Samstag, 6. Juli 2013

Psalmen-Check!

Angeregt durch Claudias aktuelle und knorke Psalmen-Rezitations-Wochen habe ich eben mal wieder eine der Standardfragen der Menschheit in meinem Haupte hin- und herrollen lassen: "Welcher Psalm ist eigentlich mein Lieblingspsalm?" oder, in meinem Fall: "Sind Psalm 8 und Psalm 139 immer noch meine Lieblings-Psalmen"?

Und, sie da: Die Antwort lautet "Jawoll!"

Warum?

Für Psalm 8 gibt's eine sehr kurze Begründung: Er beleuchtet auf so wunderbar kurze und auf-den-punktige Art und Weise die Herrlichkeit Gottes und die sich daraus ableitende Würde des Menschen. Außerdem enthält Psalm 8 einen meiner Lieblingssätze aus der gesamten Bibel: "Aus dem Mund der Kinder und Säuglinge schaffst du dir Lob, deinen Gegnern zum Trotz"!

Bei Psalm 139 ist es ein wenig schwieriger, weil er ja diese "Machse wech!"-Passage über die Feinde und Frevler enthält, die von etwas zu sehr bepuderzuckerten Zeitgenossen sicherlich gleich in die "Hate Speech"-Schublade gesteckt wird. Aber: Davor gibt es die wunderbarste Beschreibung eines allwissenden Big-Brother-Gottes, die mir aber nicht die rechtschaffene Indignation in die Haarspitzen treibt und meinen Bürgersinn aufgrund der enthätschelten Privatsphäre zum Glühen bringt, sondern die mir wohlige Schauer der Geborgenheit über den Rücken laufen läßt. Gott sah und sieht mich und wird mich immer sehen. Dies bedeutet, daß ich alles Gute in meinem Leben immer und sogleich Gott zeigen und mich dafür bei ihm bedanken kann. Es bedeutet auch, daß alles Üble in meinem Leben einen mildtätigen und barmherzigen Zeugen hat, der mir zu verstehen gibt, daß ich eines Tages ohnehin in seine sanften Hände fallen werde und daß ich alles Leid und alles Jammern ruhig schon mal aufopfernd voranschicken darf. Dann kommt also in den Versen 19 bis 22 der Tobsuchtsanfall. Hier reckt sich der unter Gottes Blick agierende Mensch keck empor, und der Psalm nimmt so eine Wendung hin zum allzu Menschlichen. Aber nach der Haß-Tirade steht am Ende des Psalms der herrliche Satz: "Sieh her, ob ich auf dem Weg bin, der dich kränkt, und leite mich auf dem altbewährten Weg!" Also kommt Christus und sagt "Liebt Eure Feinde", und der altbewährte Weg liegt deutlich vor meinen Augen. Extra Bonus: Der Psalm 139 ethält mit "die Flügel des Morgenrots" und "gewoben im Schoß meiner Mutter" zwei der wunderbarsten Wendungen im ganzen Buch der Psalmen!

So! Und nun seid Ihr dran! Schreibt mir, welches Psalmen Ihr besonders liebt und schreibt mir auch, warum! Danke!

Kommentare:

Alex hat gesagt…

Ich empfinde das immer so, dass sich solche Verse nicht gegen "die Gottlosen" richten, sondern gegen das, was an mir gottlos ist: die Laster, die sich immer wiederholenden Sünden. Ich finde es sehr hilfreich, in solchen Momenten die Wut nicht gegen mich selbst zu richten, sondern in einem schönen Rachepsalm den Herrn zu bitten: Schlag ihnen doch die Zähne ein! Sicher sind den Feinden die Zähne eigentlich schon gezogen. Aber es tröstet sehr zu sehen, dass vor 3000 Jahren schon die Leute sich trotzdem immer wieder haben beißen lassen. Das hilft sehr beim konstruktiven Umgang mit den eigenen Bisswunden.

Admiral hat gesagt…

Psalm 34, besonders der 2. Teil:

Kommt, ihr Söhne, hört auf mich! Die Furcht des Herrn will ich euch lehren.
Wer ist der Mensch, der das Leben liebt und gute Tage zu sehen wünscht?


Diese Stelle ist mir besonders im Gedächtnis, weil sie im Prolog der Benediktsregel zitiert und erklärt wird und bei der feierlichen Vigil des Heimgangs des hl. Benedikt wunderschön vertont ist.

chiqitac hat gesagt…

Hhhm, irgendwie kommt in den drei Psalmen, die mir besonders wichtig sind, immer eine 8 vor... ;-):

Psalm 80 - die Steigerung: "Du Hirte Israels, HÖRE,...ERSCHEINE,...BIETE DEINE GEWALTIGE MACHT AUF und KOMM UNS ZU HILFE!" - mein Lieblings-Fleh-Psalm.

Psalm 18 - vor allem der Beginn (gibt's auch noch anderswo, ich weiß...): "Ich will dich rühmen, Herr, meine Stärke, Herr, du mein Fels, meine Burg, mein Retter, mein Gott, meine Feste, in der ich mich berge, mein Schild und sicheres Heil, meine Zuflucht."
Mein Gottesbild.

Psalm 118 - fast kommentarlos, einfach nur DANKEN - mit dem Bekenntnis: "Meine Stärke und mein Lied ist der Herr; er ist für mich zum Retter geworden".
Könnte ich an Ostern dauernd singen.

kalliopevorleserin hat gesagt…

Für mich ist der 121. Psalm besonders wichtig.
Er hat mit meiner Bekehrung zu tun, mit jenem Morgen in den Schweizer Alpen, an dem mir klar wurde, daß die Evangelien und Psalmen - die ich als humanistisch gebildete Agnostikerin im Gepäck hatte und schön fand - mehr sind als gute Literatur.
Nicht lange nach meiner Taufe durfte ich Mendelssohn-Bartholdys wunderbare Vertonung dieses Psalms in einem Kirchenchor singen.

Ich habe übrigens vor, alle Psalmen zu rezitieren und täglich einen auf meinem Blog vorzustellen.

Anonym hat gesagt…

Psalm 104 - gesungen das Highlight der Osternacht und der Pfingstvesper!

"Verbirgst du das Gesicht, sind sie verstört,
nimmst du ihnen den Atem, so schwinden sie hin und kehren zurück zum Staub der Erde.
Sendest du deinen Geist aus, so werden sie alle erschaffen
und du erneuerst das Antlitz der Erde."

Zagorka hat gesagt…

Ich bin noch lange nicht mit allen Psalmen vertraut, aber wenn ich im Stundengebet zum Psalm 63 komme, weitet sich mein Herz:
" Deus, Deus meus, ad te de luce vigilo.
Sitivit in te anima mea; quam multipliciter tibi caro mea! 3
In terra deserta, et invia, et inaquosa,
sic in sancto apparui tibi,
ut viderem virtutem tuam et gloriam tuam...."