Sonntag, 21. Juli 2013

"Ist das Kunst oder kann das weg?"

Der Geistbraus hat vorgestern einen Beitrag gepostet, in dem es um einen Kommentar geht, der zu einem FAZ-Artikel abgegeben wurde. Dieser Artikel berichtet von der etwas kunst-unsinnigen Mutter in Rumänien, die Gemälde von Picasso, Matisse und Monet verbrannt hat, um Beweismaterial zu vernichten. Der Kommentar lautet:
    So leid es mir tut, aber auf diese “Kunst”, wie etwa Picassos Harlekin-Kopf von 1971 und Ähnliches kann die Welt nun wirklich verzichten.
Um zuerst einmal dies loszuwerden: Ich kriege immer den trüben Blick, wenn irgendwelche Kommentare mit "Sorry, aber..." oder mit "Tut mir leid, aber..." oder mit "So leid es mir tut, aber... beginnen. Denn in der Regel folgt darauf ein Text, der nicht das geringste Bißchen von Mitleid oder wenigstens Verständnis erkennen läßt. Kann man sich echt sparen.

Ich bin über diesen Leser-Kommentar ebenso entsetzt wie der Geistbraus. Nicht, weil da jemand Picasso nicht toll findet, sondern weil jemand hier einem Kunstwerk die Existenzberechtigung abspricht und sich herausnimmt, festzulegen, worauf die Welt verzichten kann. Einfach dämlich. Ich stimme daher dem Geistbraus in allem, was er geschrieben hat, vorbehaltlos zu, bis auf den letzten Satz, dem ich halb zustimme:
    Wer sagt, ein Picasso sei keine Kunst, sagt auch, ein Neger sei kein Mensch.
Ich denke schon, daß ich den Satz in seiner Überspitzung richtig verstanden habe und ich denke, daß ich ihm in dieser Überpsitzung auch zustimme.

Ich denke aber auch, daß das, was Kunst ist, durch den Menschen bestimmt wird, während das, was ein Mensch ist, durch Gott bestimmt wird. Daher wird ein Mensch immer ein Mensch sein, aber Kunst wird nur dort Kunst sein, wo Menschen sie zu solcher erklären. Da es aber keinen anderen Gott gibt, der dem Gott, der uns zu Menschen gemacht hat, widerspricht, dafür aber nicht selten viele Menschen, die demjenigen widersprechen, der ein Werk zu Kunst erklärt, besteht hier für mich einfach ein so großer Unterschied, daß ich mir erlaube, diesen Einwurf zu posten.

Vielleicht ist der gesamte Gedankengang aber auch überflüssig, da der vernünftige Umgang mit Kunst und Menschen ja der ist, daß man Kunst, die man nicht mag, einfach links liegenläßt (oder auch mal 'nen Verriß drüber schreibt) und Menschen, die man nicht mag, meidet. Kein Grund, im einen oder anderen Fall zu behaupten, das was nicht gefällt, sei nicht das, was es (nach Meinung anderer bzw nach Gottes Schöpfungsplan) ist.

Im übrigen sollte jeder beim Geistbraus vorbeischauen und sich den verlinkten Artikel reinziehen!

Kommentare:

Martina Baro hat gesagt…

Autsch!
Dieser mangelnde Respekt für eine Leistung, die über den eigenen Horizont geht, lässt bestimmte Schlüsse zu:
Ein Volk, dass keinen Zugang zu kulturellen Werten hatte.
Kriminelle Energie, die nicht fähig ist, nachhaltig zu denken und zu handeln.
Armut, die "von-der-Hand-in-den-Mund" vorschnell und unüberlegt sich Lasten aufbürdet, die sie nicht tragen kann.
YO, kann ja Spekulatius sein.
Dennoch wird hier explizit deutlich, das Raffgier und Gewinnsucht meist böse enden, leider selten oder nie für die Initiirenden...
ALDA, o tempora, o mores! *grummel*

Geistbraus hat gesagt…

ja, der letzte Satz ist natürlich überspitzt und nicht streng logisch gemeint. Das habe ich auch gerade in Antwort auf Bastian nochmal klargemacht.