Freitag, 6. September 2013

"Wie die Kinder..."

Lang ist's her, da hatte ich mit einer etwas kirchenvolksbegehrlichen Dame eine milde Debatte über diese klassische Art von nervigen Messen, die wahrscheinlich jeder kennt: Infantile Liedtexte, begleitet von 12-saitigem Geschraddel. Eine Predigt, die das Evangelium zwar nacherzählte, aber dennoch ignorierte, dabei mit vielen Worten wenig sagte und gegen Ende ins Allerlösungs-Nichts abdriftete. Eine Art der Zelebration, die sich von der Lustlosgikeit immer wieder in die Kumpelhaftigkeit zu retten suchte. Und ein Priester, der die Gläubigen so behandelte, als seien sie irgendwie plemplem.

Meinte die Dame: "Aber ist doch toll! Jesus sagt doch, daß wir werden sollen wie die Kinder!"

Gemäß der in einigen Kreisen offenbar als schrullig angesehenen Idee, daß die Kirche nicht nur das glaubt, was sie betet, sondern daß sie auch so glaubt, wie sie betet, mußte ich der Dame da schwer in die Parade fahren und ihr sagen, daß ich gar nichts dagegen hätte, wenn wir beteten wie die Kinder. Wir sollten dabei allerdings nicht kindisch sein.

Ich erlebe es immer wieder: Wenn Kinder beten, dann sind sie dabei oft so in der Zone, so ernsthaft, so kreativ und so unschuldig, daß wir alle uns im Grunde eine dicke Scheibe davon abschneiden können. Kinder haben beim Gebet in der Regel keine Angst. Sie lassen es einfach so kommen, wie es ihnen auf der Seele brennt. Natürlich kommt es dabei hin und wieder zu unfreiwilliger Komik. Natürlich stehen dabei die eigenen Interessen manchmal in vorderster Front ("Bitte mach, daß die Lehrerin wieder gesund wird. Aber nicht so schnell, weil ich noch nicht genug für die Arbeit gelernt habe").

Ich habe aber bei Kindern, selbst wenn sie in der Gegenwart anderer Leute laut beten, nie das Gefühl, daß sie dabei eine gute Figur abgeben oder gesehen/gehört werden wollen. Ich habe sogar das Gefühl, daß die Kleinen eine gehörige Portion Ehrfurcht mitbringen, weil sie ziemlich genau kapiert haben, wer Gott ist. Jetzt werden Atheisten zwar wieder moppern wollen von wegen "Aha! Der findet es auch noch dufte, wenn die in jungen Jahren gehirngewaschen werden!". Worauf ich nur antworten kann, daß ich das Weiterreichen von Informationen über unseren Herrn und Gott Jesus Christus nicht als Gehirnwäsche betrachte und daß mir ernsthaft und mit Ehrfurcht betende Kinder lieber sind als reife und erwachsene Menschen, die einen Popstar oder einen Politiker wie den Messias behandeln oder die auf der CO2-Ablaßwelle mitschwimmen.

1 Kommentar:

Severus hat gesagt…

Das ist der Punkt, exactement: Wir sollen kindlich werden und nicht kindisch!
Und die Erfahrung zeigt, dass Kinder (Pimpfe, Jungfüchse ...;-) sich höchst ungern für dumm verkaufen lassen!