Sonntag, 18. August 2013

Wir haben alle schon die Begriffe gehört,...

... mit denen das im Mutterleib heranwachsende Leben von Abtreibungsbefürwortern gerne mal bezeichnet wird: Ich denke da z.B. an "Zellklumpen" oder "Aggressor". "Mensch" - so wissen wir seit dem letzten jährlichen Treffen der Canadian Medical Association - ist so etwas jedenfalls erst, wenn es "vollständig im lebenden Zustand aus dem Mutterleib hervorgegangen ist".

Das Wilde an der Geschichte: Es findet im Grunde keine Argumentation statt außer in der Geschmacksrichtung "Es DARF vorher kein Mensch sein, weil sonst Abtreibungen erschwert werden"...

Kommentare:

Epigonias hat gesagt…

Also eine ganz ... nennen wir es interessante Argumentation hab ich da durchaus gehört, und zwar neulich im Zuge des Wirbels um die Facebook-Seite "VMSSHA". Wenngleich von einem US-Bürger und daher wohl nicht eins zu eins nach Europa übertragbar, ging sie wiefolgt:
Da die Sklaverei abgeschafft wurde, darf kein Mensch den Körper eines anderen Menschen gegen dessen Willen zum eigenen Vorteil nutzen. Abtreibung sei daher Selbstverteidigung (der werdenden Mutter) gegen das Benutztwerden (durch das Baby).
So verdreht sich diese Argumentation anhört: Es wird darin zumindest zugestanden, dass es sich beim Abgetriebenen um einen Menschen handelt.

Anonym hat gesagt…

Diese Meldung ist sehr interessant. Man muss erkennen, wie weit die öffentliche gottlose Meinung fortgeschritten ist. Uber Jahrtausende verbot der hippokratische Eid Abtreibungen. Jetzt soll die Vernichtung ungeborenen Lebens nicht einmal mehr etwas sein, dessen man sich schämen muss. Eine derartige Aussage von Ärzten ist heftig. So wie zu anderen Zeiten Juden das Lebensrecht angesprochen wurde und kaum jemand etwas dagegen hatte, geht es jetzt den ungeborenen. Und diese Verknüpfung wurde in unserer "freien Welt" eine Politikerkarriere rasch beenden.
Ein anderer Aspekt: in einer Welt mit über 1 Milliarde Katholiken kann man sich diese Aussage kaum vorstellen - es sei denn, diese missachten zum Großteil die Lehre der Kirche vollstandig.
Ich glaube, diese Realität sollte man anerkennen, auch wenn sie verheerend ist. Es hilft nicht, sich die Welt schön zu reden."Wird der Menschensohn, wenn er kommt, Glauben finden?" Diese Frage aus Lukas 18 zeigt auch nicht gerade Zweckoptimismus. Was bleibt außer der inneren Emigration?
LG Uli

Anonym hat gesagt…

Ach Kinders. Jede Abtreibung ist ein Drama, schon klar, das braucht man nicht schönreden. Der kleine Fötus ist meiner Meinung nach trotzdem noch kein Mensch, sondern ein Mensch in potentia sozusagen.Ein Zellklumpen mit der Anlage, zu einem Menschen zu werden. Man darf das nie, nie vergessen, dass da ein werdendes Leben gegen ein bereits existierendes Leben steht und darf Abtreibung nicht mit irgendwelchen Verhütungsmethoden in den Topf werfen.

Trotzdem bin ich für die Fristenlösung aus der Sicht heraus, dass nicht jede/r/m möglich ist, ein Kind gut zu betreuen und heranzuziehen. Ein Kind, das ist ein 20-jähriges emotionales und finanzielles Commitment, und dieses Commitment ist so groß und so verpflichtend, dass niemand gezwungen werden soll, es einzugehen.Selbst, wenn man dieses Kind zur Welt bringt und zur Adoption freigibt, bleibt ein Rest dieses Commitments und man wird sich immer irgendwo verantwortlich dafür fühlen.

Wer also nicht glaubt, diesem Kind, diesem Commitment gerecht werden zu können, soll die Möglichkeit zur Abtreibung haben - nach einem Prozess reiflicher Überlegung mit Personen innerhalb und außerhalb der Familie, nach klarer Information über Alternativen und Hilfsangebote. Da gibt es sicher noch Verbesserungsmöglichkeiten zum momentanen Ablauf.

So doll ist es nicht, Kind überforderter Eltern zu sein, die das Kind weder lieben noch versorgen können. Und die Defizite, die dadurch entstehen, muss eine/r über Jahrzehnte mittragen. Ich halte "Jedes Kind ein gewolltes Kind" nach wie vor nicht für ein schlechtes Motto.

Alipius hat gesagt…

@ anonym (11:17): Auch ein "werdendes Leben" ist ein "bereits existierendes Leben", sonst könnte man es nicht "Leben" nennen. Und wenn es nur darum geht, sich einem "Commitment" zu entziehen, das man im Zweifelsfall "weder lieben noch versorgen" kann (wobei ich mir wirklich nicht sicher bin, ob Eltern ihr Kind nur deswegen nicht lieben können, weil es eine Verpflichtung darstellt), dann sollte man sich vielleicht sehr gut überlegen, ob der sexuelle Akt den hohen Preis wert ist.

Anonym hat gesagt…

Alipius,das ist natürlich Ansichtssache und Sache der Semantik und Wortwahl; für mich ist "werdendes Leben" nicht "bereits existierendes Leben". Der Fötus kann bis zur 12. Woche, aber auch später, nicht eigenständig außerhalb des Mutterleibes leben, ist aber auf dem Weg dazu. Darum "werdendes Leben". Irgendwann wird er das können, darum auch eine zeitliche Grenze für Abtreibungen nach der Fristenregelung (wir reden jetzt nicht von Spätabtreibungen, das ist noch mal another kettle of fish.).
Eltern lieben ihre Kinder in der Regel unabhängig von der Verpflichtung, die sie damit eingehen. Eltern lieben ihre Kinder in der Regel trotz der zahllosen Unannehmlichkeiten, die mit Kinderaufzucht verbunden sind. Liebe und Verpflichtung sind tatsächlich für mich getrennte Bereiche, und ich habe sie auch nicht als miteinander verbunden dargestellt. Zum Kinder lieben gehört für mich einerseits, ihnen emotional zugewandt sein, ihnen aber auch die Dinge zukommen zu lassen, die sie zu einem guten Leben brauchen. Das ist ein steiles Programm. Sie hatten nie ein Kind unter schwierigen Umständen, ich schon. Ich war aber in der glücklichen Lage, das Kind lieben und versorgen zu können. Und es war VERDAMMT SCHWER, das Kind hatte so manchen Nachteil aus der Situation, ich auch (wobei meine Lage hier nichts zur Sache tut, die Nachteile, die das Kind durchs Leben trägt, aber schon.). Jemand, der sich sicher ist, dass er das nicht schafft und nicht riskieren will, soll nicht gezwungen sein, sich und seinem Kind das zwanzig Jahre lang anzutun. Wirklich nicht.
Es ist zu billig, zu sagen, "Das arme Kind! Es darf nie leben!", ohne sich zu überlegen, ob das Kind tatsächlich Grund hätte, sein Leben gut oder auch nur erträglich zu finden. Ein siebenjähriges ungewolltes Kind, das die Eltern verhungern lassen, denkt sich sicher nicht: "Oh Mann! Wie würde ich das alles vermissen, wenn ich nie geboren wäre!" Wir wissen nicht und können nicht wissen, wie sich das "werdende Leben" entschieden hätte, also können wir die potentielle Haltung des Kindes schlecht ins Treffen führen.

Sex -ich gehe mit Ihnen völlig d'accord, wenn sie sagen, man muss den Leuten verstärkt vor Augen führen, dass sie nicht einem harmlosen Freizeitvergnügen nachgehen, wenn sie Sex haben. Idealerweise haben sie nicht Sex mit Leuten, die sie nicht kennen, weil ihnen nichts besseres einfällt, weil sie sich langweilen, weil sie einen Partner an sich binden wollen, und was derlei absurde Gründe mehr sind. G'schenkt. Idealerweise verhüten sie ordentlich. Auch g'schenkt.
Aber wie Leute so sind, agieren die nicht immer vernunftgesteurt, und selbst wenn, gibt's den guten alten Kondomplatzer, die gute alte Pillenspuckerei, das gute alte Vermessen bei der Temperaturmethode, und die Natur schlägt gnadenlos zu (vorausgesetzt, man ist unter 25 und will echt nicht schwanger werden. Wenn man über 35 ist und will schwanger werden, klappt das schon nicht mehr so gut. Die Natur is a Hund.).
Wir liefern uns der Natur nicht mehr aus, sonst würden wir weder Impfen noch zum Zahnarzt gehen und so wie weiland die Vorfahren mit 35 an einer Infektion sterben. Ich finde es nicht nur menschlich, sondern auch legitim, sich dem blinden Wüten der Natur zu verweigern, um so mehr, wenn noch ein zweites Wesen betroffen ist, das sich die Chose echt nicht aussuchen kann.
Abtreibungen gibt es in jeder Epoche, in jeder Gesellschaft, da gibt es einen breiten Konsens, dass es einen Zeitpunkt gibt, vor dem man sich nicht der Natur ausliefern muss. Das Ziel muss natürlich sein, die Zahl der Abtreibungen zu verringern - aber nicht dadurch, dass man sie in Bausch und Bogen verbietet, wissend, das notwendigerweise ein Schwarzmarkt entstehen muss, der eine Gefährdung für Leib & Leben der Schwangeren darstellen muss.

Anonym hat gesagt…

»Ein Kind, das ist ein 20-jähriges emotionales und finanzielles Commitment, und dieses Commitment ist so groß und so verpflichtend, dass niemand gezwungen werden soll, es einzugehen. «

Ähm, wie oft wird denn jemand irgendwo zwangsbefruchtet (jenseits der Vergewaltigungen und selbst da ist das nicht immer der Fall, ganz zu schweigen davon, dass solche Fälle nur eine kleine Minderheit an Abtreibungen ausmachen)?

»Selbst, wenn man dieses Kind zur Welt bringt und zur Adoption freigibt, bleibt ein Rest dieses Commitments und man wird sich immer irgendwo verantwortlich dafür fühlen. «

Tragisch, lieber tot, weil man sich nicht einmal verantwortlich fühlen will. "Gratulation". Typisch ... So etwas kann man nicht ernst nehmen.

»... für mich ist "werdendes Leben" nicht "bereits existierendes Leben".«

Was soll das überhaupt bedeuten? Offenbar alles arg zurechtkonstruiert. Auch »"werdendes Leben"«, in Ihrem Sinne, gibt es, oder ist dort ein Nichts (sic!)? Wo nichts ist, kann auch nichts werden.

»Wir wissen nicht und können nicht wissen, wie sich das "werdende Leben" entschieden hätte, also können wir die potentielle Haltung des Kindes schlecht ins Treffen führen. «

Auch Selbstmord ist nicht vertretbar, ist aber ein anderes Thema. Hier gibt es aber nicht einmal die Möglichkeit, jemanden zu befragen, auch das wird genommen, das zeigt schon an, dass dabei etwas definitiv falsch läuft.