Donnerstag, 22. August 2013

Kann das wirklich sein?

Eine "pissed off mother" hat folgenden Brief an die Mutter eines autistischen Jungen geschrieben:


Ich kann mich leider nicht mit dem Gedanken trösten, daß dieser Brief eine Art "Jux" oder "Publicity Stunt" ist, weil er selbst in diesem Fall immer noch ein Zeugnis ziemlicher Vertierung darstellte. Irgendwo habe ich gelesen, daß die Polizei ermittelt (weiß nicht mehr, wo). Also scheint die Sache ernst genug zu sein.

Mir fehlen auch nach drei Tagen und nach mehrmaligem Lesen des Briefes immer noch die Worte.

Ich bin jedenfalls schwer erschüttert, daß eine Mutter solche Sätze verfaßt hat. Sie schwingt sich in ihrem Brief zwar irgendwie zur Flüstertüte auf für alles, was "normal" ist. Aber bei mir kommt durch das weiße Rauschen leider nur "Gaga" an. Ich hoffe daher, daß wenigstens ihre eigenen Kinder daheim nicht allzu viele Geschmacksrichtungen aus dem Hause "Verrückt-Hysterisch" serviert bekommen.

Was ist eigentlich mit uns los? Wo kommen solche Briefe nur her?

Kommentare:

kalliopevorleserin hat gesagt…

Das einzig Positive ist, daß die Polizei ermittelt. Mir tun die Kinder dieser gräßlichen Person *treffendere Ausdrücke aus Gründen des Anstandes vermeid* furchtbar Leid. Was die Mutter des Autisten angeht, kann ich nur hoffen und beten, daß sie einen Weg findet, auf gute Weise mit der traurigen Tatsache dieser Nachbarschaft umzugehen.

Admiral hat gesagt…

Bin
*sprachlos*
und
*stinkwütend*
!

Matthias Ruckenbauer hat gesagt…

Einer meiner Lieblingsautoren, Terry Pratchett, hat das in mehreren seiner Bücher gut ausgedrückt (Zitate hier kopiert von wiki.lspace.org):

'Multiple exclamation marks,' he went on, shaking his head, 'are a sure sign of a diseased mind.' -- in Eric

Five exclamation marks, the sure sign of an insane mind. -- in Reaper Man

'And all those exclamation marks, you notice? Five? A sure sign of someone who wears his underpants on his head.' -- in Maskerade

Man zähle jetzt einmal die Anzahl der Ausrufungszeichen und ziehe seine eigenen Schlüsse wo die arme Frau ihre Unterwäsche trägt. Wenn ich mir vorstelle, wie es sein muss mit so einem Zorn und Haß zu leben, tut sie mir leid. Sie hat keine Ruhe, keinen Frieden. Was ist, wenn das eine Störobjekt tatsächlich beseitigt werden sollte? Sind dann die Babies und Hunde dran? Und wenn dann wirklich einmal Ruhe ist, wen bekämpft sie dann? Sich selbst?

Notiz an selbst: Nicht vergessen für die Frau zu beten.

Matthias

Le Penseur hat gesagt…

@all:

Auf die Gefahr hin, jetzt von mitfühlenden Mitchristen (inkl. Don Alipio) als abscheuliches Monstrum angesehen zu werden, gebe ich ein paar Einwände zu bedenken — aber Juristen können wegen einer DNA-Prägung des »audiatur et altera pars« ;-) wohl nicht anders:

1. wissen wir nicht, wie sich das autistische Kind aufführt, und wie konstant dieses Verhalten an den Tag gelegt wird. Nehmen wir bspw. an, dieses Kind würde andere, kleinere Kinder durch aggressive Attacken bedrohen und völlig einschüchtern — ich kann mir dann schon vorstellen, daß eine Mutter, die ständig ihre verängstigten Kinder trösten und beruhigen muß, irgendwann ausrastet. Ist sicher nicht 100% nett, aber nachvollziehbar.

2. wissen wir nicht, wie sich die Mutter des Autisten auf etwaige — durchaus wahrscheinliche, denn so ein Brief kommt wohl nicht »out of the blue«! — frühere (und zurückhaltender formulierte) Beschwerden der Nachbarschaft verhalten hat. Ich habe zwar noch nie mit Müttern autistischer Kinder zu tun gehabt, aber solche von total verzogenen Kindern sind mir in Restaurants, bei Bahnfahrten, in Wartezimmern etc. durchaus begegnet — und wenn ich dann in Einzelfällen auf die höfliche (wenngleich zunehmend nachdrücklichere) Bitte, das Kind zur Ordnung zu bringen, eine rotzfreche Antwort bekam, begann auch mein Blut, wie man so schön sagt, zu sieden — und meine Ausdrucksweise wurde dann ... ähm, sag'ma mal: situations- und milieuadäquat ...

3. mag es zwar sein, daß unser Nanny-Staat für solche Briefe irgendeinen Paragraphen bereithält, nach welchem polizeiliche Ermittlungen angestellt werden können — in »Rechtsordnungen«, die bspw. die Privatautonomie durch Frauen-, Schwulen-, Ausländer- etc. -quoten bedenkenlos aushöhlen, ist schließlich alles möglich.

Aber Hand auf's Herz: der Brief mag Ehrenbeleidigungen enthalten, doch das ist wohl nirgends ein Offizialdelikt — und wo kein solches, da auch keine Polizeiermittlungen! Sollte wenigstens so sein in einem Rechtsstaat.

Irgendwelche Larifari-Argumente von »hate crime« u. dergl. machen mir wegen der impliziten Einschränkung des Grundrechts auf Meinungsäußerung weitaus mehr Sorgen als mangelnde Polizeiverfolgung herzloser Briefe — mal davon abgesehen, daß unsere Rechtsstaatlichkeit durch die Einführung dieser Gesinnungsjustiz-Tatbestände nicht bloß nichts gewonnen hat, sondern vielmehr in ihren Fundamenten untergraben wurde. Denn gerichtliche und behörliche Strafen sollten eben nur (!) für Taten, nicht für Gesinnungen verhängt werden. »Sire, geben Sie Gedankenfreiheit«, schreibt schon Schiller. Wollen wir wirklich hinter diesen Standard zurückfallen?

Wer hier einen sicher höchst taktlosen, aber keineswegs etwa Drohungen aussprechenden Brief durch ein Gerichtsurteil sanktioniert sehen will, leistet der weiteren Aushöhlung der Privatautonomie (zu der eben auch gehört, jemandem klipp und klar zu erklären, daß man sein Verhalten bzw. Unterlassen von Verhalten als indiskutabel ansieht) Vorschub.

Muß man wirklich ein Jurist sein, um über derlei Ansinnen ebenso *stinkwütend* zu sein, wie es Kollege »Admiral« in legitimer Ausüberung seiner Privatautonomie über den zit. Brief ist ...?

Anonym hat gesagt…

Le Penseur,

die Prägung des Juristen auf "audiatur et altera pars" - eine sehr schöne Wendung. Auch ich trage dieses Siegel (nicht grad ein "character indelibilis", aber viel fehlt da nicht). Und da muss ich leider sagen, ich trüge keinen großen Anstand, dieses Schreibens wegen Ermittlungen zu pflegen.

Was nun das Verhalten der Obsorgeberechtigten (um den schönen, aber hier nicht treffenden Ausdruck "Mutter" zu vermeiden) des autistischen Kindes angeht, so sind wir hier auf "wüdes" Spekulieren angewiesen; der Sachverhalt enthält keinerlei Angaben. Was nun die Gesinnung der Briefschreiberin angeht, die ist unzweideutig zum Ausdruck gebracht; erstens durch die Multiplikation der Satzzeichen (danke Matthias Ruckenbauer), zweitens dadurch, dass sie es vermieden hat, den Brief namentlich zu zeichnen. Diese Wesensart kennt jeder praktizierende Jurist zur Genüge: Die betreffenden Personen beschimpfen ihnen unsympathische Leute am Telephon, zeigen Nachbarn an, schicken Hass- oder Drohbriefe (so wie hier) - meist anonym. In einer größeren Wohnanlage kann eine solche Giftspritze den allgemeinen Frieden massiv gefährden.

M.E. haben wir hier einen Fall von Überschreitung des Grundrechts auf Meinungsfreiheit: Diese meint, dass ich mir zwar denken kann, jemandem ginge es besser, wenn man ihn mit a) Tötungsvorsatz und b) Mitleid umbrächte (zu Euthanasie rät die Briefschreiberin ja ziemlich unverblümt), dass es aber gewisse Schranken gibt, wenn ich diese Meinung zum Ausdruck bringen will. Denn wenn das tatsächlich straffrei bleiben sollte, dann könnten wir ja alle, ganz so wie der Lord High Executioner in Gilbert & Sullivans "Micado" singen: "I've got a little list" (Leute, die man bei Bedarf abmurksen sollte) - un die zählt er dann alle auf, sehr unterhaltsam. Was mich angeht: Yes, I've got a little list. No, you cannot have it.

Zwetschgenkrampus

Le Penseur hat gesagt…

@Zwetschgenkrampus:

ich trüge keinen großen Anstand, dieses Schreibens wegen Ermittlungen zu pflegen

Warum? Etwa weil

... Hass- oder Drohbriefe (so wie hier) - meist anonym. In einer größeren Wohnanlage kann eine solche Giftspritze den allgemeinen Frieden massiv gefährden.

Sehe ich absolut nicht so. Zunächst kann ich aus dem Schreiben keinerlei Drohung erkennen. Mein Englisch ist durchaus gut — aber vielleicht habe ich da einfach was überlesen. Bitte um Hinweis, welche »Drohung« vorliegen soll.

Was den »Haß« betrifft: ja, da bin ich vermutlich grundsätzlich anderer Meinung als Sie. Ich halte es für einen höchst bedenklichen Mißbrauch der Staatsgewalt, wenn aufgrund einer bloßen Gesinnung (und das ist u.a. eben auch »Haß«) die Strafjustiz eingreifen soll. Wer mir nichts tut, kann mich von mir aus hassen, wie er will — seine Magengeschwüre sind sein Problem, nicht meines!

... Überschreitung des Grundrechts auf Meinungsfreiheit: Diese meint, dass ich mir zwar denken kann, jemandem ginge es besser, wenn man ihn mit a) Tötungsvorsatz und b) Mitleid umbrächte (zu Euthanasie rät die Briefschreiberin ja ziemlich unverblümt), dass es aber gewisse Schranken gibt, wenn ich diese Meinung zum Ausdruck bringen will.

Nein: die Meinung zum Ausdruck (!) bringen zu können ist das, was man darunter versteht. Sonst hätte auch unter Hitler und Stalin »Meinungsfreiheit« geherrscht!

Mir erschließt sich nicht, inwieweit bspw. der Art. 10 EMRK durch den Brief verletzt würde, denn die dort genannten Einschränkungen:

Die Ausübung dieser Freiheiten ist mit Pflichten und Verantwortung verbunden; sie kann daher Formvorschriften, Bedingungen, Einschränkungen oder Strafdrohungen unterworfen werden, die gesetzlich vorgesehen und in einer demokratischen Gesellschaft notwendig sind für die nationale Sicherheit, die territoriale Unversehrtheit oder die öffentliche Sicherheit, zur Aufrechterhaltung der Ordnung oder zur Verhütung von Straftaten, zum Schutz der Gesundheit oder der Moral, zum Schutz des guten Rufes oder der Rechte anderer, zur Verhinderung der Verbreitung vertraulicher Informationen oder zur Wahrung der Autorität und der Unparteilichkeit der Rechtsprechung.

werden m.E. durch den Brief nicht (oder nur in bewußt negativer Auslegung desselben) berührt. Der Brief ist ein anonymes Schreiben von großer Taktlosigkeit, mehr nicht. Solange aber linke Demonstranten skandieren dürfen »Hätte Maria abgetrieben etc.« (und dieses Recht will ich ihnen keineswegs besteiten, wenn ich mit seiner Ausübung auch nicht d'accord gehe!), solange darf eine Nachbarin gegenüber einer Mutter eines autistischen Kindes mit gleichem Recht die Euthanasie desselben als piepegal bezeichnen.

Nochmals: das ist fraglos weder nett noch taktvoll — aber kein Verbrechen, bzw. sollte m.E. wenigstens keines sein.

Anonym hat gesagt…

Diese Briefe kommen aus der Mitte unserer Gesellschaft. Jeder/jede, die beruflich mit behinderten Menschen zu tun hat, kennt diese Ausbrüche zu genüge. Versuchen Sie nur einmal mit einer Gruppe behinderter Kinder in einer Eisdiele etwas zu essen. Da kann man ich Ausbrüche anhören, die den Inhalt dieses Briefes weit übertrumpfen. es ist so leicht, gegen Schwache aufzustehen.
Ändern kann sich nur etwas, wenn wir alle uns darüber bewusst werden, dass die Grenzlinie von Gut und Böse durch unser eigenes Herz verläuft (Solschenizyn) und dass wir selbst jeden Tag Zeugnis geben können für Toleranz und Mitmenschlichkeit.

clamormeus hat gesagt…

@anonym

Da mag ich mich gern anschließen. Was diese Mutter und Nachbarin da schreibt, ist abscheulich; aber wer deswegen nach der Polizei und der Justiz ruft - falsche, amoralische, empfindungslose Gesinnung muß bestraft werden!- ist, sorry, so was auf dem wilhelmischen Holzmichelirrweg, der dieses Land (D)immer wieder heimsucht.

Diese Auseinandersetzung, solchen üblen Ansichten wie die dieser Mutter entgegenzutreten, ist Sache der Gesellschaft, nicht stattlicher Organe. Es gibt leider schon wieder viele Deutsche, die Staat und Gesellschaft nicht unterscheiden wollen. man gewinnt gar nichts, wenn man diese Mutter bestraft, man gewinnt alles, wenn man sie zur Einsicht in ihre Fehlhaltung bewegen kann.

Anonym hat gesagt…

ad Le Penseur:

Ja, wenn Sie sich an die EMRK halten wollen ... mit der ist ja wirklich alles zu rechtfertigen.

Nein, ich hätte da eine oder zwei Ebenen drunter angesetzt. Ohne jetzt die deutsche Rechtsordnung und/oder -sprechung näher zu kennen, hätte ich mir bei Gelegenheit einmal angesehen, ob dieser Brief nicht u.U. (von den Umständen, unter denen er an verfaßt wurde und an die Öffentlichkeit gelangt ist, wissen wir ja nichts) geeignet wäre, den § 118 OWiG ("grober Unfug") zu verwirklichen.

Wobei ich hier ehrlich sagen muss, der Brief macht den Eindruck, von einer menschlichen Dreckschleuder verfaßt worden zu sein; und wenn man sich mit so jemandem intensiver abgibt, dann patzt man sich erfahrungsgemäß selbst nicht unerheblich an ...

Zwetschgenkrampus

Le Penseur hat gesagt…

@Zwetschgenkrampus:

1. stellt der § 118 OWiG nur einen Auffangtatbestand dar, den ich rechtspolitisch gelinde gesagt für skandalös halte. Das ist ein derart substanzloser Gummiparagraph (gegen den sich das "gesunde Rechtsempfinden des deutschen Volkes" noch hieb- und stichfest ausnimmt!), daß ich mich nur wundern kann, daß ihn Karlruhe noch nicht gekippt hat.

2. doch abgesehen davon: was ist hier "grober Unfug", geeignet "die Allgemeinheit zu belästigen oder zu gefährden und die öffentliche Ordnung zu beeinträchtigen"?

Wenn das in dem Brief verwirklicht wäre, müßte die Redaktion der BILD-Zeitung permanent auf der Anklagebank sitzen, wären aktuell alle Parteien für ihre saublöden Wahlplakate zu verknacken (o ja! Die belästigen die Öffentlichkeit nämlich wirklich!).

Gegen den geballten Schwachsinn der "UND DU?"-Kampagne, oder der "WIR"-Kampagne, oder der "Nur mit uns"-Kampagne etc. ist der Brief einer genervten Mutter ja geradezunoch erquicklich zu nennen ...

Der Ruf nach Strafe für eine Ordnungswidrigkeit — in der Tat: " wilhelmischer Holzmichelirrweg" ist die richtige Bezeichnung dafür!

Anonym hat gesagt…

ad Le Penseur:

Seien Sie beruhigt, ich greife in diesem Zusammenhang nur noch einmal zur Tastatur ...
- betr. wer aller Kandidat für eine Anzeige wg. "groben Unfugs" ist: Sagt mir nichts, als Ösi habe ich im Moment genug damit zu tun, mir in unserem eigenen Wahlkampf die Ohren und die Nase zuzuhalten; aber ich hätte auch eine Liste mit Vorschlägen ...
- es tut mir ja sehr leid, aber nicht einmal an Kaiser Wilhelms "aber nur mit'm Bart" Ära war alles SO schlecht, auch wenn die Galeonsfigur dieser Zeit nachweislich nicht geschäftsfähig war (siehe die Biographie von John Röhl);
- und wenn dieser § an Kaiser-Wilhelm-Restbestand nun wirklich alles wäre, was an der eigenen Rechtsordnung unerwünscht bis abzulehnen wäre, dann könnten wir, Sie wie ich, uns wohl glücklich schätzen; oder nicht?
- Und damit genug zu dieser widerlichen Angelegenheit!

Ihr Zwetschgenkrampus

Anonym hat gesagt…

Ich bleibe dabei, es ist unsere Aufgabe, selbst in unseren Herzen zu prüfen, wo unsere Linie zwischen Gut und Böse verläuft. Und es ist unsere Aufgabe, uns neben die Schwachen zu stellen und sie zu stärken. Nur so können wir eine andere Melodie in den "Klang der Welt" bringen. Paragraphen nützen da nicht viel. Liebe will gelebt sein, d.h. in solchen Fällen ist Profil gefragt und den Mut, aufzustehen und sich neben diese Frau und ihr Kind zu stellen. Behinderung ist etwas, das behindert - im Alltag, am Leben, in der Normalität. Wo behindere ich andere? Wo kann ich Brücke sein und wie weit steht es mit meiner eigenen Toleranz?
Das ist ein schwieriger Weg, allerdings bin ich davon überzeugt, dass nur dieser Weg dauerhaft Veränderung bringen kann. Nochmal, ich spreche nicht von einem singulärem Ereignis. Überall und zu jeder Zeit werden Menschen, die an den Rand gedrängt sind, verjagt und nicht gewollt. Dieser Brief ist nur eine Stimme von vielen.

kalliopevorleserin hat gesagt…

Vielleicht sollte man noch den feinen Unterschied zwischen ermitteln und bestrafen zur Kenntnis nehmen.
Ein Brief, der die Tötung von Menschen propagiert, mag noch gerade eben kein Delikt sein, obwohl ein Jurist hier den Aufruf zu einer schweren Straftat sehen könnte. (Mit amerikanischem Recht kenne ich mich nicht aus; es ist da wohl wesentlich toleranter.)
Ermittlungen sind aber nicht völlig unsinnig, wo man befürchten muß, daß ein Tötungsdelikt oder zumindest eine schwere Körperverletzung vorbereitet wird. Dieser Verdacht ergibt sich aus dem Brief nicht notwendig, ist aber nicht übertrieben.
Nun wurde in diesem Fall bereits gesagt, daß es sich laut polizeilicher Angaben bei dem Brief nicht um ein "hate crime" handelt - stimmt, hate ist es, crime noch nicht. Ob weiter ermittelt wird, weiß ich nicht, es wäre aus den angegebenen Gründen m.E. nicht unsinnig, aber auch nicht zwingend erforderlich.

Wilde Spekulationen darüber, wie der Junge und seine Mutter sich verhalten haben, mit dem Grundsatz "audiatur et altera pars" zu rechtfertigen, wenn die andere Seite anonym einen verstörenden und widerwärtigen Brief schreibt, sind m.E. nicht juristisch gerechtfertigt, sondern schlicht böse.

Le Penseur hat gesagt…

@Kalliopevorleserin:

Wilde Spekulationen darüber, wie der Junge und seine Mutter sich verhalten haben, mit dem Grundsatz "audiatur et altera pars" zu rechtfertigen, wenn die andere Seite anonym einen verstörenden und widerwärtigen Brief schreibt, sind m.E. nicht juristisch gerechtfertigt, sondern schlicht böse.

Ein Vorwurf, den ich in seiner Schlichtheit so nicht teile.

Bei jedem Verhalten, insbes. einem, von dem Sie als einzige Positives befinden, »daß die Polizei ermittelt«, lohnt es sich stets, nach den mutmaßlichen Motiven zu fragen, denn über den altgermanischen Rechtsstatus des »Die Tat tötet den Mann« sind wir, Gott sei Dank, inzwischen hinausgekommen. Und die »subjektiven Tatseite« (also das Verschulden) ist eben (neben der »objektiven« der Rechtswidrigkeit — wiewohl ich nicht einmal diese als gegeben ansehen würde!) unabdingbar, wenn eine Strafe eintreten soll.

Sorry, für die etwas »juristische« Betrachtung der Sache, aber es ist m.E. angebracht, zwischen moralisch berechtigter Empörung über den Brief und der Forderung nach polizeilicher Verfolgung zu differenzieren.

Was Sie (und das will ich betonen!) in Ihrem zweiten Posting ja auch weitgehend tun.