Samstag, 10. August 2013

Wenn die "Pfarrer-Initiative Deutschland"...

... beim Katholikentag 2014 in Regensburg mit einem eigenen Stand vertreten ist, dann ist das natürlich ein ganz hervorragendes Zeichen, wird so doch eine Offenheit angedeutet, welche unter Umständen gar dazu führen wird, daß in Regensburg - anders als in Mannheim 2012 - Messen in der außerordentlichen Form (so sich überhaupt noch ein tapferer Priester findet, der sie anbietet) auch mindestens ins Programmheft aufgenommen werden.

Die etwas netzhautpeitschende Homepage der Initiative findet man hier. Die "Was wir wollen"-Informationen aus der Presseerklärung bringen die klassischen "Wir wären auch gerne so erfolgreich wie die evangelische Kirche in Deutschland"-Punkte mit:
    Wir stehen ein für ein ehrliches Wahrnehmen der Lebenssituationen der Menschen und für Glaubwürdigkeit kirchlicher Praxis. Deshalb benennen wir, was wir tun, auch wenn es im Widerspruch zu derzeitigen kirchenamtlichen Weisungen steht.

    Die Lebendigkeit der Gemeinden vor Ort ist für uns ein großer Wert. Deshalb sind wir gegen die Schaffung großer pastoraler Räume als Antwort auf den sogenannten Priestermangel. Wir setzen uns für andere Formen von Kirchesein im Lebensraum der Menschen ein. Die Vielfalt der Charismen muss zur Geltung kommen unabhängig von Stand, Geschlecht und sexueller Orientierung. Oberstes Ziel ist eine menschennahe Seelsorge im Geiste Jesu.

    Wir sind gegen die derzeitigen absolutistischen Strukturen in unserer Kirche und setzen uns für Bürgerrechte und Transparenz in der Kirche ein. („Ihr seid Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes“, Eph 2,19)
In einer Einladung zu einer bundesweiten Tagung "Wann ist ein Priester ungehorsam?" liest man:
    Dürfen wir als Priester eine andere Meinung vertreten als unser Bischof? Dürfen wir aus pastoraler Verantwortung in bestimmten Situationen sogar anders handeln als bischöfliche Weisungen es vorschreiben? Ist nicht nach alter kirchlicher Tradition und auch nach der Lehre des 2. Vatikanischen Konzils das Gewissen die höchste Instanz, nach der wir uns richten müssen? Mit diesem Spannungsfeld setzt sich unsere Tagung, die auch als ein Beitrag zum aktuellen Dialog- bzw. Gesprächsprozess der Deutschen Bischofskonferenz verstanden werden will, auseinander.
Welches "Spannungsfeld"? Die Antwort wurde mit der rhetorischen Gewissens-Frage doch schon gegeben! Allerdings - gebe ich zu - ein wenig schwammig. Daher hier die genaue Erklärung: Jeder Mensch hat ein Gewissen. Jeder Mensch ist dazu in der Lage sich diesem Gewissen verpflichtet zu fühlen. Aber zwei Gewissen können gegenüber einem Problem zu zwei verschiedenen Schlüssen kommen. Dann hat man immer noch zwei Menschen, die jeweils mit sich selbst im Reinen sind, aber man hat keine Lösung. Die tatsächliche Lösung liegt also da, wo der Mensch sein Gewissen formen läßt. Und innerhalb einer so gewaltigen Gruppe wie der aller katohlischen Christgläubigen kann das Ziel einer solchen Gewissensformung natürlich nicht sein, unter allen Umständen und in jedem Fall nur den Eingebungen des eigenen Gewissens zu folgen, sondern die Eingebungen des eigenen Gewissens daraufhin zu prüfen, ob sie mit dem klicken, was eine sich über viele Jahrhunderte hinwegziehende Tradition der Forschung und Lehre erarbeitet hat. Wenn das 2. Vatikanische Konzil das Gewissen als höchste Instanz ausgibt, dann meinen die Konzilsväter damit nicht, daß alles, was vom Gewissen gedeckt wird, automatisch auch gut und heilsam ist. Das sollte eigentlich klar sein.

Achtung: Paradoxon! Man kann im Mainstream schwimmen und trotzdem so ziemlich die ganze Gesellschaft gegen den Kamm bürsten! Nämlich genau dann, wenn der Mainstream die Tradition der kirchlichen Lehre und Praxis von den Vätern bis heute ist. Jedes Heraustreten aus diesem Strom führt dazu, daß man früher oder später nicht mehr weiß, wo einem der Kopf steht, da man hineingespuckt wird in den bunten Zirkus der Bedürfnisse und der "Rechte", wo das "Ehe bitte auch für Priester und Kommunion bitte auch für Nicht-Katholiken" nur die Spitze des Eisbergs sind. Denn außerhalb des Mainstreams herrscht der sogenannte Individualismus. Dieser meint aber eigentlich nur noch, daß alle Menschen immer versuchen werden, für sich so viel wie möglich von dem umzusetzen, was ihr "Gewissen" ihnen eingibt. Und somit wird der Individualismus zum noch viel größeren Mainstream, nämlich zu jenem reißenden Strom, in dem alles schreit "Aber mein Gewissen sagt mir...". Wobei das Gewissen hier dann eben nicht mehr die durch göttliche Wahrheit und kirchliche Lehre geformte innere Prüfungsinstanz ist, sondern einfach nur der Sündenbock, der für diverse Vorstellungen und Wünsche herzuhalten hat.

Natürlich möchte ich keinem der Priester, die sich in irgendeiner Ungehorsams-Initiative organisieren, absprechen, daß sie sich (wie weit auch immer) dabei von ihrem Gewissen leiten ließen und lassen. Es ist aber dringend angeraten, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Und dieses Ziel lautet - wenn ich mich recht entsinne - nicht "Alles hier und jetzt auf Erden" sondern eher "Seligmachende Gottesschau in der ewigen Vollendung des Himmels".

Kommentare:

Arminius hat gesagt…

Wenn diese Herren an den Käßmannkirchen so viel Vorbildliches finden, sollten sie auch ernsthaft über einen Wechsel dorthin nachdenken. (Viele Tränen würde man ihnen dabei nicht nachweinen.)

Cicero hat gesagt…

Naja, das ist ja gerade das Problem. Sie wissen ja im Grunde, daß es so nicht funktionieren wird. Sie wissen auch, daß nur da wo der Papst steht auch die Kirche ist. Aber die Kirche soll sich eben so verbiegen, daß sie wieder zu ihrem Gewissen paßt.
Das wird aber nicht passieren.

So werden sie irgendwann biestig und verbittert erklären, daß sie ja gerne die Kirche retten würden, aber die böseböseböse Hierarchie sie einfach nicht läßt.

Diese ganze Initiativengründung, diese ganze Memorandaliererei schafft nur Illusionen, Enttäuschungen und Verbitterungen.
Bei Priestern und bei Gläubigen.

Das ist das Schlimme daran.

Mit ein paar knackig, kämpferisch präsentierten Häresien könnte man leichter leben, als mit diesem butterweichen, zeitgeistgespülten ¨Wir wollen Besserkatholiken sein.¨

Die Gelackmeierten sind die Bischöfe. Suspendieren sie die Ungehorsamen, machen sie Märtyrer. Lassen sie sie im, Dienst, riskieren sie noch mehr Nachahmer.

Mein Tip: Besser ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.

Bellfrell hat gesagt…

@Cicero
D'accordo!