Montag, 22. Juli 2013

"Old Ladies Playing Church"

So überschreibt unsere Blogoezesen-Möwe einen Beitrag, welcher dem staunenden Leser ein Video präsentiert, in dem US-Womynpriests eine Bischofs-... Bischöfinnen-... Bishop-... Sheshop-Weihe nachspielen.

Das kennt man ja mittlerweile...

Interessant finde ich den Beitrag wegen der Überschrift, denn just heute morgen las ich in der Presse einen Artikel, in dessen Verlauf mir dieser Gedanke durch den Kopf schoß: 'Da spielt eine alte Dame Papst!'

Clelia Luro, 87 Jahre alt, Bischofs-Witwe, Befreiungsthologin, Kirchenrebellin, "Hexe" und "enge Freundin des Papstes" weiß, daß Franziskus den Zölibat abschaffen will. Luro, die den argentinischen Bischof Jerónimo José Podestá nach seiner Suspendierung heiratete, spannt sich die Pferde zweier individueller Schicksale so nachhaltig vor den Karren, daß sie im PRESSE-Artikel gegen Ende folgendermaßen zitiert wird:
    Wird der Papst den Zölibat anfassen? „Ja, aber jetzt noch nicht. Ich habe ihn gebeten, jetzt noch nichts zu unternehmen“, sagt Clelia Luro. „Er sagt mir, du hast recht. Bitte deine Pfarrer, dass sie Ruhe bewahren.“ Clelia hat angeboten, dass ihr Verband von mehr als 100.000 verheirateten Priestern mindestens ein Jahr lang das Thema nicht aufbringt. Sie weiß, welche Reaktionen eine Entscheidung rund um den Zölibat nach sich zöge: „Mehr als einer schneidet dir dafür den Kopf ab“, sagt sie.
Ähh... Okay!

Der Papst soll laut seiner offenbar in Zölibatsfragen wichtigsten und erfahrensten Ratgeberin bitte noch nichts unternehmen, wegen "Rübe ab!" und so. Aber daß er etwas unternehmen will, das wird dennoch mal eben in einem Massenmedium preisgegeben. Klingt plausibel...

Ich sitze im Moment einigermaßen ratlos da, weil ich nicht einmal mit Bestimmtheit sagen kann, ob ich hier nun eine Zölibats-Feindin auf den Rachetrip erlebe oder eine Papst-Freundin, die mehr erzählt, als sie eigentlich erzählen dürfte.

Einerseits habe ich in deutschen Veröffentlichungen genug Artikel von Theologen und Priestern gelesen, deren postkonziliare Träume sich in Luft aufgelöst haben, und die daher kurz vor Sendeschluß auf ihr Leben zurückblickend in einem "Aber es dreht sich doch eigentlich alles um mich!"-Anfall schnell noch mit Messer und Gabel mal über den Papst, mal über den Vatikan, mal über die Bischöfe und mal über die ganze Kirche herfallen.

Andererseits ist Papst Franziskus für mich schon irgendwie der Forrest-Gump-Pralinenschachtel-Papst: Man weiß nie, was man kriegt...

Unterstützt wird Luro im Artikel jedenfalls durch Autor Andreas Fink, der dem Bericht hier und dort die entscheidenden Rühtstückchen-Kirschen auf die Sahnehäubchen setzt. Über Bischof Podestá dornenvögelt er z.B.:
    Der Bannstrahl traf den Bischof, dessen größte Sünde die Liebe war,...
** hüstel **

Nachhaltig in Erinnerung bleiben wird die Überschrift des Artikels, welche lautet:
    Papst-Vertraute: Franziskus möchte Zölibat abschaffen
"Schau'n mer mal", wie der Kaiser zu sagen pflegt...

1 Kommentar:

Damian hat gesagt…

Welch ein Rührstück! Ein Opfer der katholischen Kirche schmiedet heimlich (unter Einbeziehung der Massenmedien) mit dem Papst ein Komplott, um mal so eben die Kirche auf den Kopf zu stellen. Dieses Komplott ist natürlich lebensgefährlich für den Hl. Vater, was die enge Vertraute nicht davon abhält, die finsteren Pläne an die Öffentlichkeit zu bringen. Die auf diese Weise erst aus ihrem Schlummer erweckten potentiellen Attentäter könnten dann zu der self-fulfilling prophecy beitragen. Mit der Kirchenrevolution wird es dann zwar nichts mehr, aber zumindest hat man ein wenig mediale Aufmerksamkeit erlangt. Und bestimmt bekommt die Muse des Papstes demnächst auch einen eigenen Wikipedia-Artikel.