Sonntag, 7. Juli 2013

Wo ham'se die denn aufgegabelt?

Silke Burmester vergleicht auf SpOn Edward Snowden mit Jesus, hat aber beim Schreiben wohl den Blick auch nicht so ganz vom Spieglein an der Wand abwenden können:
    Ans Kreuz genagelt, hingerichtet - im Nachhinein sind die Christen gern bereit, eine Gedenktafel aufzustellen, weil sie - nachdem du erneut dein Leben für sie gelassen hast - begreifen, dass da ein Großer unter ihnen war. Solange du aber da bist und für sie leidest, rennen sie lieber in die Kirche um nach dir zu rufen oder warten in der Einkaufsstraße mit der Bibel in der Hand darauf, dass du aus dem Himmel herabsteigst. Die Idee, denjenigen, in dessen Gestalt du dieses Mal versuchst, die Welt zu retten, zu unterstützen, liegt ihnen fern.
Gut, wenn man das Ganze von der hohen Warte herab betreiben kann, in diesem Fall aus der sicheren Distanz derjenigen, die offenbar schon über das gesamte Menschengeschlecht, mindestens aber über die Christenheit erhaben ist:
    Und während du mit Anfang 30 alles aufgibst, ohne Heimat und mit einer fragwürdigen Zukunft, weil du das Übel benennst, weil du sagst, wo und wie der Teufel sein Schindluder treibt - im Wissen, dadurch alles zu verlieren - sind sie nicht einmal bereit, den Mund aufzumachen, wenn ihr Sitznachbar - weil er Ausländer ist - von der Bahn-Security schlecht behandelt wird. Wenn ihr Unternehmen unethische Geschäfte macht, oder die Menschen nicht anständig für ihre Arbeit bezahlt.

    ...

    Immerhin Jesus, machst du das ja nicht zum ersten Mal. Du weißt, wie dumm die Menschen sind. Und wenn du seit 2000 Jahren nicht aufgibst, dann wirst du auch noch 2000 weitere Jahre durchhalten.
Wenn wir Christen es nicht schaffen, die Welt durch das Doppelgebot der Liebe wenigstens ein bißchen zu verwandeln, dann glauben eines Tages die Leute wirklich, daß wir nur deshalb gut zueinander sein sollen, weil irgendwelche Artikel- und Kommentare-Schreiber es uns sagen.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Ich hätte eine andere Überschrift gewählt:

Mir hamse als geheilt entlassen
(danke, Otto Reutter)

- wäre m.E. auch so falsch nicht gewesen.

Zwetschgenkrampus