Montag, 19. August 2013

Das Säuseln der Barmherzigkeit...

Im Buch Deuteronomium heißt es "Die Rache ist mein". Und in der Bergpredigt steht: "Selig, die keine Gewalt anwenden, denn sie werden das Land erben... Selig die Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden... Selig, die Frieden stiften, denn sie werden Söhne Gottes genannt werden".

Ergo: Wenn überhaupt Rache, dann sicherlich nicht durch uns und wegen unserer Befindlichkeiten.

Wenn wir Menschen rächen, dann machen wir einerseits vermeintliches Unrecht wieder gut oder begleichen eine angeblich noch offene Rechnung, liefern aber gleichzeitig einen Grund, sich wiederum an uns zu rächen, nämlich genau für das, was wir Wem-auch-immer mit unserer Rache angetan haben.

"Rache" auf menschlich ist meistens nichts weiter als eine Ballberührung in einer langen Partie des Gewalt-Ping-Pong, sei sie nun physisch oder psychisch. Wer kann sich bei den ganz großen und lange anhaltenden Streitigkeiten noch daran erinnern, wer nun tatsächlich angefangen hat, wo zuerst die Faust gehoben und eingesetzt wurde oder wo zuerst ein Fuß eine Grenze übertrat? Und wem ist bis heute noch nicht aufgefallen, daß bei den ganz großen Auseinandersetzungen allen Beteiligten sowohl die Opfer- als auch die Täter-Rolle zugesprochen werden kann, weil schon so lange gestritten wird, daß genügend Material vorliegt, um jede beliebige Gruppe zu belasten oder zu entlasten.

Christus hat da eine etwas andere Idee ins Spiel gebracht. Am Kreuze sterbend sagte er nicht "I'll be back!"...

"... right after these messages from my sponsor!"

...um dann drei Tage später all jene niederzumähen, die für seinen Tod veranwortlich waren. Nein, er regelte am Kreuze sterbend die verwandschaftlichen Verhältnisse aller kommenden Generationen ("Siehe, dein Sohn! Siehe, deine Mutter!") und stieß all jenen das Tor zum Himmel auf, die bereit sind, seinen Weg zu gehen. Damit nahm er nicht nur dem Tod den Stachel, sondern auch der Rache den Sinn.

Ist es nicht an der Zeit, die Waffen, die Drohnen, die Trillerpfeifen, die Demo-Plakate, die "Aber die haben angefangen"-Rufe, die Kommentarbereichs-Schlachten und die "Das lasse ich nicht auf mir sitzen"-Reflexe einmal schweigen zu lassen und zu versuchen, in der Stille das Gottes-Säuseln zu vernehmen?

Verhalten sich Sturm, Erdbeben und Feuer nicht zum Säuseln wie Gewalt, Rache und Gebrüll zur Barmherzigkeit? Sind die Letzteren nicht einerseits weniger auffällig und weniger medienwirksam, aber andererseits auch weniger furchteinflößend? Werden die Menschen nicht viel eher aus ihren Höhlen kommen, wenn sie Säuseln hören bzw Barmherzigkeit erkennen?

Ich weiß, daß ich der Letzte bin, der im Internet solche Reden schwingen darf, sind mir doch die kleinen Vergeltungs-Sticheleien alles andere als fremd (jüngstes Beispiel hier). Im wirklichen Leben allerdings stelle ich immer wieder fest, daß spontane Aktionen der Freundlichkeit, Aufmerksamkeit und Nachsicht viel mehr Freude und Frucht einbringen. Vielleicht ist das auch ein Grund dafür, warum ich in letzter Zeit weniger blogge...

Kommentare:

Elsa hat gesagt…

Es ist ja auch leichter, im echten Leben so zu sein, wie man wirklich ist. Die Leute stürzen nämlich nicht auf einen zu und schieben einen alles mögliches sofort unter. Die schauen einfach nur und denken, okay, sie hat einen schlechten Tag und versuchen ihrerseits freundlich zu sein.
Ist mir im Internet noch nie passiert:-)

Monika hat gesagt…

Sie machen das schon richtig.
Nur wenn man aneckt, kann man lernen, warum man es lieber bleiben läßt.
Die immer Braven haben Abgründe. Manchmal sieht man die. Dann bin ich jedesmal erstaunt.

Geistbraus hat gesagt…

danke für diesen Artikel!

Ich freue mich immer, wenn die Bergpredigt gebracht wird, sie ist so wichtig und es passiert so selten. Wahrscheinlich weil wir alle ständig erleben, an ihr zu scheitern - online wie offline.

Aber es hilft nichts, diese übermenschliche Richtschnur totzuschweigen - wir müssen wieder anpacken und den Alten Adam von neuem ersäufen. Auch wenn er tausend Leben hat.