Freitag, 9. August 2013

Unsere Urteile / Gottes Barmherzigkeit

Hier kommt ein Grund, warum manche "Schock!"-Erlebnisse, die uns vom WJT überliefert sind, mich nicht so arg in Rage stürzen.

Tanzenden Bischöfe? Hätte man mich vorab gefragt, dann hätte ich die Hände vor den Kopf geschlagen und sowas gesagt wie "Naja... Wenn sie denn unbedingt meinen, daß das reiche Frucht bringt...". Während ich das Video ansah, konnte ich mir zuerst ein Grinsen nicht verkneifen und fand es später sogar irgendwie niedlich/sympathisch. Aber grundsätzlich: Muß ich nicht haben...

Der Papst "schändet" eine der vier Hauptbasiliken, indem er ein T-Shirt und einen Strandball auf dem Altar ablegt? Keine Ahnung, was der tiefere Sinn dahinter ist. Vielleicht sollen diese lockeren bzw spielerischen Accessoires so etwas symbolisieren wie die Beschwingtheit des Papstes nach dem für ihn offenbar zufriedenstellenden Trip, und Franziskus gibt nun mit dieser Geste Gott sichtbar etwas zurück. Ich finde den Barock/Plastik-Kontrast zwar nicht geschmackssicher, aber der Heilige Vater hat das Zeugs ja nicht in der Stiftsbasilika von Klosterneuburg abgelegt.

Beim Weltjugendtag wird der Leib des Herrn in Wegerfplastikbechern ausgeteilt? Erstmal: Extremes Zehennägelbügeln war angesagt. Dann: So etwas gäb's bei mir nicht. Ich will gar nicht wissen, wie da später "purifiziert" wurde. YIKES!

Jedoch: Ich habe mal irgendwo gelesen, daß Gott barmherzig ist. Und ich habe es geglaubt. Und so lange ich das glaube, kriege ich bei diversen Anlässen sicherlich immer wieder mal Retina-Pilz und "Nobody expects the Spanish Inquisition"-Zuckungen, aber (und vielleicht ist das tatsächlich auch zum Teil ein Verdienst von Papst Franziskus) mir geht seit einiger Zeit die Fähigkeit und die Lust ab, da reinzugrätschen. Ich weiß eh schon, daß Gott mir in Sachen Barmherzigkeit immer meilenweit voraus sein wird. Deswegen werde ich gerne schauen, gerne reden, gerne verbessern und gerne warnen. Aber ich werde nicht mehr so gerne urteilen.

Damit wir uns richtig verstehen: Es muß jeder unachtsame Umgang mit dem Allerheiligsten vermieden werden, es muß jeder öffentlich gewordene unachtsame Umgang mit dem Allerheiligsten von den dafür autorisierten Stellen unterbunden und - wo nötig und möglich - geziemend geahndet werden, und es muß vor jedem weiteren unachtsamen Umgang mit dem Allerheiligsten mit eindeutigen Worten gewarnt werden.

Und genau darum ist es für mich als Pfarrmoderator wohl der gesündere Weg, nicht im Nachhinein Gift in Richtung Rio zu spucken, sondern lieber rechtzeitig die Leute vor Ort anständig darüber aufzuklären, was das Allerheiligste ist und wie man damit umgeht.

Gott wird sich um den Rest kümmern. Denn Gott ist derjenige, der richtet. Und Gott ist barmherzig. Ich weiß nicht, wie weit diese Barmherzigkeit reicht gegenüber jenen, die in böser Absicht und bei vollem Bewußtsein den Leib unseres HErrn schänden. Aber mein Glaube lehrt mich, daß die tanzenden Bischöfe und der plastikballdeponierende Papst da im grünen Bereich sind. Und ich bin mir fast sicher, daß Gottes Barmherzigkeit auch dort noch greift, wo Leute sich in einer Situation wiederfinden, die sie schlicht überfordert und in der sie aus einer (wohl auch schlechter Katechese und dem grassierenden Einsatz ungeübter außerordentlicher Kommunionhelfer geschuldeten) gewissen Naivität heraus handeln.

Natürlich: Die Plastikbecher-Nummer war vollkommen überflüssig und ziemlich sicher sakrilegisch. Irgendwer hat da bei der Organisation ganz fest geschlafen, und dann war der Druck auf die Kommunionhelfer plötzlich da, und man will ja nett sein, und man will ja niemanden ohne Kommunion nach Hause gehen lassen, und wehe es können nicht alle am geschwisterlichen Mahl teilnehmen etc... Ich weiß aber, daß Gott einen tiefen Blick in die Herzen aller Beteiligten werfen und Dinge entdecken wird, die mir zwangsläufig verborgen bleiben müssen, weswegen SEin Urteil ergehen möge und nicht meines. Ich hoffe nur, daß nun - wo die "Cupgate"-Bilder um die Welt gegangen sind - sich eine solche Szene niemals wiederholen wird. Sonst könnte ich leider nicht mehr an Naivität glauben sondern müßte schon fast Gleichgültigkeit oder gar böse Absicht vermuten noch fester auf Gottes Barmherzigkeit für jene Seelen vertrauen. Warten wir's ab...

Mein Tip an alle da draußen, die das hier vielleicht lesen und sich plötzlich daran erinnern, daß sie das Allerheiligste einmal nicht so behandelt haben, wie es sich gebührt: Geht zur Beichte und macht es Euch zur Gewohnheit, nie wieder zu vergessen, welchen Stellenwert eine Sache hat, die von der Kirche als "Das Allerheiligste" bezeichnet wird!

Ach so! Um das Ganze verkürzt auszudrücken: Ich möchte, daß die Menschen das Allerheiligste nicht deswegen mit allem gebührenden Respekt behandeln, weil sie Angst vor einem grausamen Gottesurteil haben (welches Übereifrige gerne vorzeitig schon mal an Gottes Stelle aussprechen). Sondern ich möchte, daß die Menschen das Allerheiligste mit allem gebührenden Respekt behandeln, weil sie Gott und SEine Barmherzigkeit lieben (eine Empfindung, die ohne jeden Eifer durch kluge Unterweisung, glaubwürdiges Zeugnis und nachahmenswertes Vorleben angeregt werden kann).

Kommentare:

Martina Baro hat gesagt…

Nicht schlecht!
Im Zweifelsfall die Aussage (oder das Tun) des Nächsten eher zu retten versuchen, statt zu verurteilen, rettet in der Regel eben diesen Nächsten.

Bravo, Merkwürden! ;)

Anonym hat gesagt…

Hallo, was ist an den Plastikkelchen so verwerflich? In vielen evangelischen Gemeinden sind -euphemisch Einzelkelche genannte- Plastikpinnchen Gang und Gebe. Ich vermute, es hat mit der Wandlung zu tun?
Schönen Abend noch
Schwebse

chiqitac hat gesagt…

Merci, Hochwürden!
Ein Post, der meine volle Zustimmung findet...

Anonym hat gesagt…

Die Plastikbecherchen kenne ich aus amerikanischen protestantischen Gottesdiensten. Ich nehme an, die nehmen sie aus logistischen Gründen. Ist also kein genuin katholisch-postmoderner Skandal.

Ich finde Ihren Post ungewöhnlich milde und sehe das ähnlich: der Kern, das Wesentliche muss gewahrt werden. In dem Fall: wie geht man mit dem Allerheiligsten um? Ganz vile anderes ist ganz viel periphäres Zeug und Geschmackssache. Seltsame Pop-Art-Bilder oder kindertraumatisierendes gotisches Kreuzigungsgrauen; hippiesk umtanzte Altäre und langweiliges Gemurmel auf Latein - das ist Geschmackssache, da soll jeder nach seiner Facon selig werden.
Katholisch heißt nicht umsonst "das Ganze betreffend" und nicht "alle, bis auf die, die lieber Altäre umtanzen und doch bitte zur Konkurrenz gehen sollen."
GOTT ist der KERN, die Essenz, das Wesentliche.

M. G. hat gesagt…

Diese "praktischen" Argumente für Plastikbecherkommunion finde ich abstoßend. Warum ging es sonst auch bei großen Papstmessen ohne? Oder ist das wieder dieses "lockere" südamerikanische , womit ich keinen Vertrag habe. Das Protestanten Brot in Bechern rumreichen hat nichts mit der katholischen Handhabung zu tun. Sonst können wir auch Keksdosen statt Tabernakel aufstellen.Habe mich bei Facebook gegen diese Plastikbecherei mit eindeutigeWorten geäußert und was geerntet? Die Ansage ich hätte nichts, aber auch garnichts verstanden. Durch die Kirche gehen tiefe Gräben. Ich bin darüber sehr traurig, wegen meines Gemütes überwiegt aber leider der ÄRGER. Was habe ich nicht verstanden?

Alipius hat gesagt…

@ M.G.: Es ist richtig, sich über den Gebrauch der Plastikbecher zu ärgern und sich dagegen zu äußern. Jeder, der einem daraufhin unterstellt, man hätte nichts verstanden, hat einen Ratsch am Kappes. Mir war nur wichtig, daß wir vom Ärger über den Mißbrauch nicht automatisch zum Urteil über die Person schreiten.

M.G. hat gesagt…

Danke für die Antwort.