Sonntag, 13. Oktober 2013

Der Fall TvE/Limburg: Was geht und was nicht geht...

Wir erinern uns alle an meine leicht flapsig und übersteuert dargestellen "zwei Kirchen", wie sie bei den Medien und einem Großteil ihrer Konsumenten existieren.

Was man hier nicht vergessen sollte, ist dieses: Natürlich gibt es Bischöfe, die bei den Medien beliebt sind und solche, die es nicht sind. Natürlich werden diese Bischöfe von unterschiedlichen Medien unterschiedlich behandelt. Natürlich gibt es bestimmte Interessengruppen, die gegen bestimmte Bischöfe Stimmung machen und solche, die für bestimmte Bischöfe in die Bresche springen. Dem Einen ist der Herr Bischof von XYZhausen nicht katholisch genug, dem Anderen ist der Herr Bischof von ABCingen zu katholisch. Dann wartet der Eine darauf, daß der Herr Bischof von XYZhausen mal wieder etwas total Unkatholisches macht und jubiliert, weil sein ohnehin schon matter Eindruck von diesem umweltschützenden Sünderversteher bestätigt wurde. Und der Andere wartet darauf, daß der Herr Bischof von ABCingen mal wieder etwas unerhört Katholisches von sich gibt und jauchzt, weil sein ohenhin schon matter Eindruck von diesem konzilsverweigernden Dunkelkatholiken bestätig wurde.

Das Problem: So funktioniert eine saubere Auflösung einer Geschichte wie der Causa Limburg nicht. Man kann den Herrn Bischof von Limburg mögen oder nicht. Mann kann sich aber nicht die Wirklichkeit so zurechtbiegen, daß sie diesen persönlichen Eindruck, den man vom Bischof von Limburg hat, schützt. Nur, weil Bischof Tebartz-van Elst von bestimmten Leuten gemocht und von bestimmten anderen Leuten nicht gemocht wird, heißt das nicht, daß er automatisch die Schuld an all den Dingen trägt, die nun ausgekramt werden. Es heißt allerdings auch nicht, daß er ein unbeflecktes Lamm ist, dem man nun ans Fell will. Die Realität spielt sich bei solchen Geschichten immer jenseits unserer persönlichen Wertung und dem vermeintlichen oder tatsächlichen Katholisch-Sein der betreffenden Person ab.

Kurz: Es ist einfach unklug, zu sagen "Tebarz-van Elst ist superkatholisch und außerdem papsttreu. Also kann es nicht sein, daß er auch nur das geringste Bißchen Dreck am Stecken hat". Es ist ebenso unklug, zu sagen "Tebartz-van Elst ist superkatholisch und außerdem papsttreu. Also stimmt alles, was man an Schlechtem über ihn sagt".

Sicher ist die Art und Weise, wie in den Medien in der letzten Zeit oft höhnisch und herablassend und vorurteilsbelastet über den Bischof von Limburg berichtet wurde, schwer zu verdauen, egal, ob und wieviel Schuld diesen Mann trifft. Ich gebe nur zu gerne zu, daß man als Bischof - und über die Berichterstattungs-Bande gespielt auch als Katholik - hier ein wenig von der Gnade der Medien abhängig ist, bei denen ich mir durchaus und ernsthaft vorstellen kann, daß sie beim Einen ein wenig genauer hinschauen als beim Anderen bzw beim Einen schwerere Wortgeschütze auffahren als beim Anderen.

Wir müssen hier aber sauber trennen zwischen der Art und Weise, wie die Medien berichten und dem, was nach Abzug des Schadenfreude-Schaumes vor dem Mund in den Berichten noch an Inhalt bleibt. Und diesen Inhalt müssen wir prüfen bzw, wenn wir ihn nicht selbst prüfen können, prüfen und kären lassen.

Eine Anklage gegen einen Bischof ist für uns als Katholiken immer eine schwerwiegende und ernste Sache, unabhängig davon, wer dieser Bischof ist. Egal, wie schwer nun diese Anklage wiegt und egal, wie viele Hinweise es gibt, daß an der Anklage etwas dran sein könnte: Niemand gewinnt dadurch, daß wir schon den Freifahrtschein oder die Verdammungsurkunde ausstellen, bevor wir einen guten Überblick* haben, bevor die Fakten auf dem Tisch sind und bevor die Sache geklärt ist.

Ich möchte daher hier auch gar nicht Partei ergreifen oder ein Urteil fällen, sondern nur davor warnen, daß wir in eine Jubelalraunen-Blindheit verfallen könnten, die jener Haudraufbisersichnichtmehrbewegt-Blindheit gleicht, welche die Medien nicht selten an den Tag legen, wenn es um ihnen nicht genehme Vertreter der Kirche geht.
__________

* Wer ein wenig mehr Überblick will, der findet eine vom Limburger Dombaumeister vorgelegte Akte auf faz.net "in erheblichen Teilen dokumentiert".

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ich habe gestern Abend die Kommentare bei tagesschau.de und Co. gelesen. Es ist nicht zu glauben, wieviel Hass, Schadensfreude und Missgunst hier nicht nur gegen den Limburger Bischof sondern auch gegen die Katholische Kirche zu finden ist.
Ich glaube, wie der Fortgang mit dem Bischof ist,ist das eine, so oder so. Die Stimmung gegenüber dem katholischen Glauben wird aber bleiben, und wer weiß, wohin sie noch führt.
Ich weiß nicht "hoc autem genus non eicitur nisi per orationem et ieiunium", sollten wir uns langsam darum ersthaft Sorgen machen und damit anfangen?
Liebe Grüße
Uli

Benni hat gesagt…

Krass auf den Punkt gebracht. Ich muss meinen Respekt zollen, da ich in deinem/Ihrem Blog nicht mit einem solchen Beitrag gerechnet hätte, zumal als ersten in den ausgerufenen "Los Wochos". Die "Blogoziöse" (ich hoff, dass war richtig geschrieben) verteidigt einfach gern, manchmal reflexartig, in den Medien angegriffene katholische Kirchenführer. Meist nachvollziehbar, seltener differenziert, so meine Wahrnehmung. Dank deinem/ Ihrem Beitrag freue ich mich auf die Los Wochos und werde sie gespannt verfolgen.
Gruß!

Matthias hat gesagt…

FAZ: "Die „Umplanungen“ sind durchweg Abrissarbeiten und Neubauten in bereits vollendeten Bauabschnitten. Weil dem Bischof mal dies, mal das nicht gefiel." Bauexperten vor: ich verstehe die Akte nicht. Von Abriß keine Rede, von Gefallen auch nicht. Einzig die Verlegung der Garderobe unter die Treppe konnte ich als seinen Wunsch ausmachen. Wie komme ich zur Schlussfolgerung der FAZ?

Anonym hat gesagt…

@Matthias: Deine Schluss-Frage erinnert mich an mein Dilemma bei den Mathematik-Aufgaben in der Schule (lang, lang ist's her): Gegeben war die Angabe "A" im Mathe-Buch sowie weiters die Lösung "B" der Aufgabe im Lösungs-Heft. Was mir noch fehlte, war die "Reiseroute", nämlich genau, wie Du fragst: Wie komme ich von A nach B? Und, leider aktueller, wie leite ich Äpfel, Birnen und Powidl von B ab?

Zwetschgenkrampus

Alipius hat gesagt…

@ Mtthias: Die kurzen Texte, welche auf der FAZ-Seite die verschiedenen pdf-Dokumente anteasen, sind unter aller Sau und dienen nur dazu, das negative Bild schon vorzeitig zu verfestigen.

Dennoch lohnt sich ein Blick in die Zahlen. Ich frage mich z.B schon, wie die Kosten für die Bischofswohnung von 500.000 € (grober Kostenrahmen für die "Wohnräume für den Bischof") auf 3 Mio € (vorläfige Kostenfeststellung für einen "Neubau einer Wohnung für den Bischof") hochschnellen konnten.

Einige Umbauten wurden zum Teil offenbar auch veranlßt, weil Schäden aus alten, aber unsachgemäß vorgenommenen Renovierungsarbeiten offensichtlich wurden. Das einfach mit "Das hat dem Herrn Fürstbischof so aber nicht gefallen" abzutun, wie es die FAZ macht, das ist billig und unterste Schublade.

Alipius hat gesagt…

@ Benni: Die "Wochos" in der Blogoezese sollen aber - wenn ich es richtig verstanden habe - nicht unmittelbar mit dem Fall TvE zu tun haben, sondern einfach nur ein wenig pompiges, katholisches Augenfutter aus vergangenen Zeiten liefern. Ansonsten: Danke!

Anonym hat gesagt…

"Medienkampagnen laufen ins Leere, wenn da nichts ist" sagte Kardinal Marx und da hat er recht. Im Fall Limburg liegt es eben nur zum Teil daran, dass sich die Medien auf einen unliebsamen Bischof eingeschossen haben, der extrem ungeschickt agiert und so ein bequemes Opfer ist, sondern eben auch daran, dass es echte Ungereimtheiten gibt:

1. Die Kostensteigerung, die nicht ordentlich kommuniziert wurde. Hauptursache ist wohl, dass ursprünglich ein viel kleinerer Komplex geplant war, als dann endgültig gebaut wurde. Die Kosten erscheinen nicht exorbitant übertrieben, wenn man sich anschaut, welche Fläche überbaut wurde und dass zwei denkmalgeschützte Häuser und zwei denkmalgeschützte Mauern einbezogen wurden.

2. Die offenkundigen Verstöße gegen klare Rechtsnormen: Die FAZ legt ja heute nach und nun beginnt auch klar zu werden, wer im Umfeld des Bischofs noch versagt hat bzw. hier ungute Spielchen mitgespielt hat. Die Vorwürfe gegen den Bischof, seinen Generalvikar und das Aufsichtsgremium wiegen schwer und scheinen auch plausibel zu sein.