Donnerstag, 10. Oktober 2013

Ach so...

In diesem Morgenmagazin-Interview der ARD sagt die neue Fraktionschefin der Grünen Göring–Eckhardt laut der Achse des Guten, die dankbarerweise mitgeschrieben hat:
    "Es geht einerseits darum, sind wir ein Land, was für Migrantinnen und Migranten offen ist, was Leute anzieht. Die wir übrigens dringend brauchen. Nicht nur die Fachkräfte, sondern weil wir, weil wir auch Menschen hier brauchen, äh die äh in unseren Sozialsystemen zu Hause sind und sich auch zu Hause fühlen können."
Ebenfalls bei der Achse des Guten findet man den entsprechenden Handfläche -> Stirne-Kommentar.

Was nicht wir, sondern was die Welt braucht, sind Menschen, die in ihren Heimatländern zu Hause sind und sich dort auch zu Hause fühlen können. Ich finde es zynisch, einfach nur den Flüchtlingsströmen zuzuschauen und in der öffentlichen Debatte viel zu selten zu thematisieren, daß mit Sicherheit jedem Menschen ein erträgliches Leben in seiner Heimat lieber wäre als ein erträgliches Leben in der Fremde. Natürlich können wir nicht einfach auf einen Knopf drücken und alle auf der Welt tobenden und Flüchtlinge erzeugenden Konflikte beenden. Aber die Formulierung "zu Hause (fühlen)" erschreckt mich in diesem Zusammenhang irgendwie trotzdem.

Hier stößt mir auch das Gerede von "Multikulti" oder "Kulturbereicherung" stets übel auf. Natürlich ist es töfte, wenn wir uns auf die Schultern klopfen können angesichts unserer Offenheit gegenüber diversen kulturellen Formen, Farben und Düften, welche Einwanderer aus aller Heren Länder mitbringen. Aber ist das vielleicht eine Spur zu egoistisch?

Wenn irgendwo in Köln ein Sunnit aus Kirkuk mit ein paar Einwandererkumpels an einer Shisha nuckelt und irgendwas Grünes vorbeispaziert und sich denkt 'Hach! Welch Vielfalt! Haben wir gut hingekriegt!', fragt dann vielleicht auch irgendwer jenen Herrn, ob er nicht vielleicht diese Shisha viel lieber vor seiner ehemaligen Schneiderei, welche leider einem Brandanschlag von Schiiten zum Opfer viel, rauchte?

Wenn in Berlin ein schwarzes Baby über eine Wiese krabbelt und alle seufzen "Oh! Erstens: Wie süß! Und zweitens: Wir sind total nicht rassistisch!", fragt dann vielleicht auch irgendwer die Mutter des Kindes, ob sie den Kleinen nicht viel lieber in ihrem afrikanischen Dorf, welches leider von Rebellen verwüstet wurde, zur Welt gebracht hätte?

Zum Thema "Schuld und Schande liegen auf vielen Schultern" bzw "Hilfe vor Ort statt Billiglöhner-Import nach Europa" haben sich Elsa und Tars Sirko Gedanken gemacht.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Dass das Gerede über Pluralismus u. dgl. sehr oft nichts weiter ist als der Egoismus gewisser Leute, die sich gerne in ihrer Oberflächlichkeit gemütlich einrichten, ist ja nichts Neues...

Martin hat gesagt…

http://youtu.be/FlAIXj5WKhA

Martin hat gesagt…

Sehr guter und bitter notwendiger Kommentar! Ist es nicht schön wie Politiker mit öffentlichen Geldern Großzügigkeit demonstrieren. Und diese Frau Göring-Dingsbums. Entweder saudämliche oder einfach nur ungeschickt verplappert...