Freitag, 27. September 2013

Homophobe Skandalnudeln!

BARILLA-Chef Guido Barilla wurde in einem Interview (aus welchem Grund auch immer) gefragt, warum in seinen Werbespots keine schwulen Pärchen vorkommen. Seine Antwort:
    "Non farei mai uno spot con una famiglia omosessuale. Non per mancanza di rispetto ma perché non la penso come loro, la nostra è una famiglia classica dove la donna ha un ruolo fondamentale".

    Lo dice Guido Barilla, presidente del gruppo Barilla, a La Zanzara. "Noi - dice Barilla - "abbiamo un concetto differente rispetto alla famiglia gay. Per noi il concetto di famiglia sacrale rimane un valore fondamentale dell'azienda".

    Ma la pasta la mangiano anche i gay, osservano i conduttori Giuseppe Cruciani e David Parenzo: "Va bene, se a loro piace la nostra pasta e la nostra comunicazione la mangiano, altrimenti mangeranno un'altra pasta. Uno non può piacere sempre a tutti".

    "Io rispetto tutti" - aggiunge Barilla - "facciano quello che vogliono senza disturbare gli altri. Sono anche favorevole al matrimonio omosessuale, ma no all'adozione per una famiglia gay. Da padre di più figli credo sia molto complesso tirare su dei bambini in una coppia dello stesso sesso".

    ["Ich würde nie einen Spot mit einer homoseuxellen Familie machen. Nicht aus Mangel an Respekt, sondern weil ich nicht denke wie sie. Unsere Familie ist eine klassische Familie, in der die Frau eine fundamentale Rolle spielt."

    "Wir haben ein anderes Konzept als das der gayen Familie. Für uns bleibt das Konzept der sakralen Familie ein Kernwert des Unternehmens."

    Der Interviewer stellt fest, daß auch Schwule und Lesben Barilla essen: "Wenn sie unsere Pasta und unsere Werbung mögen, sollen sie sie essen. Ansonsten essen sie eben andere Pasta. Man kann nicht immer allen gefallen."

    "Ich respektiere alle. Sie können tun, was sie wollen, wenn sie andere nicht stören. Ich bin auch für gleichgeschlechtliche Ehen, aber nicht für Adoption durch ein gleichgeschlechtliches Elternpaar. Als Vater einer Familie mit einigen Kindern glaube ich, daß es sehr schwierig ist, Kinder von einem gleichgeschlechtlichen Paar großziehen zu lassen."]
Hallo Shitstorm und weltweite Boykott-Aufrufe!

Barilla setzte auf twitter eine Entschuldigung ab, bleibt aber bei der "Keine Schwulen in Werbespots"-Politik.

Ein amerikanischer Blogger findet:
    Anti-gay bigots usually misunderstand the concept of freedom of expression to mean that they get to say any inanity with impunity. Doesn’t work that way. Barilla absolutely has the right to say that Barilla pasta is for straight people. And we have the right to tell him to vaffanapoli.

    [Anti-Gay-Heuchler mißverstehen das Konzept der Meinungsfreiheit in der Regel so, daß sie meinen, jede Dummheit straffrei äußern zu dürfen. So läuft es nicht. Barilla hat absolut das Recht zu sagen, daß Barilla-Nudeln für heterosexuelle Leute ist. Und wir haben das Recht, ihm zu sagen, er soll sich in den ***** ****en]
Klar...

In unserer Berechtigungs-, Beleidigungs- und Empörungs-Gesellschaft reicht es natürlich aus, bestimmte Statements auf Signalwöter zu untersuchen und den Rest der Nachricht zu ignorieren bzw zu vergessen. Barilla scheint kaum zu glauben, daß er mit seiner "Dummheit" straffrei davonkommt, wenn er den Leuten anbietet, daß sie ihre Nudeln gerne woanders kaufen können, wenn sie mit der Barilla-Werbung nicht zufrieden sind. Eine Strafmaßnahme, mit der er vielleicht nicht gerechnet hat, ist die gossige Beschimpfung durch einen von Reizworten aufgeschreckten und eingeschnappten Blogger von Übersee, der nicht so recht zu wissen scheint bzw (siehe: "Berechtigungs-, Beleidigungs- und Empörungskultur") nicht so recht gelernt zu haben scheint, wie man auf ein zwar unpopuläres aber ehrliches Statement anders zu reagieren hat als mit dem Vorschlag, wer wo was hinstecken soll.

In der Huffington Post gibt es einen Artikel zum Thema. Dort finden sich diverse Reaktionen von "Aktivisten", Bloggern und Politikern. Ein Satz ist besonders interessant: "Homophobia is bad for business - plain and simple."

Übersetzung: "Wir haben Euch bei den Eiern und ihr tanzt besser ganz fix nach unserer Pfeife, wenn ihr euer Geschäft weiterführen wollt. Oder soll es Euch ergehen, wie diversen kleineren Unternehmern in den USA, die bereits ihre Läden schließen durften, nachdem sie z.B. Hochzeitstorten mit zwei Bräuten obendrauf verweigert haben? Wie? Ihr habt nichts gegen gleichgeschlechtliche Heirat und findet nur die Adoption problematisch? Egal! Hier geht's längst nicht mehr um stille Toleranz sondern um deutlich vernehmbare Zustimmung - zu allem!"

In einem weiteren Artikel der HuffPo werden andere Unternehmen aufgezählt, die in der Vergangenheit ein Publicity Problem hatten, weil sie nicht rosa genug rüberkamen. Aber Rettung ist schon da, stellte sich doch heraus, daß Barilla-Konkurrent Bertolli im Jahre 2008 einen Werbespot produzierte, in dem ein schwulen Pärchen auftrat!

Laßt die Sektkorken knallen! Die Welt ist gerettet und der sichere Weg zum künftigen Unternehmenserfolg ist vorgezeichnet!

Was...?

Nairobi? Peshawar? Syrien?

Hey! Wir im Westen müssen uns schon mit den wirklich drängenden Problemen auseinandersetzen, okay?! So lange die Boykott-Keule noch nicht stumpf ist, wird mit ihr zugeschlagen, wann immer das Anbetungs-Level unserer Lebensweise unter "24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche" sinkt!

Weil Toleranz und so...

Zum Abschluß noch eine Perle aus der Ecke des ganz besonders seriösen Journalismus. Die linkshysterische Huffington Post erweiterte diesen Satz des oben verlinkten US-Bloggers...


... um diese drei Worte:


Angesichts der minimalen Chance, daß die Worte ursprünglich beim Blogger standen und er sie in einer luziden Sekunde lieber wieder löschte, will ich der HuffPo mal Spielraum lassen, aber ich würde andererseits keinen Cent darauf verwetten...

Kommentare:

Elsa hat gesagt…

Schön, dass du es aufgegriffen hast. Ich saß heute mit 23 Bier am hellichten Tage (im metaphorischen Sinne gemeint) vor meinem Notebook, verfolgte die frenetischen Pro-Barilla/Anti-Barilla Tweets und las gleichzeitig - Frauen sind multi-tasking-begabt- von den Leichenfunden in Westgate. Männer, die man bei lebendigem Leibe kastriert hatte, Kinder, denen die Messer im Körper steckten und die man in Kühltruhen fand.Menschen ohne Augen, aufgehängt an Haken unter der Decke.
Da hat man keinen Appetit mehr auf Nudeln, egal von welchem Hersteller.Und wenn noch so viele schwule oder heterosexuelle Ehepaare sie bewerben.
Hat dieses Europa keine anderen Probleme als die sexuelle Ausrichtung gekoppelt an die gayste NUDELSORTE mehr?

Jürgen Niebecker hat gesagt…

Nudeln… Ich kaufe immer welche eines anderen Herstellers (de Cecco). – Aber das nur am Rande.

Vielleicht war das auch der Grund, warum ich diese Barilla-Geschichte nicht so bloggenswert fand, daß ich hätte meinen Senf…
Aber ohne Senf geht der Tag auch schlecht rum, und so gab es Senf zu der Frage der Bedeutung der DBK in den Medien und "in echt".

Hm… wenn ich recht drüber nachdenke, habe ich da einen Fehler gemacht, denn die Barilla-Geschichte ist doch wohl bedeutender als die DBK.

Anonym hat gesagt…

Das ist doch ganz einfach. Wer Barilla auch ideologisch unterstützt, kaufe seine Nudeln weiterhn dort. Wer nicht, der nicht. Das ist doch eine faire Abstimmung mit der Geldbörse - wenn 50% der Kunden sich auf die Seite der homosexuellen Paare werfen, hat Barilla 50% weniger Geschäft. Wenn das dem Durchschnittsnudelkäuer ein Anliegen ist, soll er dementsprechend handeln. Wenn dem Durchschnittsnudelkäufer aber völlig egal ist, ob homosexuelle Paare in der Werbung an Nudeln kauen, soll er Barilla weiterhin die Treue halten. That's life und keiner muss weinen.

kalliopevorleserin hat gesagt…

Ich unterstütze Barilla nicht ideologisch. Sondern ich mag Nudeln, finde die von Barilla lecker und sehe, daß sie bei Rewe gerade herabgesetzt sind.
Naja, zugegeben: nach diesem vollkommen bescheuerten Shitstorm bin ich zu Rewe gegangen, um Barillanudeln zu kaufen - und habe ein bißchen mehr davon genommen, weil sie so schön billig waren.
In der Diskussion wurde übrigens auch der Ausdruck "homophober Spast" für Herrn Barilla verwendet. Also: Wer unter einer zerebralen Lähmung mit Krampfanfällen leidet, ist ein Schimpfwort, und wer sagt, daß er trotz seines Respektes für Homosexuelle nicht mit ihnen Reklame macht, ist böse.
Das ist einfach zu armselig - und zu böse.