Donnerstag, 18. Juli 2013

Hilfe! In Texas droht der Quickie zu sterben!

Ein gewisser Ben Sherman hat Anfang Juli auf dem Blog Burnt Orange Report einen Beitrag veröffentlicht, in dem er sich mit dem neuen Abtreibungs-Gesetzesentwurf in Texas auseinandersetzt, welcher unter anderem ein Abtreibungsverbot nach der 20. Schwangerschaftswoche und striktere Hygiene und Professionalität bei Abtreibungsärzten vorsieht, damit es in Zukunft keine weiteren Gosnells gibt. Grundtenor des Sherman-Beitrags: Der Entwurf geht nicht nur die Frauen etwas an sondern auch die Männer, denn wir alle haben etwas zu verlieren. Shermans Text hat in der US-Blogoezese ziemlichen Wirbel ausgelöst, weil eines der Dinge, die man zu verlieren droht, der Quickie ist:
    For those of us guys who like girls ... and want to have relationships with them that may last anywhere from a few minutes to many years, we need to think about how this bill, by curtailing the bodily autonomy and sexual freedom of women, hurts us, too.

    ...

    Your sex life is at stake. Can you think of anything that kills the vibe faster than a woman fearing a back-alley abortion? Making abortion essentially inaccessible in Texas will add an anxiety to sex that will drastically undercut its joys. And don't be surprised if casual sex outside of relationships becomes far more difficult to come by.

    [Diejenigen von uns, die Mädchen mögen und die mit ihnen eine Beziehung eingehen wollen, deren Dauer irgendwo zwischen ein paar Minuten und vielen Jahren liegt, müssen darüber nachdenken, wie dieser Entwurf auch uns wehtut, indem er die körperliche Autonomie und die sexuelle Freiheit von Frauen beschneidet.

    Euer Sex-Leben steht auf dem Spiel. Könnt Ihr Euch etwas vorstellen, das die Stimmng schneller tötet als eine Frau, die sich vor einer Hinterhofabtreibung fürchtet? Die Abtreibung in Texas im Grunde unzugänglich zu machen wird dem Sex eine Angst beimischen, die den Spaß drastisch unterhöhlt. Und seid nicht überrascht, wenn bedeutungsloser Sex außerhalb einer Beziehung schwerer zu erlangen sein wird]
Okay... Buh-friggin'-huh!

Pro-Choicer argumentieren ständig, daß sie Abtreibungen "safe, rare and legal" machen wollen. Sherman hat jetzt aber eine neue Dimension eröffnet: Abtreibungen müssen ständig und überall möglich sein, denn was soll nur passieren, wenn ein Bräunungscreme-Haargel-Zombie mal auf ein "Wenn ich bis um Mitternacht nicht im Bett bin, dann gehe ich nach Hause"-Woo-Girl trifft und die Funken fliegen?

"Wie jetzt? Ich kann die Tusse nicht wie üblich als Einweg-Spielzeug genießen, weil sie am Ende Schiß vor einer ungewollten Schwangerschaft hat, die sie nicht im Handumdrehen beenden kann?"


Willkommen auf der Erde! Kein einziges Mal erwähnt Sherman in seinem Text das im Mutterleib heranwachsende Leben. Stattdessen wimmelt es überall vor Pro-Choice-Code wie z.B. "bodily autonomy" oder "sexual freedom" oder "reproductive rights/health", gipfelnd in dem Weltklasse-Facepalmer, daß Männer, die keine Kinder haben wollen, sich nicht durch den Staat dazu zwingen lassen dürfen, Kinder zu bekommen. Aber okay, wer Frauen als ein Spielzeug betrachtet, das man mal "für wenige Minuten" benutzt, der kapiert wahrscheinlich auch nicht, daß der Staat schlicht das Beenden eines im Mutterleib heranwachsenden Lebens wenigstens einschränken möchte und niemanden dazu zwingen will, Vater zu werden.

Wer keine Kinder haben will, der sollte keinen Sex haben. Denn wenn etwas schief geht, dann stehen da keine Männer auf, die sagen "Gut, das stehen wir gemeinsam als Familie durch! Her mit dem Nachwuchs!", sondern es jammern Muckibuden-Flimmflämmchen herum, daß das doch alles nicht so gemeint war und daß man doch nur seinen Spaß haben wollte und daß es echt total fies ist, wenn man jetzt die Partnerin nicht in die Abtreibungsklinik zerren kann.

Ich sehe ein, daß niemand Vater werden sollte, der ernsthaft und ehrlich glaubt, dieser Aufgabe nicht gewachsen zu sein, so wie Sherman es in seinem Text andeutet. Warum der Autor dann nicht auch die Weitsicht besitzt, seine Geschlechtsgenossen vor spotanen Nümmerchen zu warnen, anstatt diese indirekt einzufordern, ist mir schleierhaft. Aber offenbar gehört für einen gewissen Schlag von Menschen heute weniger Mut dazu, ein im Mutterleib heranwachsendes Leben zu beenden, als ein Kind zu bekommen und hochzuziehen.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Von mir als Befürworterin von legaler Abtreibung unter den derzeitigen Umständen: den Herren obigen Kalibers war doch den letzten 2000 Jahren schnurzpiepegal,ob die Frau mit der sie casual sex und eine Beziehung im Minutenbereich hatten, dann schwanger wurde und die back alley abortion über sich ergehen ließen. Da jetzt die großen Frauenversteher raushängen zu lassen, ist schon etwas scheinheilig.
Es wäre schon mal was getan, wenn die Herren selbst sich mit den Themen "Verhütung" und "Ungewollte Schwangerschaft" auseinandersetzen würden und ihre Verantwortlichkheit erkennen würden, wenn sie gerade vor dem nächsten casual sex stehen (oder auch in einer stillen Stunde danach).

Johannes hat gesagt…

Endlich spricht es ein mutiger Mann - Jahrzehnte nach dem hochverehrten Wilhelm Reich - mutig und gelassen aus - es geht nicht um die "sexual and reproductive rights of women" sondern um den Anspruch der Männer auf einen günstigen Fick. Diesem Schmierlappes gebührt die Palme! Und das Eisenkorsett mit Eichenlaub und Schwertern für seinen selbstlosen und mutigen Kampf für die Wahrheit!

Gerd F. hat gesagt…

>>Es wäre schon mal was getan, wenn die Herren selbst sich mit den Themen "Verhütung" und "Ungewollte Schwangerschaft" auseinandersetzen würden<<

Geschenkt. Das Thema müsste nach 35Jahren Sexualaufklärung eigentlich durch sein. Ich wurde im zarten Alter von 12 Jahren zur Auseinandersetzung mit Verhütung und ungewollter Schwangerschaft gezwungen. Von einem One-Night-Stand hätte mich das nicht abgehalten, da musste schon eine andere Sichtweise her. Ganz bestimmt hat mir dabei folgende geholfen:
Der Mensch ist ein Geschöpf Gottes und mit einer unveränderlichen Würde ausgestattet. Deswegen bin ich im übrigen auch ein Gegner von "legaler" Abtreibung unter den derzeitigen Umständen. Aber das nur am Rande.

Anonym hat gesagt…

Also, ich bin nicht für meine Empathie berühmt; aber beim besten Willen kann ich ganz verstehen, wie Ben Sherman (womöglich irgend eine Verwandtschaft zu dem Bürgerkriegs-General von "Sherman's March"?) angesichts seiner Ansichten ("wichtig ist ja nur, daß ein F.ck für den Mann niemals Folgen hat, auf alles andere ist gepfiffen!") eine halbwegs intelligente Frau jemals ohne Einsatz von Gewalt, Drohungen, Alkohol oder Drogen ins Bett kriegen sollte ...

Zwetschgenkrampus