Samstag, 5. Oktober 2013

Die Zeit und warum sie nicht drückt...

Eine Sache, die mich immer wieder verwirrt:

Wir leben ja heute in einer Zeit, in der "Vielfalt", "Verschiedenartigkeit" und "Multikulturalität" drei der Zauberworte sind. Ich weiß nicht, ob hier die USofA mit ihrer "Diversity" mal wieder Vorreiter waren. Ich weiß aber, daß eine der Übersetzungen von "Diversity" natürlich "Unterschiedlichkeit" lautet.

Wir preisen also das Vorhandensein denkbar vieler Ausdrucksformen, Kulturen, Möglichkeiten und Unterschiede. Wenn man dann aber mal hingeht und auf Unterschiede hinweist, z.B. auf den Unterschied zwischen Mann und Frau oder den Unterschied zwischen einer Ehe und einer Partnerschaft zwischen zwei Menschen gleichen Geschlechts, dann wird man komischerweise überhaupt nicht abgefeiert sondern in die fiese Diskriminierungs-Ecke gedrückt, eine Ecke, die selbstverständlich nicht automatisch fies sein muß, bedeutet Dikriminierung schließlich nicht nur eine gruppenspezifische Benachteiligung von Menschen sondern auch eine simple Unterscheidung. Wenn ich Zahnärzte und Urologen aufgrund der ihnen eigenen Merkmale voneinander unterscheide und danach auch der Situation entsprechend unterschiedlich bevorzuge, dann wird kaum jemand behaupten, daß ich irgendwen benachteilige, sondern man wird mich wegen meiner weißhaarigen, langbärtigen und auf dem kargen Berggipfel sitzenden Weisheit loben, daß ich bei Zahnfleischentzündung den richtigen Arzt aufsuche. Wenn ich aber darauf hinweise, daß "Frau + Mann + Kind = Familie" aber "Mann + Mann + Kind = irgendwie komisches Konstrukt" bzw "Mann + Frau + Mann + Kind + Kind + Frau + Kind + Mann + Frau + Kind = irgendwie noch komischeres Konstrukt", dann fliegen gleich die Fetzen.

Also wie jetzt? Unterschiede, ja bitte. Aber nur, wenn wir uns vorher darauf einigen können, daß bestimmte ungleiche Dinge trotzdem gleich behandelt werden und sie sich somit eigentlich gar nicht voneinander unterscheiden bzw sich nicht voneinander unterscheiden dürfen?

Schlimmer noch: Immer wieder höre oder lese ich den Satz, daß eine Sache X so gestaltet werden muß, daß sie "in die heutige Zeit" paßt. Das geht los beim Design von Automobilen, zieht sich über Fernsehformate und Kochrezepte und endet bei der Kirche. Alles muß genau so hergerichtet, zurechtgebastelt und umgeformt werden, daß es "in die heutige Zeit" paßt. Problem: Wenn eine Sache irgendwo hineinpassen muß, dann geht es doch eigentlich darum, daß man von ihr etwas wegnimmt, damit sie letztlich paßt. Sei es nun der Bauch in die Hose oder die Kachel in das letzte Stück zu belegenden Bodens oder die Frühstückspausen-Stulle in die Tupperwarebox.

Wir wollen also möglichst viel Vielfalt. Und um die zu erreichen schnipseln wir alles so zurecht, daß es in eine "Zeit" und in deren von uns vordefinierte Anforderungen hineinpaßt?

Satan ist der Fürst der Welt. Gott ist der Herr der Zeit. Wer da zweifelt, daß die Zeit groß genug ist, um wirklich eine Vielfalt auszuhalten, die mehr zuläßt, als das, was Interessengruppen, Lobbyisten und Diesseits-Leichen und glauben machen wollen, der wird wohl leider sein Leben verschwenden, indem er vor der Welt und ihrem Fürsten kotaut und versucht, "in die Zeit zu passen" (was nichts anderes bedeutet, als sich für die Bedürfnisse der Welt zurechtbiegen zu lassen), anstatt sich einfach in die Zeit hineinzubegeben, sie auszukundschaften, sie mit dem zu bereichern, was man eben so mitbringt und dadurch die Vielfalt zu erhöhen.

Ich will nicht in irgendeine Zeit hineinpassen, und ich muß es auch nicht. Ich muß mich nicht zusammenfalten, zurechtstutzen und kleiner machen lassen, um aufgehen zu können in der unendlichen Weite der Vergangenheit und Zukunft, in der wunderbaren Vielfalt der Schöpfung, in den kleinen und großen Überraschungen meines Lebens und in den Myriaden von Möglichkeiten, die der Herrgott mit gibt.

Und die einzige Anforderung, die ich an eine Sache stelle, ist, daß sie in mehr hineinpaßt als "in die heutige Zeit" (also in Satans Welt), nämlich in SEine Zeit.

1 Kommentar:

Jürgen Niebecker hat gesagt…

„Diversity“ war gestern – Jetzt gibt es was Neues, wie ich heute lesen konnte. Das neue Zauberwort ist wohl Polysexual.

Jedenfalls wird damit für eine Veranstaltung/Party in Hannover geworben. Das liest sich dann so:
------
»Die Grenzen verschwimmen zunehmend und Zeiten wandeln sich. Nur gefeiert wird noch unter sich. Gays & friends sollte irgendwann der Vergangenheit angehören können, sexuelle Präferenz in den Hintergrund geraten. Unter dieser Idee haben sich Schwule und Lesben zusammengetan, um gemeinsam eine neue queere Partyreihe zu starten. Schwul? Lesbisch? Hetero? Trans? Raus aus den gewohnten Normen! The next big thing is POLYSEXUAL!«
------

Also soll alles irgendwie zwar nicht gleich sein, aber doch auch nicht verschieden und überhaupt… wir brauchen ein neues Wort!

Der Spuk wird aber wohl auch wieder irgendwann vergehen. Vor einigen Jahren gab es das Schlagwort „Meterosexuell“ über das heute keiner mehr ein Wort verliert. Schlagwörter kommen und gehen.

Gefährlich sind keine Schlagwörter, sondern Ideen. Einmal in der Welt, wird man sie nicht mehr los.
Und da bleibt abzuwarten, was noch alles auf uns zu kommt.