Freitag, 13. September 2013

Ich kapier immer weniger...

Öffnung der Kirche und Neue Medien und alles...

Aber kann Papst Franziskus künftig vielleicht seine Worte mit Gebrauchsanweisung schicken lassen bzw jemanden darüber wachen lassen, welche Teile seiner Predigten aus dem Zusammenhang gerissen, übersetzt und dann getweetet werden?


"Diejenigen, die andere kritisieren, sind Heuchler und Feiglinge und nicht dazu in der Lage, sich ihren eigenen Fehlern zu stellen."


Kommentare:

Tiberius hat gesagt…

War das jetzt schon als Kritik gemeint?

Alipius hat gesagt…

** heh **

Reißbraus hat gesagt…

wo Tiberius schon das Thema Rekursion aufbringt:

ich hab das grad mal aus dem Zusammenhang gerissen :)

ioannes fauces hat gesagt…

Man sollte eben nur bedingt translate.google.de vertrauen, bzw. sich selbst die Arbeit zum übersetzen machen!

Ester hat gesagt…

Also ich gesteh es einfach mir geht es schon länger so, dass ich nicht versteh, was unser Papst jetzt meint, wen er meint und was das alles mit Christus zu tun hat.
Ich frage ich auch schon länger ob es einfach an der Übersetzung liegt, aber dem scheint nicht so zusein.
Irgendwann hieß es diese morgendlichen Predigten seien ja eher privater Natur, aber dann sollte man sie eben auch privat sein lassen.
Danke übrigens Alipius, dass du das so postest, man fühlt sich dann nicht so alleine irritiert.

Monika hat gesagt…

Das hat er wohl genau so gemeint

Und es liegt an der Veränderung. Man kann sich verändern, weil man etwas einsieht, weil der neue Zustand vernünftiger ist. Das ist möglich und es kommt auch vor, daß Menschen sich verändern, weil Ihnen jemand anders eine Einsicht vermittelt hat, evtl durch Kritik.

Und man kann sich verändern, weil man in Liebe aufgehoben ist. Weil man geliebt wird, so wie man ist - dann empfindet man die Freiheit, eine Last löst sich von einem, die Freiheit, eigene Sünden anzusehen - sie sind jetzt nicht mehr so dramatisch, daß sie einen unliebenswert machen.

Menschen schauen nicht gerne auf schwere Probleme. Sicher sagen wir fast alle, daß wir auf schwere Probleme schauen, weil wir ja alle schwere Probleme kennen, auf die wir schauen. Die, auf die wir nicht schauen, die kennen wir aber nicht. Klar, es wäre vernünftig, ein Problem anzusehen, um es zu lösen.

Wenn es aber gar keine Lösung gibt? Wenn ich von vornherein weiß, daß ich ein Ekel bin und im tiefsten Innern mich niemand mögen würde, würde er mich kennen - ich meine, ICH WEISS DAS. Hundertpro sicher. Darüber brauche ich gar nicht mehr nachzudenken. Da kann mich auch keiner vom Gegenteil von überzeugen.

Dann schaue ich lieber nicht auf diese unabänderliche Entsetzlichkeit. Dann lüge ich mir lieber selbst in die Tasche. Das ist nämlich tatsächlich VERNÜNFTIG. Wenn es kein Glück geben kann, sobald man auf die Wahrheit schaut, ist es sehr klug, sich die Hucke vollzulügen, wenn das einen etwas glücklich macht.

Im Tiefsten Inneren weiß ich also, daß ich ein entsetzlicher Sünder bin (auch Sie, Herr Alipius, Sie lügen sich auch die Hucke voll). Mit Vernunft braucht mir da keiner zu kommen. Und Jesus ... Jesus lebt, sagen Sie - wirken tut er dadurch daß er in Christen, Menschen lebt. Wenn ein Mensch mit seinen entsetzlichen Sünden geliebt wird, dann kann man das Schlimme anschauen, denn nun stellt sich heraus, das die unabänderlicher Wahrheit, keiner würde mich mögen können, würde er mich kennen, ein Irrtum war.

Erst dann ist es vernünftig, das eigene Innerste, vor dem man sich fürchtet, zu betrachten.

Alipius hat gesagt…

@ Monika: Sie haben Recht: Es kann NUR Glück geben, wenn man auf DIE Wahrheit schaut. Denn dann schaut man auf Christus. Und der gibt einem die Kraft, an den eigenen Schwächen zu arbeiten und sie nicht als Entschuldigung dafür zu nehmen, keine Lösung suchen zu müssen, weil man ohnehin rettungslos sündhaft, verloren und unliebbar ist.

Ich lüge mir übrigens weniger die Hucke voll, als es den Anschein haben mag, da ich mittlerweile - dank Jesus Christus - gelernt habe, daß ich sowohl großartig als auch kümmerlich bin.

jordicuber hat gesagt…

Also, ich seh das genauso wie der Papst und finde das Zitat auch nicht wirklich schwer verständlich oder aus dem Zusammenhang gerissen. Die Splitter-Balken-Problematik hat doch schon Jesus auf den Punkt gebracht.

Probleme mit dem Zitat kann man natürlich konstruieren, etwa indem man "those who criticize others" verabsolutiert und so tut, als hätte der Papst *jegliche* (auch berechtigte, gut begründete und väterlich/brüderlich angebrachte) Kritik verdammt. Dazu gibt es aber weder beim Papst noch bei Jesus irgendwelchen Anhalt. Es geht natürlich um den, der immer erstmal lieber kritisiert, statt sich um Verständnis zu bemühen (ergo um uns alle). Wer das falsch versteht, will es wahrscheinlich falsch verstehen.

Alipius hat gesagt…

@ jordicuber: Wenn ich ein kirchen-/glaubensferner aber nicht -feindlicher Mensch wäre und einzig das getweetete Zitat mein Anhaltspunkt wäre (genau darum ging es mir ja: "Aber kann Papst Franziskus künftig vielleicht seine Worte mit Gebrauchsanweisung schicken lassen bzw jemanden darüber wachen lassen, welche Teile seiner Predigten aus dem Zusammenhang gerissen, übersetzt und dann getweetet werden?") - dann sähe ich das mitnichten wie der Papst. Mir fiele vielleicht grade noch ein, daß ja auch Jesus kritisiert hat, und ich stünde dann ein wenig ratlos da.

In unserer 140-Zeichen-Gesellschaft, in der viele gar nicht wissen, wo oder wie sie den zum Zitat gehörenden Text finden (oder nicht die Lust haben, danach zu suchen), müssen Probleme z.B. kirchenferner aber irgendwie interessierter Menschen mit dem Zitat nicht notwendigerweise konstruiert sein. Die Bischofskonferenz der USofA - unter deren Kontrolle die CNS steht - muß sich hier einfach mal überlegen, ob solche unscharf übersetzten und dann in die Welt gesetzten Häppchen klug sind. Franziskus telefoniert ja sonst auch ganz gerne. Ich hoffe, er hat bereits bei den US-Bischöfen angerufen.

Wir als halbwegs bibelfeste Christen wissen natürlich, daß man Jesus durchaus auch als ein Vorbild im Punkt Kritik nehmen kann. Aber ich bin mir nicht sicher, daß man diesen Standard allumfassend anwenden darf und fände es daher schade, wenn Leute durch das doch recht absolut klingende Zitat irgendwie abgetörnt werden.

Mir geht es nicht darum, hier irgendwie ein Szenario zu konstriueren, im dem Der Papst mit dem, was er in der Predigt tatsächlich und ausführlich gesagt hat, Unrecht hat. Aber ich finde diesen Häppchenservice in dieser Form einfach nicht hilfreich.

Chrysostomos hat gesagt…

Ich will da nicht herumkritisieren, weil mir dazu schlicht viel zu viele Infos fehlen. Aber in der Tat tue ich mich ebenfalls sehr schwer, den Papst inhaltlich einzuordnen. Gut, äußerlich gibt's einige Veränderungen. Er wohnt lieber quasi in einer WG - was ich verstehen kann, er ist bescheiden und will weniger Statussymbole, wie zB gepanzerte Autos - was die Security zur Verzweiflung bringen mag, er kommuniziert spontan selber mit den Menschen und umgeht seinen Apparat - was ich sympathisch finde, er reduziert liturgische Pracht - was ich als barockophiler Augenmensch bedauere.
Aber all das sind Fragen des Stils und weniger des Inhaltes. Und inhaltlich verstehe ich ihn gerade nicht besonders.

Monika hat gesagt…

@alipius

Ja, mit der Wahrheit. Der Punkt ist, daß Nächstenliebe sozusagen eine Art Königsweg dahin ist. Manchmal der einzige Weg, manchmal eine gewaltige Abkürzung.

[SARKASMUS] Aber klar, für die Nächstenliebe muß der andere auch irgendwie bereit sein. [ENDE SARKASMUS]

jordicuber hat gesagt…

@alipius

Mag sein, dass du recht hast, aber ich glaube das eigentlich nicht. Schimpftiraden in Kommentarspalten sind eine weithin bekannte Plage und das Gezanke und Geplärre kritikwütiger Forenschreiber ist ja ein allgemeinen Web.2-Phänomen und beschränkt sich nicht auf das katholische Internet. Von daher glaube ich eher, der von Dir angenommene nicht religiophobe, nette Durchschnittsnutzer ohne christliche Vorkenntnisse würde schlicht nicken und sagen: Stimmt, da hat der Papst mal recht, die Leute kritisieren viel zu viel und merken gar nicht, dass sie eigentlich selbst Probleme haben. Oder so ähnlich.