Freitag, 20. September 2013

Kunst du mal eben Koeken?

Das im Juli beim geistbraus und bei mir behandelte Thema "Kunst (und was und ob)" (hier die Linkrutsche) ließe sich in unserer Zeit bis zum Pupillenstillstand weiterdebattieren.

Jetzt stelle ich fest, daß - zumindest mir - in den meisten "Sakrileg"-(Zweifels-)Fällen dabei weniger das Werk als solches sauer aufstößt, sondern eher diese fade, berechenbare, dämliche Prozedur, die immer nach diesem Schema abläuft:

1.) Künstler zeigt ein Werk, welches sich irgendwie als sakrilegisch einstufen läßt.

2.) Proteste folgen.

3.) Künstler erklärt, was er mit dem Werk gemeint hat und worum es ihm ging bzw nicht ging.

4.) Alipius läßt seine gähn-induzierte Maulsperre behandeln.


Die von Justyna Koeke geschaffene Jesus-Figur sieht aus, wie ein tragisches Mißgeschick, welches während der Modellierballon-Phase eines Kindergeburtstags produziert wurde. Vom ästhetischen Standpunkt her finde ich es einfach beleidigend häßlich. Der Beleidigte hier ist aber nicht Jesus (ich will einfach nicht pauschal ausschließen, daß er über solchen Dingen steht). Der Beleidigte bin auch nicht ich im Hinblick auf meine religiösen Gefühle (ich habe eine Religion, die mich mit der göttlichen Wahrheit in direkten Kontakt bringt, mich zu Barmherzigkeit auffordert und zu guter Laune anregt, und meine religiösen Gefühle gehen daher eher in die Richtung "Danke, Gott!" als in die Richtung "Wer meinen Gott oder meine Religon beleidigt, der wird sofort von mir oder einem anderen willigen Märtyrer in die Luft gesprengt!"). Der Beleidigte bin ich in meiner Vorstellung von dem, was schön oder ansehnlich oder wenigstens nicht grottoid ist.

Das Werk wird also aufgrund des alltäglichen Kunstbetriebes und aufgrund der Tatsache, daß es von einer Künstlerin stammt, offiziell als Kunst geführt und von vielen Leuten daher auch als Kunst betrachtet werden. Ich werde diese Zeilen in den nächsten 5 Minuten zu Ende geschrieben, korrekturgelesen und veröffentlicht haben und die Jesus-Figur dann in den nächsten zwei Minuten für immer vergessen.

Was mir weiterhin übel nachwehen wird, ist unsere Programmierung und unsere Berechenbarkeit. Koekes Werk hat es ja nun tatsächlich auch auf meinen Blog geschafft. Allerdings nicht, weil ich sagen will "Das ist keine Kunst" (mein Verhältnis zu diesem Satz habe ich im Juli erklärt), und auch nicht, weil ich sagen will "Blasphemie!", sondern weil es sich als gutes Beispiel anbot, um darzulegen, was mir oft an Kunst am meisten auf den Wecker fällt.

Kommentare:

Jürgen Niebecker hat gesagt…

Hä!?!
Ich weiß ja nicht, was die Frau sonst noch an Kunstwerken und solchen, die es sein sollen, produziert hat und auch nicht ob und wenn ja, was sie geraucht hat, aber was um alles in der Welt haben diese ganzen Darstellungen mit dem Thema "unbefleckte Empfängnis" zu tun?

Marinika hat gesagt…

Interessant: "Unbefleckte Empfängnis gibt es nun mal nicht." Das heißt, sie glaubt an die Erbsünde?
Vermutlich wird hier mal wieder die Unbefleckte Empfängnis mit der Jungfrauengeburt verwechselt.
An die Jungfrauengeburt glaubt übrigens auch der Islam. Macht Frau Oeke auch islamkritische Kunstwerke?

Geistbraus hat gesagt…

und ich fragte mich grad schon, was das für ein abgefahrener Dialekt in der Überschrift ist... aber dann gings doch nur um Kunst ;)

Jürgen Niebecker hat gesagt…

"abgefahrener Dialekt"?

Jo! Spassig! – Hay wollt wohl seggen: "Bekäik dey dat amol!", awer säun erne Schiärte mochte irk gar nit sayn.

Anonym hat gesagt…

Aus gegebenem Anlasse wieder einmal die (bayrisch-ästaraichische) Erklärung, warum das Hauptwort "Kunst" heißt (und nicht irgendwie anders). Die Frage lautet eben: Kunnst m'r erklärn, wos do so bsundas dron is?

Zwetschgenkrampus

PS: "Gähn-induzierte Maulsperre" - Reverende, das kenn' ich, das Gefühl ...