie denken, wenn jemand ein Hakenkreuz auf einen Grabstein gravieren ließe?"

Willkommen in der bis zur kompletten Selbstaufgabe verunsicherten, weichgespülten und verzärtelten westlichen Gesellschaft, die den Todesstoß natürlich nicht erhalten wird von Menschen, die durch den Namen "Jesus" wirklich beleidigt werden, sondern von solchen, die sich kaltlächelnd unsere Angst, Identitätslosigkeit und unsere Anbiederei zu Nutzen machen, indem sie auf Initiativen wie der des Friedhofdirektors hin vorgeben, durch den Namen "Jesus" beleidigt zu sein.

Noch aber ist es nicht soweit: Ein facebook-Shitstorm war genug, um einen Stadtangestellten dazu zu bewegen, den Friedhofsdirektor umzustimmen.

Kommentare:

kalliopevorleserin hat gesagt…

Falls ich jemals so etwas wie Ruhm ernten sollte mit meinen christlichen Gedichten, darf man auf meinen Grabstein nach dieser Logik auch nicht meinen Namen schreiben. Denn die Assoziation "Claudia Sperlich - Christin - Christentum - Inquisition und Hexenverbrennung" liegt ja auf der Hand. Und das könnte Leute beleidigen, verletzen, triggern, in den Selbstmord treiben oder so.

Martina Baro hat gesagt…

Päh!
Ich werde politisch unkorrekt meinen eigenen Tod sterben.

Anonym hat gesagt…

Facebook scheint also doch zu etwas gut zu sein.

Cassandra hat gesagt…

hmmm... wenn ich auf einem Grabstein ein Hakenkreuz sehen würde... da ich jetzt über die Frage nachgedacht habe, ist die Reaktion nicht mehr spontan, aber: ich denke, jemand, der ein Hakenkreuz auf dem Grabstein haben wollte, hat seinem Schöpfer was zu erklären und dabei will ich nicht stören.

Arminius hat gesagt…

Wenn man diesen Weg konsequent weitergeht, dann müssen die Amis auch Kreuze auf den Gräbern verbieten. Aber es gibt ja schon Alternativen.

De Benny hat gesagt…

Aber der Fisch ging in Ordnung? Weil keiner dieses Symbol als Christliches kennt? Oder wie?

Thema Hakenkreuz? Nach meiner INfo sind die in den USofA legal, nicht, daß ich das gut fände, aber von der Warte aus dürfte es da auch keine Probleme geben, gab's da nicht mal so nen Verfassungszusatz?