Montag, 2. September 2013

Zurück vom Kongreß...

Der Kongreß "Freude am Glauben" ist vorbei.

Ich war zum ersten Mal mit von der Partie.

Hier ein kleiner, ganz persönlicher Rückblick.

Die Tage in Augsburg waren für mich ein sehr positives Erlebnis. Ich habe einige Freunde und Bekannte wiedergesehen. Ich habe Menschen getroffen, mit denen ich bisher nur Online-Kontakt hatte. Und ich habe Leute kennengelernt, die wußten, wer ich bin ("Sie sind doch der Blogger, oder?"), die mir bis dahin aber vollkommen fremd waren.

Die Besucher-Mischung war so bunt, wie es auf einem solchen Kongreß eben sein kann. Natürlich fehlte alles, was von unten kircht. Aber das war klar. Niemand erwartet auf dem Kongreß "Freude an Fortuna Düsseldorf" interessierte Anhänger des 1. FC Köln (außer vielleicht, um abzustänkern oder um danach - wenn's keiner sieht - gemeinsam ein Bier zu trinken und festzustellen, daß man das ewige Gezoffe eigentlich blöd findet und daß man irgendwie doch mehr gemeinsam hat, als die Wächter der jeweiligen Festung ihren Bewohnern zugestehen. Aber das ist eine andere Geschichte...).

Es waren viele Jugendliche und junge Erwachsene dabei, die sich als Helfer in allen möglichen Bereichen eingagierten. Einige Eltern hatten ihren Nachwuchs mitgebracht, so daß immer irgendwo gekrabbelt, gekräht, gejängert und gepurzelt wurde. Sehr lebendig. Sehr schön.

Ein gleich neben dem Kongreßzentrum liegender Biergarten wurde sehr schnell zum Pausen-Hangout #1, wo man sich - je nach Bedarf - mit einem Krügerl, einem Kaffee, einer Portion Fritten oder einem Schälchen Obazda stärken konnte.

Alois Konstantin Fürst zu Löwenstein hat sympathisch durch das Kongreß-Programm geführt und seine Anmoderationen oft mit Familien-Anekdoten gewürzt, die immer Anlaß zum Schmunzeln gaben.

Es gab zahlreiche Vorträge, deren Titel alleine schon zeigen, daß wir in der Kirche im Moment irgendwo zwischen Hoffen und Bangen schweben: "Gott existiert - zur Gottvergessenheit in Europa" oder "Maria - Stern der Neuevangelisierung - Warum wir allen Grund zur Hoffnung haben" oder Der Modernismus als Herausforderung im Jahr des Glaubens" oder "Gender - eine Bedrohung für Familie, Gesellschaft und Kultur" oder "Ehe und Familie - der Schlüssel für eine bessere Zukunft" seien hier mal als Beispiele genannt.

Die Themen der Vorträge waren alle interessant und relevant. Mir ist allerdings eine Sache aufgefallen: Die lockere und positive Stimmung, die im Foyer herrschte, wo es viele Informationsstände zu allen möglichen Themen (Lebensschutz, Nightfever, Christenverfolgung, Marienverehrung...) gab, ging im Saal bei den Vorträgen manchmal verloren. Dann stellte sich eine gewisse Bitterkeit ein, die sich meistens in polemisch-vereinfachenden oder nachtragend-jängerlichen Seitenhieben äußerte. Das gab zwar einerseits nicht selten Anlaß zu Gekicher/Applaus bzw Betroffenheit/Mitgefühl. Es machte mir andererseits aber auch zwei Dinge deutlich: Erstens haben die im Kielwasser der "Freude am Glauben" mitströmenden Nebenwirkungen Angstfreiheit, Lockerheit und Großmut uns noch nicht gänzlich durchdrungen (ich habe selbst oft genug mitgelacht und applaudiert, wo ich es mir rückblickend vielleicht besser verkniffen hätte). Zweitens tragen nicht wenige Katholiken offenbar eine gewisse Verletzung mit sich herum, welche ihnen durch den etwas bigottischen Umgang mit unserer Kirche in der Gesellschaft und in den Medien zugefügt wurde.

Das ist die eine rote Warnflagge, die bei mir hochging: Wir können als Katholiken im Grunde gar nicht anders, als hin und wieder verletzt zu werden. Und wir sind als Menschen nicht dazu in der Lage, diese Verletzung nicht zu verspüren. Wir sollten aber als wirkliche christliche Avantgarde diejenigen sein, die selbst mit Pflaster, Verband und Gips eingedeckt die Möglichkeit zur und den Wunsch nach Versöhnung und Einigung immer im Hinterkopf behalten. Das darf nicht bedeuten, daß wir die katholische Lehre scheibchenweise oder im Paket gegen eine künftig mildere Behandlung eintauschen (es gibt nun mal bestimmte Dinge, an denen nicht gerüttelt werden kann). Aber es muß bedeuten, daß wir die Freude am Glauben in uns selbst und in der Kirche kultivieren und daß wir alle Sinne offen halten für die Augenblicke, in denen Annäherung und Konfliktminderung gelingen können, sei es nun zwischen den Gruppen innerhalb der Kirche oder zwischen Kirche und Gesellschaft. Ein Zeichen für diese Kultivierung der Freude und Offenhaltung der Sinne wäre z.B. ein Kongreß, auf dem man das, was die "Anderen" falsch machen oder falsch gemacht haben einfach, unpolemisch und sachlich darlegt als Grundlage für Engagement (z.B. Abtreibungen -> Marsch für das Leben), und auf dem man ansonsten in den eigenen Reihen all das stärkt, was die Wahrheit heller glänzen läßt, was die Freude vermehrt und was den Glauben ansteckender macht.

Aber, wie gesagt: Das war so der eine Schluckauf, den ich mitgebracht habe. Ansonsten war der Kongreß eine durchaus schöne Erfahrung.

An dieser Stelle möchte ich daher allen Organisatoren, Mitarbeitern, Helfern, Moderatoren und Rednern herzlich danken!

Kommentare:

Geistbraus hat gesagt…

"Natürlich fehlte alles, was von unten kircht."

wunderbare Formulierung! Mit schönem mitzudenkenden Buchstabendreher...

Nur bei der Deklination vom Obazdn haperts noch a wengerl :)

nochmal derselbige hat gesagt…

ps. und die Deklination von Adjektiven ist auch nicht so einfach.

Also:

"Mit schönem mitzudenkendem Buchstabendreher..."

Josef Bordat hat gesagt…

Danke für den Bericht, Alipius! Besonders in die Schilderung der Stimmungslage kann ich mich gut hineinversetzen.

LG, JoBo

Monika hat gesagt…

Der Umgang mit Verletzungen sagt viel über eine Persönlichkeit aus. Verletzungen sind ja Leid, ich glaube, hier (in dem obigen Posting) geht es in erster Linie um von anderen zugefügte Verletzungen. Im Wesentlichen sind diese aber auch einfach Verletzungen - und eben die Zuschreibung: "Hat mich einer verletzt" ist schon ein Bereich der Verarbeitung. Man könnte den anderen auch weglassen - bei der Verletzungsverarbeitung, man könnte auch nur sagen: "Ich bin verletzt".

Selbst wenn es offensichtlich ist, daß einen einer verletzt hat, daß also ein anderer schuld ist, hilft das bei der Verarbeitung gar nicht weiter, baut eher eine Mauer auf. Die Verarbeitung des Schmerzes, das vor sich Zugestehen, Erleben und Erleiden des Schmerzes erfolgt in einem selbst. Der Schmerz ist jedem seine eigene, eine innere Sache. Es tut weh, ob ein anderer Schuld hat oder nicht.

Die Verarbeitung der Beziehung zu dem anderen kann erst nachher kommen

Monika hat gesagt…

Den Arzt (Heiler) interessiert die Wunde, die Verletzung - den Pathologen Waffe es war und den Kommissar welche wem sie gehörte

Fiel mir grade noch so ein