Freitag, 11. Oktober 2013

Die zwei Kirchen...

Unabhängig davon, wie die Geschichte um Bischof Tebartz-van Elst ausgehen wird, und unabhängig davon, wie viele Fehler/Lügen der Bischof sich nun letztlich wirklich wird vorwerfen lassen müssen, ist eines klar: Die Kirche wird sich für die Medien und den Großteil ihrer Konsumenten weiterhin (und nach dem Fall TvE vermutlich verstärkt) in "Gut" und "Böse" unterteilen lassen.

Tragisch ist, daß die Pakete selbstverständlich falsch geschnürt sind:

Die "Böse Kirche" ist die Kirche, die an der göttlichen Offenbarung und der katholischen Lehre festhält und dies auch kommuniziert. Es ist die Kirche deren Bischöfe und Priester äußerlich als solche zu erkennen sind. Es ist die Kirche, deren Liturgie zur Ehre Gottes schön und feierlich gestaltet wird. Es ist die Kirche, die Gesellschaft und Individuen immer wieder an ihre Pflichten gegenüber der Würde und dem Leben des Menschen erinnert. Es ist die Kirche, die auch unter schwierigsten Bedingungen immer versuchen wird, die Leute für Christus zu gewinnen und ihre Seelen zu retten. Es ist die Kirche, die jede Situation sowohl mit Barmherzigkeit als auch mit Wahrhaftigkeit betrachten will. Es ist die Kirche, die Christus und nicht den Menschen in den Mittelpunkt stellt.

Die "Gute Kirche" ist die Kirche, die man nicht sieht und nicht hört, es sei denn, aus ihrer Richtung kommt etwas, das den Bauch pinselt oder politisch korrekt bzw sozialromantisch genug ist. Es ist die Kirche, deren Vertreter sich mit ihren Aussagen nach den Bedürfnissen und Befindlichkeiten der Welt richten. Es ist die Kirche, die nicht mit christlichen Geboten nervt, sondern sich darauf verläßt, daß jeder Gläubige - nein - jeder Mensch sich mit seinem Gewissen schon irgendwie bestens arrangieren wird. Es ist die Kirche, die spurt, wenn es darum geht, sich um die Armen und Entrechteten zu kümmern, damit die Neidapostel und Moralwächter es nicht tun müssen und somit weiterhin die Zeit und die Energie haben, wortreich und tatenarm zu klären, ob irgendwo ein Priester mit einem Meßkelch zelebriert, der nicht 30,- sondern 300,- Euro gekostet hat. Es ist die Kirche, die den Schwanz einzieht, wenn es darum geht, sich um die Seelen zu kümmern, damit die Sichselbsterlöser und Imwaldmitgottredner nicht in ihren sorgsam geplanten und dann doch nur einen "Lebensabschnitt" dauernden Projekten gestört werden. Es ist die Kirche, die den Menschen und nicht Christus in den Mittelpunkt stellt.

Kommentare:

Cicero hat gesagt…

Kein Problem damit.

Ich würde nur gerne sicherstellen können, daß ich meine Kirchensteuer an Kirche A) zahle und auch einen Priester von Kirche A) in meiner Pfarrei vorfände.

Monika hat gesagt…

Nur weil die Feinde Unrecht haben, hat man nicht recht. Die oben ironisch so genannte "böse Kirche" ist nicht automatisch die wirklich gute Kirche. Aber ich rede gegen Mauern. Und es hilft mir nicht mal was, daß ich den Papst auf meiner Seite habe.

Das erstaunt mich nun wirklich. Selbst der Papst ist nur zur Bestätigung des Weltbildes da. Sobald er ausbricht, ist halt er ... naja, ich weiß nicht, ob nicht ganz ernst zu nehmen. Auf jeden Fall hören wir nur wieder auf ihn wenn er Ex Cathedra spricht.

der Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden

Ich wünsche Ihnen, lieber Herr Alipius, ein schönes Wochenende.

schlafmütze :-) hat gesagt…

Hallo
Die Kirche, die Christus in den Mittelpunkt stellt. Ja, das wäre meine Kirche. Aber sie wendet sich von den Menschen ab, wenn sie nicht perfekt sind, schließt sie aus, bestraft sie. Wie kann sie das tun? Das würde Christus auch nicht tun.
Grüßli

Alipius hat gesagt…

@ Monika: Es geht nicht um "Recht haben" sondern um die göttliche Wahrheit. Ansonsten habe ich - ehrlich gesagt - nicht mal den Anflug einer Ahnung, was genau Sie mit Ihrem Kommentar im Bezug auf mein Posting eigentlich sagen wollen (hoffnungsvoll annehmend, daß Sie nicht wirklich der Kirche den Vorzug geben wollen, die nicht Christus, sondern den Menschen in den Mittelpunkt stellt).

@ Schlafmütze: Die Kirche gibt jedem Menschen immer und überall die Möglichkeit zur Umkehr, weil Jesus jedem Menschen immer und überall diese Möglichkeit gegeben hat. Aber diese Umkehr kann natürlich nur im Rahmen dessen geschehen, was die Kirche als von Christus geoffenbarte göttliche Offenbarung glaubt. Im übrigen: "Wer nicht in mir bleibt, wird wie die Rebe weggeworfen und er verdorrt. Man sammelt die Reben, wirft sie ins Feuer und sie verbrennen." (Johannes 15,6). Wenn das kein bestrafen ist, dann weiß ich's auch nicht.

Martina Baro hat gesagt…

Interessant.
Auch so kann man Spreu von Weizen trennen sowie Schafe von Böcken scheiden.
Blöd, wenn sich die Wirklichkeit nicht so sauber und ordentlich eingruppieren lässt.

Und dann?

Anonym hat gesagt…

Dieses Aburteilen und Lagerdenken, das sich an Details festmacht, immer wieder...ich halte das nicht für redlich. Da die Guten, dort die Bösen, wer ein soziales Thema besetzt und auch nur einen Zentimeter von der Lehrmeinung Benedict XVI. abweicht, ist autmatisch ein Böser, wer einen barocken Kelch mit dem Anschein von Feierlichkeit hochhebt und keine handgewebte Stola aus den 60ern trägt ist automatisch ein Guter.
Das ist mir zu einfach gestrickt und bleibt mir zu sehr an der Oberfläche.

Alipius hat gesagt…

@ alle: OMG! Leute! Es ist aber schon klar, daß ich hier die "zwei Kirchen" aus Sicht der Medien und ihrer Konsumenten beschrieben habe, oder?

Überraschung: OBWOHL ich seit mittlerweile fast zehn Jahren im Gewerbe bin und auch schon vorher nicht wenig Berührungspunkte zu nicht wenigen Katholiken hatte, ist es mir TROTZDEM nicht entgangen, daß die Kirche komplexer ist, als eben jene Medien es uns glauben machen wollen. Jeder, der meint, ich wollte mit diesem Artikel besagen, daß nur exakt die von den Medien für Böse gehaltene Kirche die Gute sein kann, ist schon in die Falle getappt, in der er/sie verrät, wie sehr er/sie selbst dem in den Medien vorherrschenden Lagerdenken verfallen ist.

Denke ich wirklich, daß ein Priester, der soziale Themen behandlt, nicht mit Barockkelch zelebriert und eine billige Polyesterkasel trägt, ein nachlässiger Häretiker ist? Oder denkt Ihr, daß es sicherer ist, erst einmal Entrüstung auzufahren und dann die eigene Vorstellungskraft bzgl meiner Intention zu bemühen?

Gerd F. hat gesagt…

Ich für meinen Teil glaube, dass eine gute Kirche die ist, die im verborgenen sät und ihre guten Taten nicht vor sich her posaunt. Denn Gott, der das verborgene sieht, wird es ihr vergelten. Was in den Medien von der Kirche gemeldet wird, macht sie weder gut noch schlecht, sondern "verschwendet" oft nur Worte. Mein erster Kontakt zu einer guten Kirche, war meine Mutter, die mit uns Kindern das Beten praktiziert hat. Davon habe ich noch nie etwas in irgendwelchen Medien gelesen oder gehört.

Alipius hat gesagt…

@ Gerd F.: Ja, das ist für die Medien wenig interessant. Es gibt aber auch leider immer weniger Eltern, die ihren Kindern noch die grundlegendsten Gebete beibringen.

Monika hat gesagt…

@alipius - ja, als ich den Rechner schon runtergerfahren hatte, ist mir aufgefallen, daß ich beim Schreiben die Hälfte der Argumentation als offensichtlich eingeschätzt hatte, was sie nun aber gar nicht ist.

Also, ich wollte sagen, daß nur weil die von Ihnen (ironisch) gute Kirche genannte Kirche, nicht die wirklich gute Kirche ist - auch meine Meinung -, ist die dazu im Gegensatz dargestellte Alternative nicht automatisch die wirklich gute Kirche.

Die Europäer denken zu viel. Mit dem Kopf und nicht mit dem Herzen. Nein ( ich mach hier mal persönliches Brainstorming, ich weiß nicht was dabei rauskommt) - sie denken nicht zu viel mit dem Kopf, das ist nicht das Problem, sie denken zu leise mit dem Herzen.

Wenn man jemanden liebt, und ich persönlich liebe mein eigenes Herz sehr. Das Herz ändert sich nicht, wenn man älter wird. Es ist immer noch betrübt über Not, entsetzt über ... - und auch immer noch froh über ... - egal was, in Einzelheiten vielleicht verschieden bei den Menschen, im Wesentlichen gleich - vermute ich.

Ja, aber das Herz ist dumm.

Du kannst es nicht allen recht machen, du kannst nicht jedem helfen, du mußt auch mal an dich denken, nur wenn du bei Kräften bist, kannst du für andere hilfreich sein, die Armut in Afrika ist hausgemacht, wenn wir die Flüchtlinge mit offenen Armen empfangen kommen sie zu Millionen. Es wäre besser, sie hätten ein prosperierendes Afrika.

Der Verstand ist so klug und das Herz ist dumm.

Gegen keines der obigen Verstandesargumente könnte ich etwas dagegen stellen. Ich halte sie alle für richtig. Es sind meine Behauptungen und ich stehe dazu. Ich werde meinem Verstand nicht Grenzen setzen. Ich liebe die Freiheit meiner Gedanken. (Damit ich nicht falsch verstanden werde, das ist mein Ernst, keine Ironie).

Das Herz ist nicht klug und nicht dumm. Dumm und klug sind keine Kategorien des Herzens.

Wenn man jemanden liebt also - ich seh gern amerikanische Krimiserien. Ein Cold Case: Ein ganz besonders dickes junges Mädchen wird auf eine UniParty von Juppies, von den Angesagten eingeladen. Der Vater sagt ihr noch beim Abschied, wie schön sie aussieht. (Sie wird mit ihrer ebenfalls dicken Freundin böse verhöhnt, sie wurden nur eingeladen, damit man sich über sie in Spott ausgiesen kann. Die Freundin legt aus Rache Feuer. Sie ist von den Studenten in einem Raum eingeschlossen, sie kann nicht entkommen.)

Letzthin habe ich diese Folge zum zweiten Mal gesehen. Beim ersten Mal fragte ich mich ziemlich entsetzt, ob der Vater nicht unverantwortlich handelte als er seiner Tochter sagte, sie sei schön und werde viel Freudae auf der Party haben. Wäre es nicht seine Elternpflicht gewesen, sie darauf hinzuweisen und auch darauf hinzuwirken, daß sie abnimmt und insgesamt normenkonformer aussieht? Aber der Vater in diesem Film hat nicht gelogen, er fand seine Tochter schön. Er liebte sie. Er hat es nicht als Wesentlich gesehen, daß sie dick ist.

Ich fürchte, Herr Alipius, Sie werden sich jetzt gleich genötigt fühlen mir mitzuteilen, daß Sie dicke Menschen genauso schätzen wie dünne - weil das einfach kein Beurteilungskriterium für Sie ist. Ich schreibe grade nicht persönlich. (Fortsetzung im nächsten Kommentar)

Monika hat gesagt…





Der Verstand ist dazu da, Probleme zu lösen. Er könnte der Diener des Herzens sein. Er schützt das Herz, indem er es mahnt, leise zu sein. Er schützt auch sich damit, denn für das, was das Herz will, hat er keine Lösung. Er kann das Problem nicht lösen. Also will er es nicht hören. Der Verstand mag nicht an sich selbst zweifeln. Das Herz zweifelt nie.

Das Herz muß wieder laut werden. In meinen Augen ist Papst Franziskus das laut gewordene Herz der katholischen Kirche. Es gibt keine Lösung, es gibt keine Lösung. So kann man das nicht machen. Schweig still, mein Herz. Die Probleme sind komplexer, als du sie dir vorstellen kannst.

Der Vater in dem Film war dumm, meiner Meinung nach. Er kann das Herz nicht einfach alleine losrennen lassen. Es könnte Schaden nehmen, es gibt so viele Gefahren.

Wir sind super klug. Wir können wirklich gut bedenken, analysieren, abwägen. Das ist gut. Das sollten wir nicht aufgeben. Wir sollten unser Herz lauter und lauter sprechen lassen. Wir sollten ihm zu hören, es ernst nehmen. Es ist das beste an uns. Es ist das, was an uns liebenswert ist.

Wenn wir jemand lieben, ein Kind zum Beispiel, das sonderbare Wünsche formuliert, und wir lieben es wirklich, dann suchen wir danach, dem Kind, den Wunsch zu erfüllen, oder einen ähnlichen oder etwas anderes, was das Kind genauso glücklich macht.
Selbst, wenn wir den Wunsch komplett nicht erfüllen könnten, würden wir vorsichtig, bedauernd und Würde bewahrend sprechen. Wir nehmen den Wunsch des Kindes ernst und wir würden ihm niemals sagen. "Das geht nicht. Du bist noch zu klein, du verstehst das nicht." Wir bewahren den Wunsch in unseren Gedanken und daraus können über die Jahre immer wieder kleine Geschenke erfolgen.

Wir Europäer glauben, daß ein Problem gelöst werden muß. 300 und jetzt wohl nochmal 200 ertrunkene Flüchtlinge sind kein Problem. Ich meine das Ernst - es sind 500 gestorbene Menschen. Dem Papst sein Vorschlag ist meiner Meinung nach ein Weg in noch größeres Unglück. (Ich weiß, daß ich hier nicht unter einen Blogbeitrag zu Lampedusa schreibe - ich versuche etwas Grundsätzliches damit zu formulieren)

Was sagt das Herz dazu? Es sollte laut laut seinen Wunsch äußern, daß das nicht passieren sollte. Das Herz fordert nicht. Das denkt nur der ängstliche Verstand. Wenn das Herz was will, muß man das nicht erfüllen. Es soll laut sein. Es soll gehört werden. Man muß den Widerspruch erleben. Man muß in ihm leben. Man muß nichts tun, solange man weiß, daß es unklug ist. Wenn man mit dem unerfüllten Wunsch eines geliebten (Herzens, Menschens, ...) lebt, ist der Verstand immer am arbeiten, er sucht eine Lösung. Man darf das Herz nicht zum Schweigen bringen, nicht mal "sprich leise" soll man zu ihm sagen. Was willst du, mein Herz, ich höre dich

So, und was hat das jetzt nun mit der guten und der bösen Kirche zu tun? In beiden Alternativen fehlt das Herz. Wir in Europa können mit der Trauer, daß wir nicht alles gut machen können, nicht leben. Darum schauen wir weg.

FarimX hat gesagt…

Die "gute Kirche" ist die linke Kirche

Und hier wir schon an einem Problem angekommen - denn die Medien sind fast überwiegend links. Rund 75% der deutschen Journalisten stehen rot-grün nahe, und die restlichen 25% sind deshalb noch lange nicht sonderlich konservativ.

Selbst die wenigen nicht-eindeutig linken Medien sind mit der CDU, der sie nahe steten, zumindest kulturell links gewandert.