Freitag, 2. August 2013

Volksnah oder schäfchennah?

Diese Geschichte läßt sich eigentlich ganz einfach aufdröseln:

In Jeans und T-Shirt bin ich als Priester nicht "näher beim Volk". Ich bin nur einer unter Hunderten oder Tausenden, der genau das tut, was diese Hunderte oder Tausende ebenfalls tun: Sich aussuchen, wie nahe er den Anderen wirklich sein will. Schließlich werde ich als Priester ja nicht erkannt und kann daher, wenn die Situation es meiner Meinung nach verlangt, auch durchaus einmal so tun, als sei ich kein Priester. In Jeans und T-Shirt bin ich als Priester also nicht näher beim Volk, sondern lediglich weiter von meiner Identität entfernt.

In Habit oder mit Kollar bin ich als Mensch nicht nur dem Volk ebenso nah wie in Jeans und T-Shirt, sondern ich bin für die Herde auch als Hirte erkennbar, was sich für mich persönlich bereits in vielen "Sind sie Priester? Ich hätte da mal 'ne Frage!"-Situationen ausgezahlt hat. Klar: Manchmal knurren auch die Wölfe, weil man als Hirte, der unter den Schäfchen wandelt, ihnen die Arbeit schwer macht. Aber so soll es ja auch sein.

Die "Volksnähe" ist in Wirklichkeit nichts anderes als Untertauchen. Denn wie oft geschieht es schon, daß auf einem belebten Platz über Lautsprecher plötzlich alle in zivil herumlaufenden Priester gebeten werden, aufzuzeigen, damit man sie zuerst erkennen und sie dann für ihre Volksnähe loben kann?

Liebe Mitbrüder im priesterlichen Dienst: Schmeißt Euch in die Kluft! Nicht aus Eitelkeit, nicht aus Wichtigkeit, sondern weil es richtig und gut ist.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Als der neue Priester unserer Gemeinde im Internet vorgestellt wurde, war er auf dem Bild unschwer als Priester zu erkennen. Nach wenigen Tagen war das Bild verschwunden.
An seiner Stelle erschien das Bild eines Mannes, der auch ganz gut ein Gesamtschullehrer auf einer Beerdigung hätte sein können.

Da fragt sich der geneigte Leser schon, wer alles ein Interesse an unauffälligen Priestern hat.

Admiral hat gesagt…

Dieser Artikel muß ins Buchprojekt. :-)

Braut des Lammes hat gesagt…

Anonym: du weißt aber nicht, auf wessen Veranlassung die Bilder eingesetzt bzw. ausgetauscht wurden. Insofern braucht man sich nicht zu fragen – ausschlaggebend im Sinne des Artikels ist doch, wie sich der betreffende Priester kleidet.

Juergen hat gesagt…

»…ausschlaggebend im Sinne des Artikels ist doch, wie sich der betreffende Priester kleidet.«

Meine Liebe Lammes Braut,

wohldenn, wenn ein Bild ohne Priesterkleidung im Internet aufgetaucht ist, dann ist doch wohl davon auszugehen, daß sich nämlicher Priester hat ohne Priesterkleidung ablichten lassen. Somit hat er zu dem Zeitpunkt der Entstehung des Bildes keine Priesterkleidung getragen.

Es ist wohl weniger davon auszugehen, daß ihm per Photoshop (o.a.) etwas anderes angezogen wurde.

Le Penseur hat gesagt…

@Don Alipio:

Völlig richtig beobachtet! Ich bin zwar, was liturgischen Kleidungspimp betrifft, deutlich unter Ihrem Wohlfühl-Level angesiedelt (von mir aus könnte der Pfarrer im Clergyman am Altar stehen), aber die meist bloß die Feigheit und/oder Bequemlichkeit maskerende »Volksverbundenheit« geht mir auch auf den Zeiger!

Wobei dieses mein Kleidungs-Gravamen auch für die Laien gilt: von wahrhaft tropischen Temperaturen (wie jetzt) einmal abgesehen — es gibt keinen Grund, warum ein Gottesdienstbesucher in Jeans und Rolli (u. dergleichen) in die Messe gehen muß! So ginge er wohl auch nicht zum Vorstellungsgespräch bei der neuen Firma, warum also in den Gottesdienst?!

@Jürgen:

Somit hat er zu dem Zeitpunkt der Entstehung des Bildes keine Priesterkleidung getragen.

Das ist zwar 100% korrekt, aber völlig irrelevant. Denn es wird wohl keinen Priester geben, der immer in Clergyman / Soutane / Habit rumläuft. Oder glauben Sie ernstlich, daß ein Priester im Urlaub am Meeresstrand mit römischem Kollar unterwegs ist? Oder beim Bergsteigen? Oder beim Holzscheite hacken (sofern er ein Landpfarrer ist)? Oder ..., oder ...

Le Penseur hat gesagt…

so sorry: es sollte natürlich "Kleidungspomp" heißen!

Admiral hat gesagt…

Oder glauben Sie ernstlich, daß ein Priester im Urlaub am Meeresstrand mit römischem Kollar unterwegs ist? Oder beim Bergsteigen? Oder beim Holzscheite hacken (sofern er ein Landpfarrer ist)?

Also mein Vikar zieht das durch. Immer Kollarhemd, egal was ansteht.
Holzscheite hacken vermeidet er allerdings.....

Dieter Philippi hat gesagt…

Zwei Briefe (Antworten) von Joachim Kardinal Meisner:

1.
Priesterkleidung der Priesteramtskandidaten

2.
Kleidung er Priester im Alltag

Braut des Lammes hat gesagt…

Lieber Jürgen, der Anonymous hat anhand eines Fotos der Pfarre angedeutet, es gäbe womöglich noch mehr Leute oder Gruppen, die ein Interesse daran hätten, daß ein Priester unauffällig erscheine. Daraufhin hab ich angedeutet, daß es womöglich der Priester selber in der Hand hat, welches Bild von ihm auf der Gemeindeseite erscheint, oder welchem Gewand er den Vorzug gibt. Soweit sollte er schon Manns genug sein, das erwarte ich ganz einfach.

Anonym hat gesagt…

Auf unserem Markt verkauft ein wie Gärtner Pötschke gekleidete Kleingärtner die meisten Tomaten an seinem Stand stehen viele Leute und der Standbetreiber nebenan kann nur neidisch gucken. Wie in der Werbung bekannt sind deutliche Zeichen immer empfehlenswert. Genau wie ein Arzt mit dem weißen Kittel Vertrauen bekommt etc etc.