Freitag, 5. Juli 2013

A propos "Pommersfelden"...

Daß Lothar Franz von Schönborn nicht nur der Bauherr dieses herrlichen Schlosses ist, sondern auch meine erste Antwort auf die Frage "Mit welcher historischen Persönlichkeit würdest Du gerne mal eine Tasse Kaffee trinken und ein Schwätzchen halten?", dürfte bekannt sein.

Warum aber finde ich ihn überhaupt so interessant? Weil er es offensichtlich faustdick hinter den Ohren hatte!

"Ich? Faustdick? Hinter den Ohren? Aber... Ich habe doch gestern erst angeordnet,
daß meine Perücken gereinigt werden sollen!"
Hier die schönsten Lothar-Franz-Anekdoten, die ich bisher bei diversen Führungen zu hören bekam oder in Büchern aufstöbern konnte:

In der als Muschelgrotte ausgearbeiteten Sala Terrena gibt es, wie man erwarten darf, auch einige Springbrunnen. Vor einem dieser Brunnen sind im Boden zwei kleine Löchlein zu sehen. Diese dienten folgendem Zweck: Wenn mal Besuch im Schloß unterwegs war und eine Frau mit Reifrock über diesen Löchern stand, dann gab der Hausherr manchmal einem Diener ein Zeichen. Der Diener legte einen Hebel um und - ** spa-ritzzz ** - die Dame bekam eine unerwartete Abkühlung in Form zweier Wasserstrahlen spendiert.

Das Treppenhaus des Schlosses ist doppelläufig. Dafür gibt es angeblich zwei Gründe: Einmal war Lothar Franz von Schönborn ein absolut begeisterter Dilettant im besten Sinne. Er beschäftigte sich mit Kunst und Architektur um ihrer selbst Willen und nicht, weil er damit Geld verdienen oder einen Ruf erwerben mußte. So kam es, daß er im Laufe der Zeit auch ein wenig Fachwissen sammelte. Dies wiederum führte dazu, daß er sich seine eigenen Gedanken über seine neu zu errichtende Sommeresidenz in Pommersfelden machte und daß sein Kopf hin und wieder zwischen denen der Architekten über irgendwelchen Bauplänen auftauchte, wo der Herr "Erzbaumeister" dann seinen "Baudirigierungsgöttern" seine Vorstellungen darlegte. Und eine dieser Vorstellungen ist die Grundlage für das Treppenhaus in Pommersfelden (welches übrigens Balthasar Neumann bei der Konzeption des Treppenhauses in der Würzburger Residenz als Vorbild diente). Von seinem eigenen Entwurf war der trotz seiner vielen Ämter (Kurfürst, Erzbischof, Reichskanzler, Fürstbischof) offenbar immer noch nicht ganz ausgelastete Bauherr so überzeugt, daß er ihn mit diesen Worten gegen sämtliche Ändrungswünsche seiner Architekten verteidigte: "Meine stieg muess bleiben, als welche von meiner invention undt mein meisterstuck ist."

Ein zweiter Grund für die doppelläufige Treppe ist angeblich das hohe kirchliche Amt, welches ein Neffe von Lothar Franz bekleidete: Damian Hugo von Schönborn war Kardinal, stand also in der kirchlichen Hierarchie über seinem Onkel, welcher wiederum in der weltlichen Hierarchie seinen Neffen um Längen zurückließ. Lothar Franz sah vor seinem entsetzten inneren Auge vielleicht schon die Zeremonienmeister und die Begleiter des jeweiligen Würdenträgers balgend über den Steinboden rollen, weil sie sich nicht einigen konnten, welcher der Herren nun rechts vom anderen gehen darf. Also einfach her mit der doppelläufigen Treppe!

Auf den Gefäßen, welche die Podeste jeweils zu Beginn eines der beiden Treppenläufe zieren, toben jeweils zwei Puttenpärchen herum. Sie sind so angeordnet, daß man beim Hochsteigen der Treppe auf der rechten Seite ein Pärchen sieht, welches sich liebkost, während das Pärchen auf der Linken sich rauft. Beim Hinabsteigen ist es ebenso: Wählt man von oben gesehen die rechte Stiege, sieht man zwei Putten, die sich mögen, während links wiederum gebalgt wird. Angeblich wurden die Gefäße so verziert, damit der Hausherr die Leute, die ihm angenehm waren über die Schmuse-Treppen hinauf- und hinabbitten konnte, während weiniger genehme Zeitgenossen über die Kebbel-Treppen geschickt wurden.

Zuletzt gefällt mir auch das Understatement von Lothar Franz. So kündet er den Bau des wirklich wunderschönen, imposanten und doch irgendwie heimeligen und intimen Schlosses so an: "Über dem Pommersfeldischen Riß bin ich allhier (zu Mainz) mit meinem Bamberger Baumeister begriffen und will beweisen, daß man auch hier zu Land was hübsch machen kann." Hmm... "Hübsch..." In der Tat!