Mittwoch, 16. Oktober 2013

Andreas Püttmann...

... brät den Medien eins über:
    Es ist allerdings nicht nur den Medien anzulasten, dass aus der Affäre eine monatelange Hängepartie geworden ist, die Kirche und Caritas immensen Schaden zufügte. Mitverantwortung trägt auch ihr Unterstützermilieu: paradoxerweise meist rigorose Verfechter eines Kommentarbereichs- und WisiKi-Moralismus, denen aber im geistigen Gefängnis ihrer Parteilichkeit, Selbstreferenzialität und Lagermilitanz die normativen Sicherungen durchbrannten. Ihre Devise: „Right or wrong – not my bishop!“

    Im Arsenal ihres Angriffskampfes stößt man auf: Ignoranz gegenüber nicht erhärteten Indizien, Ablenkungsmanöver („Komm, wir bauen diese Bild von TvE im schnittigen BMW mit ein, auch wenn's gar nicht seiner ist“), Diskreditierung von Kritikern („sittenstrenge Verfechter eines konservativen Ordo-Katholizismus“), vor allem aber Kirchenschelte und Verweise auf bischöfliche Fehlleistungen, die es tatsächlich auch hier wieder gab.
Ätsch! Reingefallen!

Okay, zurück zum Ernst der Lage: Diese leicht überspitzte Umdichtung eines leicht überspitzten Kommentars soll nur als Erinnerung daran dienen, daß es gefährlich ist, in Fällen wie dem des Bischofs von Limburg, sich von Sympathie, Bauchgefühl und Groll auf die vermeintlichen Gegner leiten zu lassen.

Wir sollten uns als Katholiken einfach auf die Wahrheit verlassen, unabhängig davon, ob wir nun ein paar Wochen auf sie warten müssen und unabhängig davon, ob sie letztlich schmerzhaft sein wird. Nüchtern läßt sich immer noch am einfachsten herausfinden, welche Anschuldigungen gegen den Bischof haltbar sind bzw welche Vorwürfe gegen die Medien sich als realitätsnah erweisen.

Was gegenseitige, in Richtung ad hominem gehende Anschuldigungen zur Wahrheitsfindung im konkreten Fall beitragen sollen, ist mit schleierhaft. Was mir nicht schleierhaft ist, ist der Grad, in dem auf faulen Prämissen basierende "Argumente" jetzt schon im Hinblick auf künftige ähnliche Fälle die Fronten verhärten.

Um's etas zu vereinfachen, folgen hier vier Aussagen, die schlicht und einfach nicht stimmen:
  1. "Bischof TvE ist gut katholisch und Nachfolger eines sozialistischen Hippies. Er kann daher nur unschuldig sein!"
  2. "Bischof TvE ist ein frömmelnder Dunkelkatholik und Nachfolger eines volksnahen, demütigen, barmherzigen Hirten! Er kann daher nur schuldig sein!"
  3. "Die Medien wollen nicht nur TvE sondern die ganze Kirche zerstören! Daher lügen sie mit jedem Wort!"
  4. "Die Medien wollen nicht nur Limburg, sondern die ganze Welt zu einem besseren Ort machen! Daher sagen sie immer die Wahrheit!"
Man sieht jetzt schon: Bei den festgefahrenen Fronten geht es eigentlich schon gar nicht mehr darum, wer wann welche Fakten auf den Tisch legt, sondern eher darum, wer letztlich in seinem Drang, sein Ziel zu erreichen, schon vor Bekanntwerden aller Tatsachen und Umstände am tiefsten zu sinken bereit ist. Daß die Medien im zweifelsfall aufgrund ihrer Fähigkeit, Meinung zu machen, hier gegenüber Verteidigern des Bischofs die größere Macht besitzen, halte ich für plausibel. Aber erstens bedeutet mehr Macht auch mehr Verantwortung und zweitens sollten wir als Katholiken durchaus dort für einen Bischof in die Bresche springen, wo es ganz klar notwendig ist (im Falle TvE also dort, wo bestimmte Medien bestimmte Meme lostreten, die geschmacksmäßig verbesserungswürdig sind), sollten aber nicht wie auf Knopfdruck pauschal alle Medien über einen Kamm scheren, die sich an einer Aufklärungs-Schnitzeljagd beteiligen oder durch investigatives Vorgehen eine solche Schnitzeljagd lostreten.

Wenn es heißt "Die Wahrheit wird euch frei machen", dann kann man das vielleicht auch so verstehen, daß schon alleine das Vertrauen auf das Existieren einer Wahrheit uns immerhin einen Teil jener Fesseln nimmt, die uns zurückhalten und uns nicht gestatten, eine Sache aus mehreren Blickwinkeln zu betrachten.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Leider zeigt die ganze Sache, dass wir ohne professionelle Medienarbeit und Vermögensräte immer in so eine Lage geraten werden. Es ist ein Jammer, wer da aller aufeinander einschlägt "..seht wie sie einander lieben..".
Die Lehren, die wir daraus ziehen müssen: besetzt die Vermögensräte mit Profis und macht den Bischof dem Vermögensrat gegenüber verantwortlich. Dafür muss es eine Instanz in Rom geben, die auch wiederum aus Experten besteht (und das bedeutet: keine Kleriker!) Und professionalisiert _endlich_ die Medienarbeit.